Kraiburg-Innovation soll EM-Reifenrunderneuerung revolutionieren

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Große technische Innovationen in der Reifenproduktion sind selten. Umso mehr freut es, dass Kraiburg Austria ganz offenbar auf einem guten Weg ist, „ein völlig neuartiges Vulkanisationssystem“ zur Serienreife zu bringen und damit die Kaltrunderneuerung von EM-Reifen deutlich kostengünstiger und die beteiligten Unternehmen damit wettbewerbsfähiger zu machen. Die Energieeinsparung durch das neue System kann Kraiburg zufolge bis zu 90 Prozent betragen, die Zeiteinsparung bei der Vulkanisation bis zu 75 Prozent. Während die Grundlagenarbeit für „K_inno“ – so der Name des neuen Vulkanisationssystems – getan ist und das Prinzip steht, so Kraiburg-Austria-Geschäftsführer Thorsten Schmidt, müsse nun die notwendigen neuen Produktionsanlagen entwickelt werden.

K_inno soll die zur Runderneuerung benötigte Energie und Zykluszeit reduzieren. Die teils bis zu drei Tonnen schwere Karkasse eines EM-Reifens muss als Ganzes auf eine Temperatur von etwa 110 Grad Celsius erwärmt werden, bevor Laufstreifen, Karkasse und der dazwischenliegende Bindegummi miteinander vulkanisieren können. So kann die Runderneuerung von großvolumigen EM-Reifen bis zu 14 Stunden dauern, obwohl der eigentliche Vulkanisationsprozess dagegen in nur drei bis vier Stunden erledigt ist. „Dazwischen liegen also acht Stunden Energieverbrauch“, erläutert Dieter Hasenkopf vom „Team Innovation“ bei Kraiburg Austria während der Reifen-Messe in Essen.


Zum Maschinenkonzept für das völlig neuartige Vulkanisationssystem „K_inno“ von Kraiburg gibt es bereits erste Ideen, die nun allerdings entwickelt und gebaut werden müssen
 
Das neue Verfahren setze genau hier an, denn es bringt die für die Vulkanisation notwendige Energie dort ein, wo sie benötigt wird – in der Bindegummischicht. Dazu haben die Kraiburg-Mischungsexperten eine elektrisch leitende Gummimischung entwickelt. Diese wird als Heizschicht auf die Laufflächenunterseite aufgetragen. Der elektrische Anschluss erfolgt von der Außenseite – ohne metallische Leiter in der Heizschicht. Danach wird der Bindegummi mittels der sogenannten ohmschen Erwärmung, auch Widerstandsheizung genannt, auf Vulkanisationstemperatur gebracht. Der große Vorteil des von Kraiburg vorgestellten Vulkanisationssystems ist es also: die Aufwärmphase entfällt, die Vulkanisation beginnt unmittelbar. Auf das Verfahren sowie die leitende Gummimischung hat Kraiburg Austria im vergangenen Jahr bereits ein Patent angemeldet.

Dass dieses neuartige Vulkanisationssystem im Prinzip funktioniert, unterstrichen die Kraiburg-Austria-Verantwortlichen während der Reifen-Messe in Essen mit einer anschaulichen Versuchsanordnung. Jetzt gehe es um die industrielle Umsetzung – mit anderen Worten: es müssen die entsprechenden Produktionsanlagen entwickelt, gefertigt und zur Serienreife gebracht werden. Dazu lägen bereits „verschiedene Ideen“ vor. Die Akzeptanz am Markt und die Wirtschaftlichkeit eines solchen Systems hängt natürlich ganz wesentlich von den Investitionskosten ab, die für diese Produktionsanlagen auf einen EM-Reifenrunderneuerer zukommen. Dazu war freilich am Kraiburg-Austria-Stand noch keine Aussage zu erhalten. Der österreichische Spezialist für die Reifenrunderneuerung ist aber zuversichtlich, „K_inno“ bis 2014 zur Serienreife zu bringen. Inwiefern zur Entwicklung und zum Bau der Produktionsanlagen für eine „energieoptimierte Runderneuerung“ auch Partnerschaften mit Maschinenbauunternehmen eingegangen werden, war in Essen ebenfalls noch nicht klar. Jedenfalls zeigten sich die Verantwortlichen keinesfalls ablehnend. Das Feedback auf die Messepräsentation sei jedenfalls überaus positiv gewesen, was Kraiburg Austria darin bestärkt habe, den eingeschlagenen Weg weiter zu beschreiten, allein oder mit Entwicklungspartnern; die Marktchancen jedenfalls stünden gut.

