Agritechnica: Michelin ist auf allen Feldern zu Hause

Der Marktführer bei Landwirtschaftsreifen Michelin hat auf der Agritechnica in Hannover einen Wirtschaftlichkeitssimulator sowie ein breites Sortiment an Reifenlösungen präsentiert, darunter unter anderem einen Prototypen des neuen Gripker der zweiten Marke Kleber, zwei neue Dimensionen des Michelin-Reifentyps MachXBib und den Allroundschlepperreifen OmniBib. Der Messestand stand dieses Jahr unter dem Motto „Auf allen Feldern erfolgreich – mit Michelin“. Der französische Reifenhersteller wollte demonstrieren, dass profitable Bewirtschaftung und Bodenschonung sich keineswegs ausschließen müssen.

Stefan Rössler aus der Produkttechnik bekräftigt auf Nachfrage, dass man die Landwirtschaftsreifenmarke Kleber, die in Europa ja einmal führend war, durchaus weiter pflege und sogar gerne aufpoliert im Rahmen der Multi-Marken-Politik des Unternehmens. Kleber sei „die Marke des Vertrauens“, aber halt schon traditionell auf Europa fixiert und damit keine „Weltmarke“. Hier in Europa ist Kleber die Marke für die mittelgroßen Betriebe und weitgehend dem Ersatzmarkt zuzurechnen. Wenn freilich ein Kunde bei der Fahrzeugbestellung explizit Kleber wünsche, bekomme er diese Marke auch, aber die Erstausrüstungsmarke im Landwirtschaftsreifenbereich ist mittlerweile für die Fahrzeughersteller fast ausschließlich Michelin. Michelin ist „die Marke für den professionellen Einsatz“.

Die dritte Marke kormoran hatte der Konzern bekanntlich vor einigen Monaten auslaufen lassen, das preiswertere Segment wird durch die ungarnstämmige Marke Taurus abgedeckt. Auch wenn aus den beiden dortigen Konzernwerken mittlerweile gar keine Landwirtschaftsreifen mehr kommen, sondern nur noch Pkw- und Lkw-Reifen sowie Schläuche. Die Fertigung von Landwirtschaftsreifen hat Michelin in Europa in den drei Werken Troyes (ehemals Kleber, Frankreich), Olsztyn (ehemals Stomil/kormoran, Polen) und Valladolid (Spanien) konzentriert.

Wie innovative Reifentechnik den Boden schont

Als Hauptattraktion des Standes hatte Michelin einen sogenannten Wirtschaftlichkeitssimulator aufgebaut. Drei Michelin-Landwirtschaftsreifen – der AgriBib, der MultiBib und der XeoBib – wurden nebeneinander in die kreisrunde Maschine eingespannt, darunter ein mit Sand gefüllter Container. Die Reifen werden nun in den Sand abgelassen und mit dem gleichen Gewicht belastet. Dank Ultraflex-Technik hinterlässt der XeoBib einen deutlich breiteren und flacheren Abdruck im Sand als die beiden anderen auf herkömmlicher Technik basierenden Reifen. Die Vorteile für empfindliche Böden und Pflanzenkulturen liegen auf der Hand und so lautet denn die Botschaft, die die Agritechnica-Besucher mit nach Hause nehmen sollten: Ultraflex trägt dazu bei, die Bodenverdichtung gering zu halten, und sorgt damit für eine bessere Zirkulation von Luft und Wasser im Erdreich. Die Pflanzen können sich besser entwickeln und der Ertrag steigt. Es handle sich beim XeoBib also um eine wirklich lohnende Investition.

