Gelb, rot, blau – Contis Mehrmarkenstrategie mit Blick auf Winterreifen

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Mittlerweile sind sie aus der Branche nicht mehr wegzudenken: die alljährlich rund um den Start in das Umrüstgeschäft terminierten Informationsveranstaltungen der Reifenindustrie in Sachen Winterreifen. So hat sich Ende September dieses Jahres auch die Continental AG wieder auf „WinterRoadshow“ begeben. „Aufhänger“ war dabei diesmal die Mehrmarkenstrategie des Reifenherstellers. Genauer gesagt hat man die Winterreifen der drei Hauptmarken – Continental, Uniroyal und Semperit – erstmals in Bezug auf ihre Eigenschaften bzw. Positionierung in einem Vergleich gegenübergestellt.

Dabei ging einerseits um solche Dinge wie deren im Markt wahrgenommenes Erscheinungsbild. In vielen (Branchen-)Köpfen sind diesbezüglich sicherlich längst solche Schlagwörter respektive Claims wie Premium bzw. Sicherheit auf höchstem Niveau (Conti), Nässespezialist bzw. „der Regenreifen“ (Uniroyal) oder Winterspezialist bzw. „alpenbewährt“ (Semperit) verankert. Mindestens ebenso geläufig dürfte inzwischen die unterschiedliche farbliche Signalisation in Bezug auf die jeweilige Marke sein: Beim Conti-Auftritt in der Öffentlichkeit ist in der Regel gelb dominierend, während man mit Uniroyal eher rot und mit Semperit schließlich blau assoziiert. Abgesehen von derlei eher „weichen“ Unterscheidungsmerkmalen ist der Konzern andererseits nicht davor zurückgeschreckt, auch eine „harte“ Differenzierung der Winterreifen der drei Marken – also hinsichtlich ihrer technischen Leistungswerte – vorzunehmen.

Die Verknüpfung des Markenportfolios mit den Produkten sei etwas, was – so erklärt zumindest Conti-Pressesprecher Alexander Lührs den in diesem Jahr bei der „WinterRoadshow“ gewählten Ansatz – „uns lange am Herzen liegt“. Schließlich fahre man im Konzern schon seit vielen Jahren eine Mehrmarkenstrategie, sagt er unter Verweis etwa auf General Tire, Gislaved, Viking oder auch Barum, Mabor und Matador, die ebenfalls zum Portfolio des Unternehmens gehören. Dies biete den Vorteil, die Kunden zielgerichtet bedienen zu können, zieht Lührs zufolge auf der anderen Seite allerdings das nicht immer ganz leichte Handling einer recht komplexen Angebotspalette nach sich. „Die Produkte sollten zur jeweiligen [Marken-]Positionierung passen“, umreißt Lührs die Problematik.

Dass man sich bei der im Rahmen der diesjährigen Winterreifentour durch Deutschland vorgenommenen Markendifferenzierung allein auf Conti, Uniroyal und Semperit kapriziert hat, wird damit erklärt, dass hierzulande eher „Premium im Vordergrund“ stehe. Ausgewogen auf hohem Niveau, Bremsen/Sicherheit im Fokus, sind denn auch die Kernwerte, die Lührs zu der Flaggschiffmarke Continental einfallen. „Was technisch geht, steckt in Reifen der Marke Continental“, sagt er. Es könne durchaus sein, dass Uniroyal-Reifen in bestimmten Disziplinen – wer würde bei den „Regenreifen“ nicht unmittelbar deren Nässeeigenschaften in Verdacht haben? – besser sind als Conti-Modelle. Dafür müsse man aber in anderen Bereichen mit Abstrichen rechnen. Ebenso verhält es sich demnach in Bezug auf Semperit, nur dass statt einem Mehr an Nässeleistung wie beim Uniroyal hier unter Umständen ein Plus an Winter-Performance gegenüber den als ausgewogen beschriebenen Conti-Gummis herausspringen könne.

Die Differenzierung der drei genannten Marken hat Dr. Andreas Topp, Leiter Technical Benchmark bei dem Unternehmen, versucht, anhand einer virtuellen Reise durch Deutschland zu verdeutlichen. Unter der Zuhilfenahme meteorologischer Daten etwa zu den Tagen mit Niederschlag oder Eisrisiko wurden die verschiedenen Spezifika den dem Qualitätssegment zugeordneten Uniroyal- und Semperit-Reifen herausgearbeitet. Logisch, dass Topp erstere Marke eher mit dem Norden und Westen des Landes assoziiert, wegen der eher feuchten Bedingungen mit weniger Frosttagen als im Osten und Süden der Republik. Dort sind gemäß der dahinter stehenden Logik dann wohl Reifen der Marke Semperit zu Hause, während Conti-Reifen im Premiumsegment angesiedelt werden und damit unabhängig von den Betrachtungen zu den beiden anderen ohnehin in einer ganz anderen Liga spielen.

