25 Jahre BKT

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Der indische Reifenhersteller BKT hat die Reifenmesse in Essen genutzt, um seinen 25. Geburtstag mit Freunden bzw. Geschäftspartnern groß zu feiern und sich selbst, den Mitarbeitern, Angestellten sowie den Kunden die brandneue Produktionsanlage in Bhuj (Gujarat/Westindien) zu schenken. Etwa 285 Millionen Euro wurden in das neue Werk investiert, teilweise eigenfinanziert. Ein Teil der Investition diente dem Kauf des Grundstücks, auf dem neben einer Produktionsanlage und einem Forschungs- und Entwicklungscenter auch der Bau einer richtigen Stadt mit großen Grünanlagen, sauberer Energie sowie Wasseraufbereitungsanlagen vorgesehen ist.

Mehr als ein neues Werk in Bhuj

Für die Produktionsstätte wurden hauptsächlich in den USA, Europa und Japan hergestellte modernste Maschinen gekauft – „das Beste, was heute auf dem Markt vorhanden ist“, so das Unternehmen. Auf einer Grundfläche von zirka 1,2 Millionen Quadratmetern (entsprechend etwa 175 Fußballfeldern) sieht der neue Industriestandort neben den Produktionsanlagen ein geräumiges Lager und vor allen Dingen spezielle, der Forschung und Entwicklung gewidmete Bereiche vor, die den Dreh- und Angelpunkt von BKTs Engagement zur Entwicklung innovativer Produkte mit Spitzentechnologien darstellen. Das Center umfasst auch einen weiten in- und outdoor gelegenen Bereich zur Durchführung von Reifentests einschließlich einer Teststrecke für die komplette Prüfung von sowohl Landwirtschafts- als auch Industriereifen. Mehr als viertausend Menschen werden in der neuen Anlage arbeiten, darunter 3.500 spezialisierte Arbeiter oder Praktikanten sowie 550 Mitglieder aus Belegschaft und leitenden Angestellten.

Beim Standort Bhuj soll es nicht nur um hochwertige technologische Produktivität gehen, sondern auch um das völlig neue Konzept einer „sozialen Fabrik“: Innerhalb der Werksgrenzen werden 20 Morgen für den Bau einer „housing colony“ genutzt. Das Projekt umschließt ferner ein Erste-Hilfe-Krankenhaus und eine Werksfeuerwehr, ein großes Freizeitcenter mit freien Sporteinrichtungen für die Angestellten und deren Familien. Im Einvernehmen mit den lokalen und staatlichen Bildungsbehörden werden die Kinder der Mitarbeiter, die innerhalb dieser „housing colony“ leben, die für diesen Zweck gebaute Schule besuchen. Innerhalb der Struktur gibt es auch ein „Gästehaus“ mit allem Komfort.

Der gesamte Komplex ist aus energetischer Sicht vollkommen autonom. In Bezug auf den Wasserverbrauch kamen Lösungen zum Einsatz, um Verschwendung zu vermeiden: Das Wassersammel- und -aufbereitungssystem bietet erhebliche Wiederverwertungsmöglichkeiten, so wird das Regenwasser gesammelt, gereinigt und in allen Produktionseinheiten eingesetzt. Nach dem Gebrauch wird das Wasser erneut gereinigt und zur Besprenkelung des weiten Areals verwendet – zur Förderung von Landwirtschaft und Natur. Eine spezielle Anlage ist schließlich für die lokale Trinkwasserversorgung vor Ort zuständig.

Die Region Gujarat als Produktionsstandort war eine strategische Wahl. Bhuj liegt in unmittelbarer Nähe dreier bedeutender Häfen. Der wichtigste ist Mundra in nur 60 Kilometer Entfernung. Dieser Aspekt erleichtert sowohl die Ausfuhr der Produkte als auch die Einfuhr von Rohstoffen. Der Produktionsstart ist für das dritte Quartal dieses Jahres vorgesehen. Die erste Charge Reifen, die das Werk verlassen soll, wird aus konventionellen Landwirtschaftsreifen bestehen. Seit einigen Monaten sind bereits die Produktionslinien für Luft- und Vollreifen (solid tyres) in Betrieb. In Kürze werden radiale Landwirtschaftsreifen, konventionelle und radiale Reifen für Erdbewegungsmaschinen folgen. Um die Nachfrage des Marktes zu befriedigen sowie die Produktionsabläufe zu beschleunigen und zu optimieren, wurde die Produktionslinie in Bhuj auf einer fortlaufenden geraden Linie konzipiert, was den Materialfluss effizienter gestalten dürfte.

Der Produktionskapazität des Standortes soll in der ersten vollen Phase 120.000 Tonnen pro Jahr erreichen, während der ersten zwölf Monate 25 Prozent der installierten Leistung entsprechen, auf 75 Prozent binnen 24 Monaten ansteigen, um schließlich die volle Auslastung bis Ende 2014/Anfang 2015 zu erreichen. In einer zweiten Phase ist in Bhuj zu einem späteren Zeitpunkt eine Ausdehnung um weitere 80.000 auf dann 200.000 Tonnen jährlich vorgesehen.

