Goodyear stellt Proactive Solutions vor – Zentrale Rolle für Reifenhändler

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Goodyear will seinen Lkw-Flottenkunden europaweit helfen, einen genaueren Einblick in reifenbezogene Daten zu erlangen. Mit einem vom Hersteller und seinen Partnern programmierten „intelligenten, voraussagenden Algorithmus“ sollen aus diesen Daten genaue Prognosen errechnet werden, wann ein mögliches Reifenproblem eine mögliche Panne provozieren könnte, die es durch einen vorweggenommenen Werkstattbesuch folglich zu verhindern gilt. Goodyear zufolge könne man mit den Proactive Solutions bis zu zwei Wochen in die Zukunft blicken. Unter dem Markennamen Goodyear Proactive Solutions will der Hersteller seinen Flottenkunden aber nicht nur ein nützliches Servicepaket anbieten, das im Laufe des neuen Jahres weiter ausgebaut werden soll. Der Hersteller kündigte anlässlich einer Präsentation in Brüssel Ende vergangener Woche dazu außerdem an, dass Goodyear Proactive Solutions zwar als „neues, europaweites Geschäftsfeld“ an den Start geht, dieses aber als „komplementär zum Reifengeschäft“ zu verstehen sei, wie Goodyears EMEA-Präsident Jean-Claude Kihn gegenüber der NEUE REIFENZEITUNG dazu betonte, davon könnten letztendlich auch die Reifenhändler profitieren.

Goodyear hat Ende vergangener Woche den Start eines neuen, europaweiten Geschäftsfeldes bekannt gegeben; der Launch dieses Geschäftsfeldes in Nordamerika soll folgen. Unter dem Namen Goodyear Proactive Solutions bietet der Reifenhersteller ein Servicepaket an, das die Kommunikation zwischen Fahrzeug und Fuhrparkbetreiber ermöglicht („Vehicle-To-Fleet“). Das Besondere daran, so der Hersteller: „Goodyear kombiniert bewährte Telemetrie mit einer eigens entwickelten prädiktiven Analysetechnologie. Transportunternehmen können so reifenbezogene Schäden, die immer auch ein Sicherheitsrisiko bergen, identifizieren und beheben, bevor der Schaden eintritt“, betonte der Hersteller anlässlich der Präsentation von Proactive Solutions in Brüssel. Grundlage hierfür seien „intelligente Algorithmen, eine zuverlässige Datenbasis aus dem Nutzfahrzeugreifen- und Servicegeschäft von Goodyear sowie ein übersichtliches Reporting an die Fuhrparkbetreiber, die ihre Fahrzeuge und Reifen in Echtzeit überwachen können“. Die Flotten sicherten sich so einen Wettbewerbsvorteil, „denn das neue Serviceportfolio hilft ihnen dabei, die Profitabilität ihrer Flotten zu steigern und in einer schnelllebigen Branche nachhaltiger zu agieren“, so der Hersteller weiter.

André Weisz, Managing Director von Goodyear Proactive Solutions im EMEA-Markt erläuterte die Vorteile der zwei Servicegruppen mit ihren jeweils zwei Modulen, die zusammen den Kern der eigens entwickelten prädiktiven Analysetechnologie bilden

André Weisz, Managing Director von Goodyear Proactive Solutions im EMEA-Markt erläuterte die Vorteile der zwei Servicegruppen mit ihren jeweils zwei Modulen, die zusammen den Kern der eigens entwickelten prädiktiven Analysetechnologie bilden

„Das Transportgeschäft mit Nutzfahrzeugen unterliegt einem tief greifenden Wandel. In einer digitalen Wirtschaft wollen Privat- und Firmenkunden Transportlösungen, die immer schneller, günstiger und flexibler sind. Die Transportindustrie wird daher immer vernetzter und automatisierter. Goodyear Proactive Solutions bietet Fuhrparkbetreibern ein umfassendes und benutzerfreundliches Servicepaket, mit dem sie ihre Gesamtbetriebskosten senken und die Betriebszeit, Effizienz und Nachhaltigkeit ihrer Flotten steigern können“, kommentierte Michel Rzonzef, Vice-President mit Verantwortung für das Commercial Business bei Goodyear EMEA, anlässlich der Präsentation in Brüssel.

