DBV: Immer schön unkompliziert

Man kennt das: Die meisten Anbieter von Aluminiumrädermarken buhlen um die Listungen bei den großen Reifenhandelsketten, sind obendrein bei dem ein oder anderen Grossisten gut im Geschäft und nennen ansonsten noch die Kundengruppe Autohäuser als Absatzmittler. Bei DBV (Würzburg/Deutscher Brennstoffvertrieb GmbH) ist so manches anders, auch in dieser Hinsicht. Ja, Exportkunden von DBV-Rädern gibt es auch, vornehmlich Österreich ist stark, ferner nennenswert Skandinavien. Ja, zu den Kunden von DBV-Rädern gehören auch – meist eher kleinere und noch „kooperationsfreie“ – Reifenfachhändler. Ja, zu den Kunden von DBV-Rädern gehören auch – meist eher kleinere bis mittlere – Autohäuser. Ja, zu den Kunden von DBV-Rädern zählen auch zahlreiche Kfz-Betriebe: zumeist kleinere mit weniger als zehn Mitarbeitern. DBV hat eine Kundengruppe erschlossen, die von anderen vernachlässigt wird.

Wie aktuelle Untersuchungen ergeben haben, hat der deutsche Reifenfachhandel in den letzten Jahren keine Marktanteile an sein „klassisches Feindbild“ Autohaus verloren, sondern an freie Kfz-Werkstätten, die ob ihrer Größe auch schon mal von oben herab als „Klitschen“ diffamiert werden und auf deren oftmals enge Betriebshöfe sich der feine Außendienst der Reifenhersteller gar nicht erst begibt und die Außendienste der Felgenanbieter auch nicht. Die paar Reifen, die paar Felgen pro Jahr, das lohnt doch nicht … DBV-Mitarbeiter wurden dort auch nie gesichtet, das Unternehmen hat den Außendienst vor gut sechs Jahren abgeschafft. Was DBV aber sehr intensiv betreibt ist die Versendung von Newslettern mit allerlei Angeboten auch an ebendiese Adressen: Mal geht’s um Öl, mal um Reifen, mal um Kompletträder und mal um günstige Leichtmetallräder.

Dass von den Adressaten nicht gleich große Bestellungen retour geschickt werden und zu erwarten sind, weiß das DBV-Team um den geschäftsführenden Gesellschafter Norbert Bathon auch. Da das Versenden von Reifen und Rädern per Paketdienst seit Jahren bei allen Vermarktern das täglich Brot ist, gibt es auch keinen Grund, über solche Kleinbestellungen enttäuscht zu sein. Viel „Klein-Klein“ summiert sich auch, der Absatz an DBV-Rädern schwankt seit Jahren um die etwa 200.000 Einheiten jährlich.

Das ist sehr respektabel und vor allem möglich, weil DBV auf jeglichen „Schnickschnack“ verzichtet; das gilt auch bei der Ausstattung und der Außendarstellung des Firmensitzes, im Empfangsbereich, im Besprechungsraum, im Lager – auf allen Ebenen. Die Positionierung „Budget“ mit Tendenzen bis ins mittlere Preissegment bei neueren Rädertypen ist akzeptiert, das aktuelle Sortiment reicht von der oftmals bereits völlig vernachlässigten Größe 13 Zoll über die Volumendimensionen bis hin zu 20 Zoll, die Radtypen haben grundsätzlich ABE und einen Typ mit Teilegutachten gibt es nicht. „Wir bedienen den Massenmarkt“, konstatiert Bathon die Aufstellung der Marke. Zum Programm gehören zwölf marktgängige, eher unspektakuläre Designs, kommt ein neues hinzu, fällt ein anderes heraus. Schmiederäder, Mehrteiler, Showräder in 24 Zoll usw. – alles Fehlanzeige, braucht man nicht und wären ohnehin eher was für das Ego des Anbieters als fürs Tagesgeschäft. Die „Nische in der Nische“ zu finden, ist kein Unternehmensziel.

Wenn DBV designseitig in den letzten Jahren Akzente gesetzt hat im Ersatzgeschäft, dann mit dem kurzzeitigen Trend hin zu Farbrädern. Wenn man denn Schwarz als Farbe begreift, dann mischt die Würzburger Marke in dieser Nische immer noch mit, ansonsten sind die knallbunten Räder bis auf einige rudimentäre Angebote beim Design Tahiti in der Versenkung verschwunden. DBV mag bei den Designs bewusst im „Mainstream“ schwimmen, an Mut, gegebenenfalls mal etwas Neues auszuprobieren, mangelt es nicht.

