Experteninterview: Übergang von familiengeführten zu managergeführten Unternehmen

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NEUE REIFENZEITUNG:

Unternehmen entwickeln sich und wachsen mit der Zeit. Wann bzw. ab wann würden Sie Inhabern und Inhaberfamilien raten, die Unternehmensführung in fremde Hände zu legen?

Birgit Felden:

In der ersten Entwicklungsphase eines Familienunternehmens regelt der alleinige Inhaber die gesamte Organisation, trifft alle Entscheidungen und das Unternehmen befindet sich vollkommen oder größtenteils in seinem Eigentum. Er oder sie ist quasi das Unternehmen. Unschwer ist hier das Bild des klassischen Patriarchen zu erkennen, wie es zum Beispiel Wolfgang Grupp von Trigema darstellt.

Wenn Familienunternehmen wachsen oder die nächste Generation das Ruder übernimmt, werden häufig weitere Familienmitglieder (z.B. die Kinder) am Unternehmen beteiligt und übernehmen vielfach auch Managementaufgaben. Schnell wachsende Unternehmen, deren Bedarf an hoch qualifizierten Führungskräften familienintern nicht mehr gedeckt werden kann, denken oftmals schon in dieser Generation an ein Fremdmanagement. Oft wird diese Lösung auch gewählt, wenn familieninterne Kompetenzen aus Altersgründen nicht zur Verfügung stehen.

Die Lösung einer Führung durch Fremdmanager kann auch mit einer zeitlich begrenzten Perspektive einhergehen und eine langfristige Nachfolgestrategie ermöglichen. Diese Variante besteht in der Interims-Geschäftsführung durch einen familienfremden Manager, bis die eigenen Kinder so weit sind, die Leitung zu übernehmen. Für diese, zeitlich meist überschaubare, Aufgabe wird häufig eine Führungskraft aus dem Unternehmen rekrutiert, seltener gezielt ein Geschäftsführer auf dem Markt gesucht.

Die Fragestellung nach einem externen Management stellt sich spätestens in der dritten Generation, sobald sich erste dynastische Strukturen innerhalb der Familie zeigen und die Familie sich aus Personen aus unterschiedlicher Familienstämme zusammensetzt.

Die Übergabe der Unternehmensführung an Fremdmanager bedeutet nicht notwendigerweise einen Rückzug der Familie aus der Verantwortung oder den ersten Schritt zum Ende des Familienunternehmens. Im Gegenteil zeichnen sich diese Unternehmen meist durch ein sehr professionelles Management und überproportionalen Erfolg aus.

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