Bis zu 75 Prozent weniger reifenbezogene Ausfälle

Goodyear hat die Proactive Solutions in den vergangenen zwei Jahren gemeinsam mit Fuhrparkbetreibern entwickelt. Dabei seien die folgenden Ergebnisse erzielt worden, wie André Weisz, neuer Managing Director für Goodyear Proactive Solutions unter dem Dach von Goodyear EMEA, erläuterte:

  • erhöhte Effizienz des Fuhrparks durch Vermeidung von bis zu 75 Prozent der reifenbezogenen Ausfälle;
  • reduzierte Gesamtbetriebskosten durch Senkung der Kraftstoffkosten von monatlich bis zu 300 Euro pro Fahrzeug sowie durch Senkung der Kosten für Reifenwartung von bis zu 70 Prozent;
  • verbesserte CO2-Bilanz durch rund zehn Prozent weniger Kraftstoffverbrauch;

Das neue Geschäftsfeld umfasst dabei zwei Servicegruppen, die für eine intelligente, sichere und nachhaltige Mobilität sorgen sollen:

  • „Proactive Tire“ beinhaltet unter anderem die Kontrolle des Reifenluftdrucks, der Temperatur und der Profiltiefe. Die vernetzten und voll automatisierten Services sollen es Flottenbetreibern ermöglichen, die Leistung ihrer Reifen zu maximieren und die Wartung proaktiv zu planen.
  • „Proactive Fleet“ umfasst zwei Optionen, „Driver Behaviour“ und „Track & Trace“. Beide sollen dabei helfen, den Kraftstoffverbrauch zu senken und die Fahrzeit zu minimieren, während gleichzeitig die Fahrsicherheit erhöht werden soll.

„Goodyear Proactive Solutions stärkt unsere Positionierung als wichtiger Partner für Flottenbetreiber. Das neue Portfolio kombiniert digitale Technologien und datenbasierte Services mit unseren bereits bewährten Flottendienstleistungen sowie mit TruckForce, unserem europaweiten Netzwerk für hochwertigen Lkw-Reifenservice. Mit mehr als 2.000 Partnern in ganz Europa kümmern wir uns um 350.000 registrierte Fahrzeuge – das ist der größte Pool an Nutzfahrzeugen in Europa. Jeder Flottenbetreiber kann von unseren neuen vernetzten Services profitieren, denn sie sind mit allen Nutzfahrzeugreifen kompatibel“, erläuterte André Weisz weiter.

Das neue Servicepaket kann ab sofort von Transportunternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz genutzt werden. Auch in Belgien, Frankreich, Italien, Luxemburg, den Niederlanden, Polen, Portugal, Spanien und Großbritannien ist Goodyear Proactive Solutions verfügbar. „Weitere Services für das Portfolio werden zurzeit entwickelt und 2017 im Markt eingeführt“, so der Hersteller abschließend.

Zurzeit umfasst der neue Geschäftsbereich Proactive Solutions von Goodyear zwei Servicegruppen mit jeweils zwei Modulen: Zur Servicegruppe „Proactive Tire“ gehören als Module das Reifendruckkontrollsystem sowie der sogenannte „Drive-over-Reader“, während zur „Proactive Fleet“ die Module „Driver Behavior“ sowie „Track & Trace“. Das Besondere daran, so André Weisz weiter: Bei den unter „Proactive Tire“ subsumierten Services kombiniert Goodyear bewährte Telemetrie mit einer sogenannte „prädiktiven Analysetechnologie“. Weisz: „Per Telemetrie werden Informationen aus dem Fahrzeug an einen zentralen Server übermittelt. Ein eigens von Goodyear entwickelter mathematischer Algorithmus analysiert diese Informationen und zieht Rückschlüsse auf den Zustand des Reifens. Mängel wie etwa ein schleichender Luftdruckverlust können so erkannt und behoben werden, bevor der Schaden eintritt. Die Ergebnisse der Analyse werden im Rahmen eines umfassenden Reportings an den Flottenbetreiber oder auch direkt an Goodyear übermittelt – je nachdem, welche Art von Service nötig ist, um einen Schaden zu verhindern.“

Ein weiterer Vorteil im Kontext des neuen Servicepakets: „Goodyear liefert dem Flottenbetreiber nicht nur die Information über einen drohenden Schaden, sondern kann auch die notwendige Dienstleistung erbringen. Dafür sorgt das Händlernetz TruckForce, das mit über 2.000 Partnern in ganz Europa einen hochwertigen Lkw-Reifenservice garantiert.“