BKT-Historie

Die Geschichte BKTs beginnt 1987 mit der Gründung des ersten Werkes in Aurangabad (Westindien), wo ein Jahr später die Produktion konventioneller Reifen für Fahrzeuge mit zwei und drei Rädern startete. Anfang der 90er Jahre begann die Produktion von Reifen für Pkw, Jeeps und leichte Nutzfahrzeuge für den nationaler Markt. Seit 1995 ist das Bestreben des Unternehmens unverkennbar, immer höhere Positionen im globalen Off-Highway-Reifensegment zu erreichen, wobei zuerst die USA und dann Europa beliefert wurde, das sich im Laufe der Zeit zum wichtigsten Markt entwickelte, nicht zuletzt dank der hohen Leistungsfähigkeit des Exklusivpartners Bohnenkamp (Osnabrück). 2002 hat in Bhiwadi (Nordindien) ein weiterer Standort die Produktion aufgenommen. Zum Erreichen einer stärkeren Autonomie, Produktionskontrolle und Qualität des Endproduktes wurde 2004 eine Produktionsstätte für Reifenformen in Dombivali (im Norden von Mumbai, Jahreskapazität mittlerweile 270 Reifenformen jährlich) geschaffen. Im selben Jahr brachte BKT zusätzlich zu den bereits hergestellten konventionellen Reifen die Serie Agrimax auf den Markt, eine spezielle Radialreifenpalette für Traktoren.

Mit Blick auf eine kontinuierliche Energieversorgung zur Deckung des Bedarfs der eigenen Anlagen konzentrierte sich BKT frühzeitig auf die Erzeugung „grüner Energien“. So entstanden 2004 die ersten Windkraftanlagen, die heute 40 Prozent der von den Werken in Nordindien benötigten Energie erzeugen.

2006 wurden der Standort Chopanki eröffnet sowie die europäische Niederlassung in Italien gegründet. Dank kontinuierlicher Investitionen in Forschung und Entwicklung wurden 2007 Reifen vom Typ Agrimax Force mit IF-Technologie auf den Markt gebracht. 2008 wurde eine amerikanische Filiale eröffnet. Im folgenden Jahr brachte BKT sechs neue Reifenfamilien auf den Markt: Multimax, Agrimax Teris, Agrimax Fortis, Ridemax, Forestech und Earthmax. Zur selben Zeit wurde BKT der erste indische Hersteller von Allsteel-Radialreifen für Erdbaumaschinen mit der subbranded Earthmax. Um der hohen Produktqualität und dem Wert des Produktes mehr Nachdruck zu verleihen, stellte die Firma einen eigens dafür bestimmten Bereich im Chopanki-Werk bereit. Im gleichen Jahr erhielt BKT auch eine erste Auszeichnung von der indischen Regierung: den National Energy Conservation Award.

Im Bundesstaat Rajasthan (in der Nähe der Produktionsstandorte Bhiwadi und Chopanki) gibt es eine von der Firmengruppe 1969 gegründete Schule für 800 Mädchen, die von BKT ohne Kosten für die Familien unterstützt werden und auch Kurse für den Gebrauch von Datenverarbeitungstechnologien einschließen. 2011 brachte BKT ein neues Firmenlogo auf den Markt, bei dem der Zusatz „growing together“ die Kooperation mit Fahrzeugherstellern einerseits, andererseits die besonderen geschäftlichen und menschlichen Beziehungen zu den Kunden zum Ausdruck bringen soll.

BKT in der Zukunft

Im globalen Reifenmarkt für OTR-Anwendungen beträgt BKTs gegenwärtiger Marktanteil nach eigenen Angaben ca. fünf Prozent. Mit Blick auf die kontinuierliche jährliche Wachstumsrate plant das Unternehmen, bis 2014 die 10-%-Marke zu erreichen. Kurzfristig bestehe das erste Ziel darin, den Umsatz von 611 Millionen (2011) auf 1,36 Milliarden US-Dollar bis 2014 zu erhöhen, so der Chairman und Managing Director des Unternehmens Arvind Poddar auf eines Veranstaltung im Rahmen der „Reifen“. Langfristig (womit 2020 gemeint ist) soll sich der Umsatz auf zwei Milliarden Dollar steigern, was angesichts jährlich durchschnittlicher Zuwachsraten in Höhe von 31 Prozent im 5-Jahres-Zeitraum 2007 bis 2001 ambitioniert, aber nicht unrealistisch erscheint.

Dieses Wachstum soll mittels kontinuierlicher Produktinnovationen und der Einführung neuer Modelle erreicht werden, welche speziell auf den Bedarf der einzelnen Märkte abgestimmt sind: zum Beispiel große Radialreifen (von 49 bis 51 Zoll) für Erdbaufahrzeuge, mehr Spezialreifen für Anwendungen in Häfen und Materialien mit Allsteel-Technologie sowie zum Militäreinsatz. detlef.vogt@reifenpresse.de

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