Rema Tip Top baut MTR-Partnernetzwerk weiter aus

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In einer Branche, die sich in der Vergangenheit offensichtlich immer mehr vom Handwerk weg hin zum Handelsgeschäft mit Einweg-/Konsumgütern entwickelt hat, spielen Fähigkeiten wie das Reparieren eines Reifens eine immer geringere Rolle. Dieser Trend aber, so finden viele aus der Branche – insbesondere diejenigen, die sich als Reifenfachhändler mit Betonung auf „fach“ verstehen –, ist schlichtweg falsch. Ein Unternehmen, das sich mit Nachdruck gegen diesen Trend zur Wehr setzt und versucht, Reifenreparatur akzeptiert und vor allem als hochwertiges Handwerk (wieder) zu etablieren, ist Rema Tip Top. Der deutsche Werkstattausrüster und Teilelieferant mit globaler Präsenz sieht sich selber als weltweit führend in Sachen Reifenreparatur und kann sich dabei allein in Deutschland auf ein Netzwerk von über 100 sogenannten MTR-Partnern stützen. Dies sind auditierte und zertifizierte Händler, die besonderen Wert auf eine qualifizierte, fachmännische und nach den geltenden Vorschriften durchgeführte Reifenreparatur legen und damit nicht uninteressante geschäftliche Ziele verfolgen – wie dies damit auch Rema Tip Top tut.

In Deutschland und andernorts in Europa gibt es viele, die behaupten, sie würden Reifen ‚reparieren’, konstatiert Andreas Sagolla. Oftmals seien die entsprechenden Reparaturen aber handwerklich dermaßen schlecht ausgeführt, dass es besser gewesen wäre, den defekten Reifen gleich durch einen neuen auszutauschen, so der Technische Berater Reifenreparatur bei Rema Tip Top, der sich um die Schulungen zum Thema im „Schulungszentrum der Stahlgruber-Gesellschafterstiftung“ in Anröchte (Nordrhein-Westfalen) sowie das deutsche MTR-Netzwerk kümmert. Gerade in ‚normalen’ Kfz-Werkstätten oder in Tankstellen sei das Niveau der Reifenreparatur oftmals nicht dort, wo es sein sollte, um die Billigung des Fachmanns zu erhalten, wobei Sagolla vor allzu leichtfertigen Verallgemeinerungen warnt.

Ein Reifen sollte nach der Reparatur „wieder uneingeschränkt halten und über seine komplette Tragfähigkeit verfügen“. Dies sei etwas anderes, als im Standardeinsatz nur die Luft bei sich zu behalten, so Sagolla. Ein zentrales Problem dabei sei die Unwissenheit des Personals, das in den jeweiligen Betrieben für die Reifenreparatur zuständig ist. Einen String einziehen, könnte man meinen, sei eben nicht besonders kompliziert. Ist es vielleicht auch nicht. Dennoch ist dies nur der Einstieg in das Thema Reifenreparatur, das beim Verfahren der Warmvulkanisation schon deutlich komplexere Züge annimmt und außerdem auch durch den Gebrauch von umfangreichem Equipment (etwa Heißvulkanisiergeräte wie „Thermopress“) eine hohe Fehlerquote ermöglicht ist.

So oder so, die deutsche Handwerksordnung schreibt eine Ausübungsberechtigung vor; ohne die, so Andreas Sagolla weiter, dürfe die Reparatur eines Reifens in dem betreffenden Betrieb eigentlich nicht durchgeführt werden. Im deutschen Reifenfachhandel hat diese Berechtigung üblicherweise ein Vulkaniseurmeister, der wiederum das Werkstattpersonal entsprechend anleiten kann und muss. Kfz-Meister und andere artverwandte Berufe müssen einen zweiwöchigen Lehrgang – etwa im Stahlgruber-Schulungszentrum – machen, damit sie ihre formelle Zusatzbefähigung erhalten; ohne die darf nicht repariert werden. Dies ist die Theorie des rechtlichen Rahmens. Der Technische Berater Reifenreparatur bei Rema Tip Top kennt aus seinem beruflichen Alltag aber zahllose Fälle, wo es bereits an solchen Minimalkenntnissen mangelt, von tiefer gehendem technischen Know-how bzw. der formellen Ausübungsberechtigung ganz zu schweigen. Reparaturmaterialien sowie das notwendige Zubehör seien überall in Europa im Handel erhältlich. Doch über diese Vertriebswege wird in den seltensten Fällen auch Einfluss auf die Qualität der Reifenreparatur und die Fähigkeiten der jeweiligen Betriebe und Mitarbeiter genommen. Dies zu ändern, so erläutert Sagolla im Gespräch mit der NEUE REIFENZEITUNG, sei die Zielsetzung des MTR-Partnernetzwerks.