Mit dem neuen von Goodyear und seinen Partnern programmierten „intelligenten, voraussagenden Algorithmus“ sollen anhand von Daten genaue Prognosen errechnet werden, wann ein mögliches Reifenproblem eine mögliche Panne provozieren könnte, die es durch einen vorweggenommenen Werkstattbesuch folglich zu verhindern gilt

Mit dem neuen von Goodyear und seinen Partnern programmierten „intelligenten, voraussagenden Algorithmus“ sollen anhand von Daten genaue Prognosen errechnet werden, wann ein mögliches Reifenproblem eine mögliche Panne provozieren könnte, die es durch einen vorweggenommenen Werkstattbesuch folglich zu verhindern gilt

Die neuen „Servicegruppen“ im Einzelnen

Im Zentrum der Servicegruppe „Proactive Tire“ steht zunächst das Modul des Reifendruckkontrollsystems, das den Luftdruck sowie die Temperatur des Reifens überwacht, um somit Ausfälle von Reifen und Fahrzeugen zu verhindern. Eine Telematikbox empfängt die Daten des auf der Felge angebrachten Sensors und leitet sie an den Server von Goodyear weiter, wo sie mithilfe eines mathematischen Algorithmus analysiert werden. Wenn bei einem Reifen falscher Luftdruck und/oder Überhitzung festgestellt wird, kann der notwendige Service umgehend erfolgen, bevor es zu einem Schadensfall kommt. Großer Vorteile dabei sei laut Goodyear, dass die „prädiktiven Warnfunktion reifenbezogene Reparaturen infolge von Pannen um bis zu 75 Prozent reduzieren“ könne, was dem Hersteller zufolge durch einen Test 2015 bis 2016 mit einer Flotten mit 120 Fahrzeugen belegt worden sei. Weitere Vorteile dabei seien, dass weniger reifenbezogene Ausfälle und Unfälle die Standzeiten der Fahrzeuge reduzieren, ein unnötiger Kraftstoffverbrauch aufgrund von Unterdruck könne verhindert werden und der Reifen habe insgesamt eine längere Lebensdauer.

Das zweite Modul „Drive-over-Reader“ der Servicegruppe „Proactive Tire“ bestimme vollautomatisch die Profiltiefe und den Luftdruck, wenn ein Fahrzeug in den Betriebshof fährt oder diesen verlässt. „Das erleichtert das Reifenmanagement und die -wartung enorm“, so André Weisz weiter. Der „Drive-over-Reader“ besteht aus einem in den Boden eingelassenen Pad mit speziellen Sensoren. Wenn ein Fahrzeug über das Pad fährt, bestimmen die Sensoren die Profiltiefe und den Luftdruck jedes Reifens. Die Informationen werden an den Goodyear-Server übermittelt. „Mithilfe des speziell entwickelten Algorithmus wird ein umfassender Report erstellt, der vor Ursachen für mögliche Schäden warnt, etwa eine unzureichende Profiltiefe oder niedriger Luftdruck. Der Algorithmus kann darüber hinaus auch die verbleibende Laufleistung jedes Reifens bestimmen. So kann die Reifenwartung inklusive Services wie Nachschneiden oder Runderneuern im Vorhinein geplant und es kann sichergestellt werden, dass die Laufleistung jedes Reifens voll ausgeschöpft wird.“ Großer Vorteil dieses Moduls sei es, dass „dank der prädiktiven Warnfunktion bis zu 60 Prozent der Reparaturen infolge von Reifenpannen“ verhindert werden könnten, was im bereits erwähnten Feldtest belegt worden sei. Weitere Vorteile seien, dass weniger reifenbezogene Ausfälle und Unfälle die Standzeiten der Fahrzeuge reduzierten, dass das Reifenmanagement und die damit verbundene Wartung sowie das Reporting erleichtert werden, wenn Profiltiefe und Luftdruck automatisch erfasst werden, und dass der unnötige Kraftstoffverbrauch minimiert und die Reifenlebensdauer maximiert werden könne. Außerdem ließen sich reifenbezogene Services besser im Vorhinein planen und den betrieblichen Abläufen anpassen.