Ultraflex-Technologie spart Zeit und Geld

Kernstück der patentierten Ultraflex-Technologie ist die Karkasse. Besonders verstärkte Reifenschultern und eine spezielle Gummimischung erlauben ein stärkeres Einfedern der Flanken und sorgen gleichzeitig für hohe Festigkeit, selbst bei starken mechanischen Beanspruchungen. Im Vergleich zu herkömmlichen Reifen können Ultraflex-Reifen mit deutlich niedrigerem Reifendruck fahren, auch bei hoher Last oder großen Geschwindigkeiten. Die entsprechend größere Aufstandsfläche verbessert die Traktion auf trockenen und nassen Böden. Damit schont Ultraflex nicht nur den Boden und steigert die künftigen Erträge, sondern spart auch Zeit und bis zu zehn Prozent Kraftstoff im Vergleich zu herkömmlichen Reifen. Michelin bietet zwei Reifentypen mit Ultraflex-Technologie an: den XeoBib für Ackerschlepper von 80 bis 220 PS und den AxioBib für Landmaschinen mit mehr als 250 PS.

Ferner waren zwei neue Dimensionen des MachXBib auf der Agritechnica erstmals zu sehen: 710/70 R38 und 710/70 R42. Der MachXBib wurde für leistungsstarke Schlepper mit mehr als 200 PS konstruiert, die in der Bodenvorbereitung und bei Pflugarbeiten eingesetzt werden. Gegenüber seinem Vorgänger XM28 hat der MachXBib deutlich verbesserte Leistungsdaten in puncto Laufleistung, Kraftstoffverbrauch und Bodenschonung. Daneben wurde der bereits im Herbst 2008 auf dem Markt eingeführte Reifen OmniBib erstmals auf der Agritechnica ausgestellt. Für Schlepper von 70 bis 180 PS, die im Allroundeinsatz auf Feld, Hof und Straße tätig sind, bietet sich dieser Reifen an.

Neuer Kleber-Prototyp Gripker

Klebers Gripker der 65er-Serie ist für Traktoren der mittleren Leistungsklasse von 80 bis 200 PS konzipiert und ab Mitte 2010 bei Fachhändlern in ganz Europa erhältlich, auf der Messe handelte es sich also um einen Prototypen. Seine speziell adaptierte Stollengeometrie wurde für den Einsatz im klassischen Mischbetrieb entwickelt. Er biete, heißt es in einer Presseinformation, optimale Traktion im Acker und auf dem Grünland sowie hohen Fahrkomfort bis 65 km/h. Sein Design weist drei Zwischenstollen am Profilgrund auf – das typische Kennzeichen von Ackerschlepperreifen dieser landwirtschaftlichen Traditionsmarke. Bei der Namensgebung wurden die Kunden in die Entscheidung mit einbezogen: Auf der Fachmesse SIMA 2009 hatte Kleber mehr als 3.000 Landwirte befragt und diese über den Namen des neuen Breitreifens abstimmen lassen.

Die neue Produktreihe entspricht mit Geschwindigkeitsfreigaben bis zu 65 km/h (Geschwindigkeitsindex D) der wachsenden Nachfrage von Reifen, die für hohe Geschwindigkeiten beim Straßeneinsatz geeignet sind. Dass Kleber mit dem Gripker das Produktangebot im Segment der Serie 65 weiter ausbaut, trägt einem europaweiten Zuwachs von ca. 70 Prozent in diesem Marktsegment in den Jahren zwischen 2000 und 2008 Rechnung.

Mit dem Gripker baut Kleber sein Portfolio weiter aus und verfügt im Reifensegment für Ackerschlepper ab Juni 2010 über insgesamt fünf Produktreihen, in dieser Reihenfolge „von oben nach unten“: den Topker (Reifen für leistungsstarke Traktoren über 200 PS),den Gripker, den Fitker (70er-Serie für 70 bis 180 PS starke Traktoren), den Traker (85er-Serie für 60 bis 160 PS starke Traktoren) und den Super 3 (95er-Serie).

0 Kommentare

Schreiben Sie einen Kommentar

An Diskussionen teilnehmen
Hinterlassen Sie uns einen Kommentar!

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.