Linglong: 250 Millionen Dollar für neue Pkw-Reifenfabrik

Zu den größten Reifenherstellern Chinas, die derzeit ohne nennenswerte ausländische Beteiligungen und Jointventures auskommen, gehört die Shandong Linglong Rubber Co., Ltd. Das ehrgeizige Privatunternehmen mit Sitz in Zhaoyuan (Provinz Shandong) baut derzeit seine Produktionskapazitäten umfangreich aus – bis 2009 sollen diese um über 50 Prozent gesteigert werden. Da Linglong, wie viele andere chinesische Reifenhersteller auch, einen durchaus hohen Anteil seines Outputs auf Exportmärkten vertreibt bzw. vertreiben muss, da der chinesische Reifenmarkt unter Überkapazitäten leidet, steht künftig ein noch größeres Engagement auf lukrativen Exportmärkten zu erwarten. In Europa etwa ist Linglong bereits mit Importeuren wie Hämmerling oder Kirkby Tyres vertreten.

Shandong Linglong hat sich in den letzten Jahren intensiv mit der sich stark ändernden Wettbewerbssituation in China und auf dem chinesischen Reifenmarkt eingestellt. Der Markt wächst jedes Jahr im zweistelligen Prozentbereich, Hersteller, die dort nicht mitziehen können oder wollen, werden einerseits Marktanteile verlieren und andererseits aufgrund der geringen Profitabilität des Reifenmarktes unter hohen Stückkosten und somit einer noch geringeren Profitabilität leiden. Reifenhersteller, die langfristig ihre Marktposition in China – und auch auf Exportmärkten – halten wollen, müssen also expandieren und Kapazitäten wie auch ein attraktives Produktportfolio aufbauen. In beiden Bereichen ist Linglong in den vergangenen Jahren einige Schritte vorangekommen.

Während Linglong 2004 noch einen jährlichen Output von 6,6 Millionen Reifen hatte, so der Hersteller gegenüber der NEUE REIFENZEITUNG, sollen dies 2009 bereits 22,5 Millionen Einheiten sein. Linglong wird also binnen fünf Jahren seinen Output um 240 Prozent steigern. 2005 betrug der jährliche Output noch 8,8 Millionen Einheiten, im vergangenen Jahr bereits 12,5 Millionen. Anders, als das Unternehmen bei einer früheren Gelegenheit erklärte, werde die neue Linglong-Fabrik am Standort Zhaoyuan nicht 16 Millionen zusätzliche Pkw-Reifen produzieren können, sondern lediglich zehn Millionen. Die offizielle Grundsteinlegung der neuen Pkw-Reifenfabrik fand im Januar dieses Jahres statt und sie soll bis Ende dieses Jahres fertiggestellt werden; unter Volllast wird sie aber 2009 fertigen. Wie Linglong ankündigt, ziele die Fabrik vorwiegend auf nordamerikanische und europäische Exportmärkte ab. Ab 2009 beschäftigt das Unternehmen dann 10.400 Mitarbeiter; gegenwärtig sind dies 8.500, darunter wenigstens 1.600 Ingenieure.

Die neue Fabrik, die also gegenwärtig für rund 250 Millionen US-Dollar und ohne Technologie- oder Jointventurepartner gebaut wird, bedeutet für das Unternehmen einen weiteren Meilenstein in Sachen Produktionskapazität, durch sie wird die Kapazität im Vergleich zu 2006 um immerhin 80 Prozent gesteigert. Wenn die Fabrik 2009 voll produziert, so rechnet Linglong vor, werde der Hersteller einen Jahresumsatz in Höhe von gut 1,8 Milliarden US-Dollar haben. Während der kommenden Jahre werde sich der Umsatz um jährlich 30 Prozent steigern lassen. Im vergangenen Jahr, so der Hersteller gegenüber dieser Zeitschrift weiter, habe man 840 Millionen Dollar umgesetzt, während dies in den Jahren zuvor noch 420 Millionen (2004) bzw. 660 Millionen Dollar (2005) waren. Bei einem Vergleich dieser Umsatzzahlen mit den Absatzzahlen fällt auf, dass sich die Umsätze wesentlich stärker entwickeln als die Absätze. Während Linglong also, wie oben erwähnt, seinen Output innerhalb von fünf Jahren um 240 Prozent steigert, sollen die Umsätze im selben Zeitraum sogar um 328 Prozent steigen. Dies ist einerseits ein Indiz auf einen sich ändernden Produktmix sowie auf zunehmende Exporte des Unternehmens.

