RuLa-/BRW-Inhaber kauft polnischen Runderneuerer ATB Truck

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Hatte RuLa-/BRW-Inhaber Detlev Biermann eine eigene Runderneuerung in Russland vor Jahren noch als durchaus erstrebenswerte „Vision“ bezeichnet, so ist im Unternehmen davon heute keine Rede mehr, tendierten die Exporte nach Russland doch aktuell gegen Null, wie bei fast jedem Mitbewerber. Dennoch – oder gerade deswegen – hat RuLa Anfang vergangenen Jahres den polnischen Kaltrunderneuerer ATB Truck mit Unternehmenssitz in Warschau übernommen. Dessen damaliger Inhaber – die in Staatsbesitz befindliche Spedition Pekaes – wollte ihre Geschäftsfelder konsolidieren und Randaktivitäten abstoßen. Eine „überaus günstige Gelegenheit“, wie es dazu auf Nachfrage der NEUE REIFENZEITUNG heißt.

button_retreading-special-schriftzug-jpg Mehr dazu erfahren Sie in unserer Runderneuerungsbeilage „Retreading Special“, die wieder zusammen mit der September-Ausgabe der NEUE REIFENZEITUNG erscheint.

Die Produktionsstätte von ATB Truck in Srem südlich von Poznan war erst in den 1990er Jahren eingerichtet worden und gilt nach westlichen Standards als durchaus modern. Bereits seit zehn bzw. zwölf Jahren erfüllt der Runderneuerer die Normen des ISO-9001:2000 bzw. der ECE-R 109; nach der Übernahme von ATB Truck durch Pekaes 2002 war man Lizenzvereinbarungen mit Bridgestone und Goodyear eingegangen – ebenfalls Ausweis hoher Produktionsstandards. Dass der deutsche Investor nun ATB Truck übernommen hat, um die eigene Produktion von Königs Wusterhausen bzw. vom Kaltrunderneuerungsstandort Schraden aus nach Srem zu verlagern, weist das Unternehmen von sich.

Im Gegenteil: Detlev Biermann habe die Fabrik gekauft, um noch stärker als bisher eine Präsenz auf dem polnischen Markt zu haben. Die kaltrunderneuerten ATB-Truck-Reifen werden fast ausschließlich in Polen vermarktet, und zwar über den Reifenhandel. Die Logik der Akquisition ergibt sich entsprechend daraus, dass über ATB Truck und dessen etablierte Vertriebsbeziehungen im polnischen Reifenhandel eben mehr und mehr in Deutschland gefertigte heißrunderneuerte Reifen in Polen vermarktet werden sollen. Das neue Geschäft in Polen soll für die beiden bestehenden RuLa-/BRW-Produktionsstätten in Deutschland in Schraden und in Königs Wusterhausen-Zernsdorf (beides Brandenburg) sogar neue Wachstumsimpulse setzen.

„Dies läuft soweit ganz gut“, zeigt sich BRW-Geschäftsführer Jörg Wolter im Gespräch mit dieser Zeitschrift durchaus zufrieden mit den ersten Ergebnissen rund ein Jahr nach der Übernahme. „Es gibt keine Produktionsverlagerungen“, so Wolter weiter, die 80 Mitarbeiter in den beiden deutschen Gesellschaften müssten sich keine Gedanken um ihre Arbeitsplätze machen. Wolter gibt die Produktionskapazität des ATB-Truck-Werkes mit „rund 70.000 bis 80.000 Stück“ an; diese würden vor Ort allerdings längst nicht produziert. Es sind dort 40 Mitarbeiter beschäftigt. Kurz nach der Übernahme hatte Biermann übrigens den Mietvertrag mit Pekaes für ein weiteres ATB-Truck-Runderneuerungswerk in Tychy bei Katowice gekündigt und die Produktionskapazitäten im Werk in Srem zusammengefasst. Zu den Übernahmekonditionen wollte der Käufer sich nicht äußern.

Eine weitere interessante Nebenerscheinung der Übernahme von ATB Truck: Das Unternehmen ist Altreifenentsorger und betreibt darüber hinaus eine komplett neue Recyclinganlage, in der Altreifen geshreddert werden. Dies ist für Detlev Biermann ein komplett neues Geschäftsfeld. arno.borchers@reifenpresse.de

 

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