Dafür ist Norbert Bathon branchenweit bekannt, sein gleichberechtigter Mitgesellschafter und Mitgeschäftsführer Bruder Andreas Bathon, der überwiegend im Unternehmen für die Geschäftsfelder Tankstellen und Waschanlagen sowie den administrativen Bereich zuständig ist, trägt das mit. Dass da auch mal eine Idee – in diesem Falle aus dem Bereich Online-Plattformen – schief läuft und möglicherweise zu einer teuren Eskapade wird, wird freimütig erzählt.

Geheimnisse habe man nicht, erzählen die Brüder. DBV hat im letzten Jahr mit etwa dreißig festangestellten Mitarbeitern einen Umsatz von um die 92 Millionen Euro generiert. Für jede Produktgruppe, für jedes Angebot gilt das Primat der „Profitorientierung“. Das mögen nicht immer die fetten Margen sein, ist aber immer fein durchkalkuliert. Die beiden jeweiligen Zuständigkeitsbereiche für Andreas und Norbert Bathon sind in etwa gleich groß, letzterer hat den Schwerpunkt bei Schmierstoffen, Rädern und Reifen. Wobei das vormalige Reifenlager inzwischen „outgesourct“ ist: DBV kooperiert reifenseitig mit mehr als anderthalb Dutzend Grossisten, vor allem in Benelux, diese Liste wird bereits kurzfristig verlängert.

Besonders stolz ist DBV auf den hauseigenen Webshop, auf die Suchmaschine, auf die komplette Datenbank des Kraftfahrt-Bundesamtes. Bei der DBV werden keinerlei Informationen aus dem Datenblatt ausgelassen. Und alles ist denkbar einfach und nachvollziehbar für den Nutzer arrangiert. Dabei könnte die beste Leistung leicht übersehen werden, die bis heute nachwirkt: DBV war einfach sehr früh mit einer eigenen Website im Markt, war „Vorreiter“ und hatte sich damals einen Vorsprung gesichert. Weil User gerne an Gewohntem festhalten und das Internetangebot in diesem Falle auch noch höchst praktikabel, das heißt unkompliziert aufgebaut ist, ist der DBV-Webshop eine ausgezeichnete Trumpfkarte im Wettbewerb.

Als Räderanbieter liegt das Heil allerdings natürlich nicht nur im Ver-, sondern auch im Einkauf. Bathon war einer der wenigen, die intensiv versucht haben, sich gegen die Einführung von Strafzöllen auf Aluminiumräder made in China zu wehren. Vergeblich, wie man weiß, und die Margen werden belastet. Dennoch lasse sich das verkraften, hier mit Kosteneinsparungen, dort mit Preiserhöhungen, und auch der große chinesische Hersteller Wanfeng hat Entgegenkommen gezeigt. Wanfeng steht auch heute noch für etwa drei Viertel als Quelle der DBV-Räder, der Rest kommt aktuell von Componenta in der Türkei. Dabei war hilfreich, dass der in 2010 zu DBV gekommene Leiter Technik Stefan Beyerlein jahrelang die Räderentwicklung bei ATU verantwortet hatte und mit der Produktionsstätte bestens vertraut ist, nur hieß sie zu seinen ATU-Zeiten noch Döktas. Eine dritte Produktionsstätte wäre Norbert Bathon recht.

Die käme dann vielleicht auch infrage für eine weitere Aktivität im Rädergeschäft, die im Markt weitgehend unbekannt und von DBV nicht „an die große Glocke gehängt“ wird: Bislang werden unter der Vermittlung und Regie der Würzburger Aluminiumräder für Tuner bei Wanfeng gefertigt. Das ist vielleicht so etwas wie das „Salz in der Suppe“ für die Entwicklungsarbeit von Beyerlein, geht es hier doch oftmals um eben genau die technischen Features, die für die Marke DBV bewusst ausgespart werden. Mit anderen Worten: Hightech bieten könnte man bei DBV sehr wohl, wenn man nur wollte. Und bietet das Unternehmen ja auch im Verborgenen: Die hochentwickelte, vielleicht etwas zeitaufwändige Wuchtmaschine, über die sämtliche vermarkteten Kompletträder – so beispielhaft im letzten Jahr eine Sonderserie mit Kumho-Winterreifen und dem DBV-Styling Bali für den Smart – geschickt werden, ist ein Unikat. Wie es auch das Geschäftsmodell von DBV im deutschen Markt ist. detlef.vogt@reifenpresse.de

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