„MTR“ steht dabei für „Master Tyre Repairers“, zu Deutsch: „Meisterhafte Reifenreparatur“. Rema Tip Top ist bereits seit Langem in der Errichtung entsprechender Netzwerke in den verschiedenen Ländern Europas und sogar darüber hinaus aktiv. Auf dem deutschen Heimatmarkt ist es dem Werkstattausrüster und Teilelieferanten bisher sogar gelungen, 101 Händler und Runderneuerer in das Netzwerk aufzunehmen. Der Ablauf dabei, um in den Kreis der Reifenreparaturexperten offiziell aufgenommen zu werden, ist denkbar einfach. Die dafür zu nehmenden Hürden allerdings haben es in sich, wie Andreas Sagolla erläutert, und dadurch auch den hohen Anspruch an die Qualität der Reifenreparatur unterstrichen wissen will.

Zum Ablauf: Manchmal nimmt der Technische Berater Reifenreparatur Kontakt zu bestehenden Kunden auf und versucht diese zu überzeugen, MTR-Partner zu werden. Dieses Vorgehen ist gerade in Regionen interessant, wo sich das Unternehmen mit Stammsitz in Poing bei München vielleicht unterrepräsentiert fühlt. In der Regel wenden sich aber Reifenhändler – also bestehende Materialkunden – an Rema Tip Top mit der Bitte, an einer entsprechenden Qualifizierungsmaßnahme teilnehmen zu können, die dann mit der Auditierung und Zertifizierung abgeschlossen wird. Während das komplette Aufnahmeverfahren noch überaus umfangreich und hürdenreich ist, sind Folgeauditierungen, die in der Regel nach ein oder zwei Jahren stattfinden, weniger umfangreich; bei ihnen geht es mehr darum, den Informationsfluss auch zu etwaigen neuen Mitarbeitern sicherzustellen und alle in der Reifenreparatur des MTR-Partners involvierten Mitarbeiter auf dem technischen Stand der Dinge zu halten.

Neben dem oben bereits erwähnten Fachpersonal (Vulkaniseurmeister bzw. Kfz-Meister etc. mit Zusatzbefähigung) kommen als MTR-Partner grundsätzlich nur Betriebe infrage, die bereits eine hochwertige Reifenreparatur durchführen, die qualifizierte Reifenspezialisten mit sehr guten Kenntnissen und Fertigkeiten in der Kalt- und Heißvulkanisation beschäftigen, die eine separate, gut ausgerüstete Reparaturwerkstatt haben, die einen Pkw-/Lkw-/EM-Reifenservice in verkehrsgünstiger Lage bieten und die optional auch einen 24-Stunden-Notfallservice sowie ein gutes Logistiknetzwerk bieten, wie es dazu auf der Rema-Tip-Top-Internetseite erklärend heißt. Außerdem müssen weitere „Grundvoraussetzungen“ erfüllt sein: „Werkzeuge und Verbrauchsmaterialien sind in gutem Zustand, damit jede Reifenreparatur in bester Qualität durchgeführt wird; ausgearbeitete Reifenschäden werden zur Pflasterbestimmung genau gemessen und das richtige Pflaster gemäß Tabelle ausgewählt; es können mehrere Reifenreparaturen in kurzer Zeit durchgeführt und geheizt werden; es werden nur Verbrauchsmaterialien eines Herstellers verarbeitet, so wird gewährleistet, dass nur perfekt aufeinander abgestimmte Materialien zum Einsatz kommen; der MTR-Partner benutzt ein Kennzeichnungs- und Dokumentationssystem für seine Reparaturen; und es ist ein gut beleuchteter Arbeitsplatz vorhanden, nur so ist gewährleistet, dass auch versteckte Schäden bei der Inspektion entdeckt werden.“

Laut Andreas Sagolla sei man bei der Kontrolle dieser Grundvoraussetzungen überaus rigoros und lasse eigentlich keine Ausnahmen zu. Reifenfachhändler, die diese ‚Papierform’ erfüllen und deren Kundenantrag somit die erste wichtige Hürde genommen hat, bekommen dann Besuch vom Technischen Berater Reifenreparatur. Im Rahmen einer Inspektion vor Ort macht sich Sagolla ein Bild davon, wie der Arbeitsplatz für die Reifenreparatur beschaffen und ausgestattet und wie insbesondere das zuständige Personal ausgebildet ist. Gegebenenfalls macht Sagolla Vorschläge für etwaige Nachbesserungen, wenn er denn davon überzeugt ist, dass dann die Kombination dem hohen Anspruch genügt. Nach dem eintägigen Audit, das im Übrigen komplett kostenlos für den potenziellen MTR-Partner ist, wird das Zertifikat ausgegeben – und ein jederzeit kündbarer Partnerschaftsvertrag aufgesetzt.

