DUH: Autobauer tricksen rund um Kfz-Steuer auch in Sachen Reifen

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Im Zuge der Umstellung der Kfz-Steuer auf den Kohlendioxidausstoß als teilweise Bemessungsgrundlage zum 1. Juli dieses Jahres geht die Deutsche Umwelthilfe e.V. (DUH) nach eigenen Schätzungen von Steuermindereinnahmen für den Bund in jährlich dreistelliger Millionenhöhe aus. Als Grund dafür wird eine „seit Jahren zunehmende Kreativität der Automobilhersteller beim Zustandekommen der offiziellen Spritverbrauchsangaben neuer Pkw-Modelle“ genannt. Diese würden immer stärker vom tatsächlichen Verbrauch im Fahrbetrieb abweichen und deswegen bei Vielfahrern jährliche Mehrkosten in bis zu vierstelliger Höhe verursachen. „Hintergrund für das Interesse der Autobauer, möglichst niedrige Spritverbräuche und Kohlendioxidwerte auszuweisen, ist vor allem die zunehmende Bedeutung niedriger Werte beim Autokauf“, sagt die DUH unter Verweis darauf, dass es eine amtliche Kontrolle der Prüfwerte nicht gebe. Folge der „besonders kreativen Auslegung der europäischen Prüfvorschriften“ durch einige Hersteller: Während eine Reihe von Fahrzeugen im realen Betrieb mit den angegebenen Verbrauchswerten gefahren werden könne, liege der Verbrauch bei der Mehrheit der Modelle um bis zu 33 Prozent über den offiziellen Angaben, welche die Hersteller nach dem sogenannten neuen Europäischen Fahrzyklus (NEFZ) auf Rollenprüfständen ermitteln.

Zu den „Tricks“ der Hersteller, mit denen sich die Verbrauchswerte schönen ließen, gehöre unter anderem die Verwendung besonderer Leichtlaufreifen oder ein extrem erhöhter Reifendruck bei den Fahrten auf dem Rollprüfstand. Auch würden elektrische Verbraucher wie Autoklimaanlagen deaktiviert oder gar die Lichtmaschine komplett abgekoppelt. „Alle diese Tricks bewegen sich in der Grauzone zwischen kreativer Interpretation und missbräuchlicher Manipulation der Prüfvorschriften“, sagt DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch. Der Staat müsse jetzt auf diese Täuschungen reagieren und durch eigene Nachprüfungen sicherstellen, dass die der Kaufentscheidung zugrundeliegenden Spritverbrauchs- und Kohlendioxidangaben im realen Fahrbetrieb auch erreichbar sind. „Die missbräuchliche Interpretation der europäischen Prüfvorschriften durch mehrere Autohersteller erfüllt nach Ansicht der DUH den Tatbestand der systematischen Verbrauchertäuschung“, erklärt Resch. „Es kann nicht sein, dass bestimmte Autobauer sich Wettbewerbsvorteile durch immer kreativere Interpretation der EU-Regeln verschaffen. Hier muss der Staat der Selbstkontrolle ein Ende bereiten“, fordert er.

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