Je kleiner der Reifen, der kaltrunderneuert werden soll, je geringer ist das Einsparpotenzial bei den Energiekosten und der Prozessdauer. Bei Kraiburg Austria kann man sich eine Nutzung von „K_inno“ in der Lkw-Reifenrunderneuerung jedenfalls kaum vorstellen.

Neben seinem Vulkanisationssystem „K_inno“ konnte Kraiburg Austria in Essen auch Produktneuheiten vorstellen. So habe man etwa die „K_wide“-Technologie optimiert und das „K_side“-Seitenwandprogramm erweitert. Die Highlights dabei seien außerdem die aktuellen Profile der „K_base“-Allroundlinie „K224“ für die Erneuerung von Busreifen und „K225“ für den straßengebundenen Fern- und Regionalverkehr. Sowohl Laufleistung als auch Fahreigenschaften der beiden von Kraiburg in Eigenregie entwickelten Profildesigns überzeugten die Kunden, so die Österreicher. „So haben sich beide Profile im vergangenen Jahr sehr positiv entwickelt“, so Holger Düx, Vertriebs- und Marketingleiter im Geschäftsbereich Runderneuerung.

Ende Mai ergänzte Kraiburg die „K_plus“-Profilreihe „KDR“ um die Breite 220 mm mit einer Profiltiefe von 14 mm. Das massive Blockprofil mit offener Schulter kann ganzjährig im Nah-, Fern- und Verteilerverkehr eingesetzt werden. Mit 235 und 270 mm ist ab Mitte des Jahres auch der „K77“ (Nachfolger von „K70“) in zwei neuen Breiten mit einer Profiltiefe von 19 bzw. 20 mm erhältlich. Das traktionsstarke Blockprofil mit offenen Schultern hat Kraiburg Austria für die Erneuerung von Vollgummi-Industriereifen bzw. vorzugsweise für Gabelstapler konzipiert.

Lenkachsreifen weisen nach der Rauung häufig eine schmalere Belegebreite auf als bei der gleichen Reifendimension für die Antriebsachse. Diesem Problem trägt die auf der Reifen-Messe 2010 vorgestellte „K_wide“-Technologie Rechung. Zusammen mit VMI-AZ hatte Kraiburg Austria eine kostengünstige Lösung entwickelt – und präsentiert nun eine optimierte Version. Mit dem neuen „K_wide“-Werkzeug, mit dem der AZ-Extruder bestückt wird, lasse sich die Schulter optisch vollkommen sauber aufbauen. Für die Schulterverbreiterung stellen die Spezialisten für Reifenrunderneuerung ein spezielles Aufbaumittel her: „AK01“ kombiniere die Anforderungen eines Standardbindegummis mit denen des Schulteraufbaus optimal. Kraiburgs „AK01“ ist in bisherigen Abmessungen als Fütterstreifen lieferbar und ersetzt den normalen Bindegummi für den CTC-Extruder auch dann, wenn kein Schulteraufbau erfolgt.

Neues gibt es darüber hinaus im Produktprogramm der individuellen Seitenwand „K_side“: Nach ausgiebigen Tests ist diese nun auch in der Dimension 315/70 R22,5 erhältlich. Ob während des Prozesses oder für eine nachträglich anzubringende Scheuerschutzleiste – mit „K_side“ sei „die Herstellung einer sauberen Seitenwand ganz einfach und wertet damit den Reifen optisch auf“, heißt es dazu in einer Mitteilung. Ein weiterer Vorteil: „Der Runderneuerer kann die Kraiburg-Designs jederzeit individuell verändern. arno.borchers@reifenpresse.de

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