Zentraler Bestandteil ist dabei – neben den qualitativen Vorgaben zur Reifenreparatur –, dass sich der MTR-Partner beim Einkauf an Rema Tip Top bindet. Dies bedeutet: Equipment und sämtliches Reifenreparaturmaterial muss der neue Partner über Rema Tip Top beziehen. Dies ist, wenn man so will, die Gegenleistung für den Aufwand, den Rema Tip Top bei der Auditierung und Zertifizierung betreibt. Der Marktführer schafft sich dabei aber nicht nur einen Absatzkanal, über den sicher einiges an Reparaturmaterial und -equipment vertrieben wird. Er festigt damit auch seine Marktposition und bindet Kunden an sich – ein Geschäft auf Gegenseitigkeit. Allerdings schätzt Sagolla, dass der mengenmäßige Absatzanteil, der durch die Vertragsbindung mit den MTR-Partnern generiert wird, am gesamten Geschäft mit Reparaturmaterialien und -equipment keinen allzu großen Anteil ausmachen dürfte.

Dies ist laut Sagolla die eine Seite der Medaille. Gleichzeitig stellt Rema Tip Top aber auch sicher, dass das Niveau von Reifenreparaturen am Markt – insbesondere unter den regionalen ‚Platzhirschen‘ im Markt mit gutem Standing gerade bei Nutzfahrzeugreifenkunden – gehoben wird bzw. oben bleibt. „Rema Tip Top will einfach, dass die Reifenreparatur fachgerecht durchgeführt wird. Wenn nicht, dann gibt es negative Schlagzeilen, die keiner braucht“, so Sagolla weiter und verweist etwa auf eine neuere Veröffentlichung in der BRV-Verbandszeitschrift Trends & Facts, die unter dem Titel „Alles ganz easy?“ erschienen ist. In ihr ging es um einen Endverbraucher mit besonders negativen Erfahrungen mit dem Thema Reifenreparatur. Kein Unternehmen kann ein fehlendes Vertrauen seiner Kunden bzw. der Kunden seiner Kunden in die gelieferten Produkte und Dienstleistungen einfach so hinnehmen, gerade wenn Unwissenheit und fachliche Mangelerscheinungen dafür verantwortlich sind.

Dass man mit der aktuellen Anzahl an 101 MTR-Partnern bereits das Limit des in Deutschland Möglichen erreicht hat, glaubt Sagolla nicht. Im Gegenteil. „Ich sehe durchaus noch Spielraum für weiteres Wachstum.“ Aktuell habe er sogar noch eine Warteliste mit einem halben Dutzend Unternehmen, die dem Netzwerk gerne beitreten würden. Die Gruppe der MTR-Partner ist dabei durchaus keine homogene Gruppe. Darunter sind kleine Betriebe, große Betriebe, Filialisten, Runderneuerer, mitunter auch Betriebe mit einer Ausrichtung auf Pkw-Reifen und etliche, die sich stark um das Lkw-, Landwirtschafts- oder sogar EM-Reifengeschäft kümmern. Alle seien sie Premiumvermarkter. Industrienahe bzw. industrieeigene Betriebe sind eher nicht Mitglied im MTR-Netzwerk. Teil des Netzwerks hingegen sind in der Regel auch die sogenannten „MTR-Check-Points“. Dort werden die Reifen für eine Reparatur lediglich angenommen. Die Reparatur hingegen findet dann in einem anderen Betrieb statt (der oftmals zum selben Filialisten gehört).