Das Pad des Moduls „Drive-over-Reader“ der Servicegruppe „Proactive Tire“ bestimme vollautomatisch die Profiltiefe und den Luftdruck, wenn ein Fahrzeug in den Betriebshof fährt oder diesen verlässt

Das Pad des Moduls „Drive-over-Reader“ der Servicegruppe „Proactive Tire“ bestimme vollautomatisch die Profiltiefe und den Luftdruck, wenn ein Fahrzeug in den Betriebshof fährt oder diesen verlässt

Unter der Servicegruppe „Proactive Fleet“ wiederum verbergen sich die beiden Module „Driver Behavior“ sowie „Track & Trace“. Das erstgenannte Modul soll Informationen zur Fahrerleistung erfassen und übermittelen. „Flottenbetreiber können so den Fahrstil ihrer Trucker nachvollziehen und zum Beispiel in einem Fahrertraining an einer besseren Kraftstoffeffizienz oder einem geringeren Reifenverschleiß arbeiten. ‚Driver Behavior’ erfasst Informationen zu zwölf Fahrparametern und erstellt für jeden Fahrer individuelle Berichte.“ Goodyear zufolge ließen sich damit monatlich bis zu 300 Euro Kraftstoffersparnis pro Fahrzeug generieren, was der Hersteller in Brüssel entsprechend mit einer Rechnung untermauerte. Das Modul „Track and Trace“ wiederum benutzt GPS und stellt Flottenbetreibern Informationen in Echtzeit zum Standort und zur Bewegung ihrer Fahrzeuge bereit. „Das hilft dabei, die Routenplanung und den Kundenservice zu verbessern. Darüber hinaus können gestohlene Fahrzeuge lokalisiert werden“, und zwar in ganz Europa.

Goodyears Europapräsident Jean-Claude Kihn betonte in Brüssel anlässlich einer Präsentation, was im Zentrum der Mobilität der Zukunft stehen soll: die neuen Goodyear Proactive Solutions

Goodyears Europapräsident Jean-Claude Kihn betonte in Brüssel anlässlich einer Präsentation, was im Zentrum der Mobilität der Zukunft stehen soll: die neuen Goodyear Proactive Solutions

Komplementäre Geschäfte

Goodyear setzt große Stücke auf sein neues Geschäftsfeld Proactive Solutions, dementsprechend umschrieb Europapräsident Kihn den Tag der Präsentation in Brüssel auch als „wegweisenden Tag“. Man werde zukünftig mehr im Portfolio haben als ‚nur’ „Reifen, Dienstleistungen und Lösungen“, man wolle ein „miteinander verknüpftes Geschäftsmodell“ anbieten und sich damit in einem sich ständig ändernden Geschäftsumfeld – Stichwort: Kostensenkung dank Digitalisierung – behaupten. Damit „bieten wir an, was unsere Kunden brauchen, und nicht, was wir haben“, ergänzt der Managing Director von Goodyear Proactive Solutions André Weisz; damit „wollen wir Werte schaffen“. Die Einsparungen, die durch Proactive Solutions möglich seien, würden die Kosten, die die Flottenbetreiber als Nutzer zu tragen hätten, mehr als decken. Die Goodyear-Verantwortlichen betonten dabei in Brüssel stets, Proactive Solutions sei „ein eigenständiges Geschäftsfeld“, dass nicht zwangsläufig an die Anschaffung von Goodyear-Reifen oder solcher anderer Konzernmarken geknüpft sei; auch sei man dabei nicht notwendigerweise an Goodyear TruckForce-Partner gebunden – beides sähe man natürlich gerne, unterstrich Weisz weiter.

Gerade im Geschäft mit großen Nutzfahrzeugflotten vertreibt Goodyear seine Reifen in der Regel direkt, während dem Reifenhandel die Rolle des Dienstleisters zukommt. Auch zukünftig, also wenn die Goodyear Proactive Solutions in Deutschland und in Europa etabliert seien, „sehe ich eine zentrale Rolle für die Reifenhändler“, betont Europapräsident Jean-Claude Kihn im Gespräch mit der NEUE REIFENZEITUNG, und nannte dabei insbesondere die zu erbringenden und hernach mit Goodyear abzurechnenden Dienstleistungen. Dass Flottenbetreiber durch die zunehmende Digitalisierung und die durch die Industrie angebotenen Lösungen dazu immer unmittelbarer an den Hersteller gebunden werden und somit die Rolle des Reifenhändlers immer weniger die eines Händlers mit Reifen als die eines Dienstleistungsanbieters entspricht, sieht auch Kihn so; diese Services würden auch entsprechend entlohnt. Es ergäben sich für Reifenhändler bei erfolgreicher Einführung von Goodyear Proactive Solutions aber auch mögliche neue Geschäftsfelder, mit denen zusätzliche Umsätze und Erträge erzielt werden könnten, etwa durch die Installation von Telematiksystemen in Fahrzeugen. arno.borchers@reifenpresse.de

 

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