Patient Reifenmarkt: April bringt Linderung, aber noch keine Genesung

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Bezogen auf die Absatzentwicklung im deutschen Reifenersatzgeschäft kann man das erste Quartal – egal ob mit Blick Industrie in Richtung Handel (Sell-in) oder hinsichtlich Handel in Richtung Verbraucher (Sell-out) – rückblickend wohl nur als Opens external link in new windowdesaströs bezeichnen. Doch nachdem der Winter im April endgültig seinen Rücktritt erklärte, hat das lang herbeigesehnte Sommergeschäft nun langsam Fahrt aufgenommen. Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass sich der Markt – vor allem im Segment Pkw-Reifen – jetzt endlich in eine positivere Richtung hin entwickelt. Aber ob sich damit bzw. im weiteren Jahresverlauf die bis dato schon aufgelaufenen Rückgänge werden aufholen lassen, wird von so manchem in der Branche in Zweifel gezogen.

Das sogenannte Sell-out-Panel des Wirtschaftsverbandes der deutschen Kautschukindustrie (WdK) weist in Sachen Pkw-Sommerreifen für den zurückliegenden Monat allein jedenfalls ein Absatzplus von knapp vier Prozent gegenüber dem April 2012 aus: Das kann aber nicht darüber hinwegtrösten, dass der Handel nach nunmehr vier Monaten bis dato trotzdem gut 24 Prozent weniger Pkw-Sommerreifen an die Frau bzw. den Mann bringen konnte als im entsprechenden Vergleichszeitraum des Vorjahres. Zusammen mit einem beinahe achtprozentigen Absatzplus bei Pkw-Winterreifen während der ersten vier Monate des laufenden Jahres ergibt sich unterm Strich nichtsdestoweniger für das Pkw-Reifengeschäft des Handels insgesamt ein Minus von 18 Prozent, denn üblicherweise sind im Frühjahr die Verkaufszahlen an Pkw-Sommerreifen ja deutlich höher als die für Pkw-Winterreifen. Offroad- bzw- 4×4-Reifen waren in bisherigen Jahresverlauf ebenfalls weniger gefragt als von Januar bis April vergangenen Jahres, allerdings fällt das hier nach vier Monaten aufgelaufene Minus mit knapp drei Prozent wesentlich kleiner aus als in anderen Produktsegmenten. Denn auch für Llkw-Reifen ist der aktuellen WdK-Statistik für den April allein zwar eine etwas positivere Tendenz als in den drei Monaten davor zu entnehmen, aber kumuliert schlägt nach dem ersten Trimester trotzdem ein noch über 15-prozentiger Rückgang des Absatzvolumens zu Buche. Und in Bezug auf Lkw-Reifen liegt das bisher aufgelaufene Minus ziemlich genau zwischen sieben und acht Prozent.

Die Industrie hat mehr oder weniger genauso den Gegenwind gespürt durch das späte Einsetzen des Sommerreifengeschäftes bzw. durch noch vom Vorjahr vergleichsweise gut gefüllte Läger aufseiten des Handels. Mit in Summe nicht ganz 12,6 Millionen Pkw-Reifen lieferten Reifenhersteller nach den Zahlen der European Rubber Manufacturers’ Conference (ERMC) von Januar bis April dieses Jahres immerhin gut 16 Prozent weniger ihrer Produkte an Reifenvermarkter in Deutschland aus als im selben Zeitraum 2012. Dabei steht einem elfprozentigen Minus auf gut 11,9 Millionen Einheiten bei Sommereifen ein fast 61-prozentiger Rückgang auf gut 620.000 Stück bei Winterreifen gegenüber. Federn lassen mussten zudem 4×4- bzw. Offroadreifen, von denen laut dem jüngsten ERMC-Datenmaterial rund 840.000 Stück und damit fast acht Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum in Richtung Handel geliefert wurden. Noch unerfreulicher entwickelte sich für die Industrie nur das Absatzvolumen an Llkw-Reifen, von denen gut 780.000 Stück an Reifenvermarkter hierzulande ausgeliefert wurden: Das entspricht einem Rückgang, der mit gut 33 Prozent auf nahezu unverändert hohem Niveau wie schon nach drei Monaten liegt. Immer mehr in Schwung kommt dafür aber scheinbar das Geschäft mit Lkw-Reifen: Zum Stand Ende April haben die Hersteller mit summa summarum annähernd 380.000 Einheiten über sieben Prozent mehr Reifen an ihre Vermarktungspartner im deutschen Ersatzmarkt ausgeliefert. christian.marx@reifenpresse.de

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