Reifenmarktentwicklung: Rosig sieht anders aus

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Nicht nur Analysten der Deutschen Bank berichten mit Blick auf den Reifenmarkt im Allgemeinen sowie den europäischen im Besonderen von weiter eher verhaltenen Absatzzahlen. In Bezug auf Deutschland sehen die Daten der European Rubber Manufacturers’ Conference (ERMC) für den Sell-in (Absatz Industrie an Handel) und des Wirtschaftsverbandes der deutschen Kautschukindustrie (WdK) für den Sell-out (Absatz Handel an Verbraucher) ebenfalls alles andere als rosig aus. Mehr oder weniger überall dominieren Rot bzw. hinter dem Vorjahr(-eszeitraum) zurückbleibende Volumina.

„Der Markt entwickelt sich deutlich schlechter als erwartet“, lautet das Fazit des Finanzinstitutes, nachdem die Zahlen für den April vorliegen. Demnach konnte die Reifenindustrie im April in den weltweit etablierten Märkten insgesamt zehn Prozent weniger Reifen absetzen, woran vor allem die stark rückläufigen Lieferungen für den Ersatzmarkt in Europa – für Pkw-Reifen wird ein Minus von 18 Prozent genannt, bei Lkw-Reifen wird der Rückgang gar mit 31 Prozent beziffert – die Schuld tragen sollen. Ein Blick auf die ERMC-Statistik bestätigt den Negativtrend auch in deutschen Landen: Im April lieferten die Reifenhersteller mit gut 3,2 Millionen Einheiten 12,5 Prozent weniger Pkw-Reifen in Richtung Handel aus als im entsprechenden Vorjahresmonat. Und wäre da nicht ein kräftiger Anstieg bei Winterreifen, so wäre das Minus sicher noch größer ausgefallen, wurden mit gut 2,6 Millionen Stück doch immerhin 21,7 Prozent weniger Pkw-Sommerreifen in Richtung Handel verkauft.

Wer angesichts dessen schon die Hände über dem Kopf zusammenschlägt, sollte sich den Blick auf das entsprechende Zahlenwerk für Lkw-Reifen besser nicht zumuten. Dem ERMC-Datenmaterial zufolge blieb der Ersatzmarkt-Sell-in bei Bereifungen für mittlere und schwere Lastwagen im April in Deutschland um sage und schreibe nicht weniger als 42,6 Prozent hinter dem Vorjahresmonat zurück. Die Bilanz wird nur unwesentlich besser, wenn man die ersten vier Monate 2012 betrachtet. Dann steht der Sell-in bei Lkw-Reifen mit seinen bis dato gut 350.000 Einheiten immer noch 36,9 Prozent im Minus. Auch bei den Pkw-Bereifungen nimmt sich der Absatzrückgang Industrie an Handel im genannten Zeitraum mit neun Prozent auf knapp 15,0 Millionen Reifen – 13,4 Millionen Sommerreifen (minus 11,2 Prozent), knapp 1,6 Millionen Winterreifen (plus 14,4 Prozent) – nicht unbedingt deutlich besser aus als für den April alleine.

Und wie sieht in Deutschland die Absatzentwicklung Handel in Richtung Verbraucher aus? Klammert man Effekte rund um einen etwaigen Lagerbestandsauf- oder -abbau aus, müsste der vergleichsweise schwache Sell-in die direkte Folge eines tendenziell ebenfalls eher schwachen Sell-out sein. Diese Befürchtung bestätigt ein Blick auf das sogenannte Sell-out-Panel des WdK in der Tat. Demnach hat der Handel von Januar bis April insgesamt sieben Prozent weniger Pkw-Reifen an die Frau oder den Mann gebracht. Ein genauerer Blick fördert allerdings zutage, dass dabei insbesondere das Sommerreifengeschäft bisher mit 9,8 Prozent hinter dem entsprechenden Zeitraum 2011 zurückgeblieben ist, während bei Pkw-Winterreifen ein Stückzahlplus von 5,6 Prozent erzielt wurde. Absolute Zahlen nennt das WdK-Sell-out-Panel freilich nicht, allerdings dürfte jedermann klar sein, dass die Monate Januar bis April nicht gerade diejenigen sind, in denen das große Rad in Sachen Winterreifen gedreht wird. Im vergangenen Jahr entfielen auf die vier Monate laut WdK in Summe gerade einmal annähernd zehn Prozent des M+S-Gesamtvolumens 2011.

Nicht verschwiegen werden soll an dieser Stelle, dass die Absatzentwicklung Handel an Verbraucher bei Offroad- und Llkw-Reifen während der ersten vier Monate des laufenden Jahres positiv war: Bis einschließlich April konnten dem Zahlenmaterial zufolge immerhin 20 Prozent mehr 4×4-Reifen an Endkunden verkauft werden, und bei den Bereifungen für leichte Nutzfahrzeuge soll der Zuwachs bei fast elf Prozent gelegen haben. Umso deprimierender ist dann allerdings der Blick auf die Lkw-Reifen. Sowohl im April alleine als auch für die ersten vier Monate 2012 insgesamt liegt das Absatzminus nach dem WdK-Panel bei leicht über 20 Prozent. Schlimmer noch, dass die Deutsche Bank nicht damit rechnet, dass der Mai für die Reifenmärkte insgesamt eine durchgreifende Änderung mit sich bringen wird – zumal der Monat als ein ohnehin eher schwacher beschrieben wird.

Ob es den Reifenhandel angesichts dessen tröstet, dass die Finanzexperten nicht glauben, die Gewinne der Reifenindustrie könnten dadurch geringer ausfallen als von ihnen erwartet, ist allerdings fraglich. Begründet wird diese Sicht der Dinge übrigens mit der Preisdisziplin der Hersteller bzw. dem Halten der von ihnen zuletzt umgesetzten starken Preisanhebungen einerseits sowie zuletzt wieder sinkenden Rohstoffpreisen andererseits. Laut der Deutschen Bank liege etwa der Preis für Naturkautschuk momentan bei rund 3,50 US-Dollar je Kilogramm und damit unter der für dieses Jahr von den meisten Herstellern budgetierten Spanne irgendwo zwischen 3,80 und 4,10 US-Dollar je Kilogramm. Gleichzeitig sei der Preis damit rund ein Viertel niedriger als die 4,60 US-Dollar je Kilogramm, welche die Hersteller 2011 für Naturkautschuk berappen mussten. „Insgesamt erwarten wir 2012 immer noch Gewinnsteigerungen im Bereich von 20 bis 50 Prozent in unserem europäischen Universum“, schreibt die Deutsche Bank, meint damit – so viel dürfte klar sein – allerdings die Reifenindustrie und nicht den Reifenhandel. christian.marx@reifenpresse.de

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