Uniroyal-Reifen sollen bekanntlich vor allem bei Nässe punkten, weshalb Topp beispielsweise auch auf deren hydrodynamisch gezeichnetes Profil verweist, aber dabei nicht ihre „auf nasskalte Strecken abgestimmte Mischung“ vergisst zu erwähnen. Das mache sie – abgesehen von den Produkten der Premiummarke Continental – zur guten Wahl für Autofahrer in den nördlichen und westlichen Regionen Deutschlands. Verfolgt man Topps Argumentation, könnte man fast meinen, hier werde von Ganzjahresreifen statt von Uniroyal-Winterreifen gesprochen. „Wir sind nach wie vor davon überzeugt, dass im Sommer einzig Sommerreifen und in Winter dementsprechend Winterreifen die richtige Bereifung sind“, antwortet Topp auf die Frage dieser Fachzeitschrift, ob Uniroyal-Winterreifen nicht so etwas wie die Ganzjahresreifen des Konzerns sind. Solche werde es im Premium- und auch im Qualitätssegment des Herstellers auf absehbare Zeit nicht geben, ergänzt Topp unter Verweis darauf, dass man im Budgetsegment den Barum „Quataris“ anbiete.

In diesem Bereich gehe man den Kompromiss ein, den ein Ganzjahresreifen im Gegensatz zu den Spezialisten für die wärmeren bzw. kälteren Monate des Jahres ja gerade charakterisiert. Wohl insbesondere auch vor dem Hintergrund, dass Kunden, die zu Reifen aus dem Budgetsegment greifen, ohnehin realistisch genug sind, nicht die gleiche Leistungsfähigkeit in allen Disziplinen zu erwarten wie von einem in der Regel höherpreisigen Produkt aus dem Qualitäts- oder gar Premiumsegment. „Barum ist eine gute Alternative – nicht mehr, aber auch nicht weniger“, wird die Marke schließlich auch von Lührs charakterisiert. Seinen Worten zufolge lägen Barum-, aber etwa auch Matador-Reifen hinsichtlich ihrer Leistungseigenschaften nichtsdestotrotz auf jeden Fall „deutlich über dem Niveau von Billigreifen“, womit vor allem offenbar so manche aus Fernost importierte Produkte gemeint sind. Wie dem auch sei, als „Schnee- und Eisspezialisten“ werden demgegenüber Semperit-Reifen charakterisiert und derartige Wetterbedingungen sind eher typisch für den Osten und Süden Deutschlands. „Für alle, die viel unterwegs sind und dabei in allen Regionen von ihren Reifen das Maximum fordern, bleiben die Winterreifen der Marke Continental jedoch klar die beste Empfehlung“, so die Konzernphilosophie.

Bei all dem spricht der Hersteller gleichzeitig davon, dass seine Winterreifen stärker nachgefragt werden. Zumal man hierzulande trotz des recht positiven Winterreifengeschäftes im vergangenen Jahr für Deutschland in diesem Jahr von einem weiteren leichten Plus des Gesamtmarktes von 23,7 Millionen auf 24,1 Millionen verkaufte Einheiten ausgeht. Dabei spielt natürlich mit in die Zahlen hinein, dass durch den letzten vergleichsweise harten und lang andauernden Winter viele Reifen auch zu Beginn dieses Jahres noch über die Ladentheke gingen. Nichtsdestotrotz beschreibt Lührs die diesjährigen Continental-Erwartungen in Sachen Winterreifen als „Stabilisierung auf einem Niveau, das noch ausbaufähig ist“. Dies wohl vor allem mit Blick auf das Jahr 2006, das nach der damaligen Änderung der Straßenverkehrsordnung (Stichwort „geeignete Bereifung“) seinen Worten zufolge gewissermaßen das bisherige „Maximum der Entwicklung“ markiert.

Selbst wenn es zwischenzeitlich immer schwieriger werde, die weitere Marktentwicklung vorherzusehen, so geht das Unternehmen nicht nur für Deutschland, sondern auch für Österreich und die Schweiz von einer positiven Entwicklung beim Verkauf von Winterreifen (Industrie an den Handel) aus. Demgegenüber wird europaweit eher eine „Konsolidierung auf hohem Niveau“ erwartet. Besser gesagt prognostiziert Conti einen Rückgang des Absatzvolumens in Europa von 61,4 Millionen Winterreifen 2009 auf 56,4 Millionen Stück in diesem Jahr. Dabei wollen die Deutschen ihren Marktanteil freilich ausbauen. Der Konzern hofft von den 25 Prozent, die man eigenen Worten 2009 in Deutschland für sich reklamieren konnte, in diesem Jahr auf 27 Prozent zulegen zu können. In Österreich und der Schweiz hat man sich mehr als 30 respektive über 32 Prozent als Ziel gesetzt. christian.marx@reifenpresse.de

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