Das Interesse der Reifenfachhändler und Runderneuerer am Thema entspringt dabei nicht immer nur dem Wunsch, eine besonders fachmännische und nach den geltenden Vorschriften durchgeführte Reifenreparatur anbieten zu können. Ist diese gut gemacht, eröffnet sich dadurch für viele ein ganz neues, wirtschaftlich interessantes Geschäftsfeld mit großem Wachstumspotenzial. Das reparierende Unternehmen kann sich mit diesem Angebot eine gewisse Stellung in seinem Markt aufbauen. Reifen kaufen könne man schließlich überall. Reifen reparieren hingegen ist eine (Handwerks-)Kunst, die nicht jeder anbieten kann. „Wer gut repariert, kann sich vom Wettbewerb absetzen.“

„Wichtig ist natürlich auch, was das Unternehmen mit der Reparatur verdienen kann“, weiß Sagolla aus zahlreichen Gesprächen. Die Anfangsinvestitionen für Reparaturen nach dem Kaltverfahren seien etwa minimal, entsprechend hoch wiederum der Rohertrag. Sagolla taxiert ihn auf bis zu 80 Prozent; dies muss man erst einmal mit dem Verkauf von Neureifen erreichen. Bei der Warmvulkanisation sind die Anfangsinvestitionen natürlich entsprechend höher.

Dies sieht man auch im Reifenfachhandel so. Im Gespräch mit der NEUE REIFENZEITUNG erläutert MTR-Partner Reifen Haas aus Maulbronn bei Pforzheim. Juniorchef Alexander Haas machte seinerzeit bei Stahlgruber seinen Meister und trat 2008 dem MTR-Netzwerk bei. Sicher, man könne mit der Reparatur Geld verdienen. Dennoch seien die Erträge, die er damit in seinem Betrieb erzielen kann, nicht zentral für die Entscheidung gewesen, dem MTR-Netzwerk beizutreten.

Bis 2008 habe der Betrieb, den Vater Kurt Haas 1973 gegründet hatte, lediglich Pkw-Reifen repariert. Es habe zwar damals wie heute kaum jemanden richtig interessiert, ob nun ein Vulkaniseurmeister die Reparatur durchführt oder eben nicht. Für Haas sei die Reifenreparatur aber wichtiges Instrument für die Kundenakquise und die Kundenbindung. Der frischgebackene Meister Alexander Haas wollte sich insbesondere mehr um Landwirtschafts- und EM-Reifen kümmern. Offenbar ging die Logik auf. Im Laufe der Jahre hat das Geschäft mit der qualifizierten, fachmännischen und nach den geltenden Vorschriften durchgeführten Reifenreparatur immer größere Ausmaße angenommen: „Auch Neukunden kommen immer mehr zu uns“, sagt Alexander Haas. Dies sei gut für die Auslastung, gerade außerhalb der Saisonspitzen, wobei das Angebot der Reifenreparatur natürlich das ganze Jahr über gemacht wird und auch gemacht werden muss. Landwirte etwa, deren Maschinen oder Traktoren in der Erntezeit wegen eines Reifenschadens stehen, warten in der Regel nicht lange auf einen freien Mitarbeiter; sie brauche sofortige Hilfe.

Für das MTR-Partnernetzwerk von Rema Tip Top habe Alexander Haas sich aus zweierlei Gründen entschieden. Zuallererst fühlt er sich dem Unternehmen verbunden, bei dem er seinen Meisterbrief erworben hat. Wichtiger aber ist dem Juniorchef, dass er sich bei Rema Tip Top – dem „Marktführer“, wie auch er betont – aus einem vollen Sortiment bedienen kann: „Ich schätze das Rund-um-Paket.“ Die Abnahmeverpflichtung aus dem MTR-Vertrag bedeutet ihm demnach nicht allzu viel; er hätte bei Rema Tip Top sowieso das Material sowie etwaiges neues Equipment gekauft. Außerdem ist ihm der regelmäßige Erfahrungsaustausch mit den anderen MTR-Partnern beim „Stammtisch“ genauso wichtig wie die Einbindung in den offiziellen Informationsfluss des Netzwerkes und die Listung als zertifizierter MTR-Partner auf der Internetseite von Rema Tip Top.

Wenn etwa für moderne IF-Landwirtschaftsreifen („Improved Flexion“) neue Pflaster notwendig werden oder wenn ein Anbieter auf einmal mehr Silikon im Innerliner nutzt, dann sind das Informationen, die über das Netzwerk zielgenau und zeitnah zum Partner gelangen. In diesem Zusammenhang, ergänzt Sagolla, sei der Informationsfluss vonseiten der Händlerschaft zu Rema Tip Top ebenfalls überaus wichtig. Sagolla könne diese Informationen filtern und entsprechend zurückgeben ins System, sodass zum Schluss alle Beteiligten profitieren können: der Kunde, der reparierende Reifenfachhändler sowie der Systemgeber Rema Tip Top. arno.bochers@reifenpresse.de

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