Das gegenwärtige Expansionsprojekt ist bei Shandong Linglong unter der Bezeichnung „Projekt 1211“ bekannt. Bis Ende 2008 möchte man einen Umsatz von zehn Milliarden Yuan haben (1,315 Mrd. Dollar), die erste eins, wird man insgesamt 200 Millionen Reifen gefertigt haben, die zwei, man werde dann 10.000 Mitarbeiter haben und – die letzte eins – als Nummer-1-Hersteller weltweit bekannt sein.

Shandong Linglong fertigte im vergangenen Jahr also 12,5 Millionen Reifen in seiner Fabrik in Zhaoyuan in der ostchinesischen Küstenprovinz Shandong. Die Produktion teilt sich folgendermaßen auf: 53 Prozent bzw. 6,625 Millionen Pkw-Reifen, 30 Prozent bzw. 3,75 Millionen Lkw-Reifen und 17 Prozent bzw. 3,825 Millionen EM-Reifen; 73 Prozent der Reifen sind Radialreifen (9,125 Mio., davon etwa 8 Mio. radiale Pkw-Reifen, von denen der größte Teil exportiert wird); während 40 Prozent des gesamten Outputs exportiert werden, also fünf Millionen Reifen, bleiben 60 Prozent im Land.

Neben der neuen Pkw-Reifenfabrik, die gegenwärtig am Standort entsteht, plane Shandong Linglong in naher Zukunft auch die Errichtung einer neuen Lkw-Reifenfabrik. Der Hersteller nennt auf Anfrage keine weiteren Details zu diesen Plänen, außer dass es sich dabei – natürlich – um Reifen radialer Bauweise handeln werde und dass die Produktionskapazität der Anlage bei rund zwei Millionen Reifen liegen soll. Darüber hinaus werde in Zhaoyuan gegenwärtig die Errichtung eines Testgeländes geplant.

Dass die Reifen der Marke Linglong (es werden weitere Marken gefertigt wie etwa Shanling oder Liao) auch in Europa Anklang finden, zeigt die Präsenz des Herstellers hierzulande. So vermarktet die Hämmerling-Gruppe etwa die Produkte aus Zhaoyuan in Deutschland, wo der Großhändler allerdings keine Exklusivrechte besitzt. Und in Großbritannien kooperiert Shandong Linglong mit Kirkby Tyres. Hämmerling vermarktet das komplette Produktsortiment, also Pkw-, Lkw- wie auch EM-Reifen. Dabei sei insbesondere „eine sehr große Profil- und Größenvielfalt im Lkw-Bereich“ ein Punkt, an dem sich der Hersteller laut Geschäftsführer Ralf Hämmerling von anderen chinesischen Reifenherstellern abgrenzt. Während es Pkw-Reifen mit verschiedenen Sommerprofilen in zahllosen Größen bis 20 Zoll gibt, nimmt sich das Winterreifensortiment mit insgesamt 13 Größen doch eher klein aus. „Dieses Spektrum wird jedoch jährlich um mehrere Größen erweitert“, sagt Hämmerling weiter. Der Qualität der Linglong-Pkw-Reifen ist sich die Hämmerling-Gruppe sogar derart sicher, dass sie seit Anfang dieses Jahres eine vierjährige Reifengarantie für alle Ein- und Anfahrschäden auf- und abseits der Straße gibt. „Die Hersteller bekunden mit Übernahme der Garantie, wie überzeugt sie von der Qualität ihrer Reifen sind.“ Hämmerling gibt dieselbe Garantie übrigens auch auf Reifen von Interstate Tires, ebenfalls aus China, und auf Avon-Reifen. Linglong-Reifen, „eine der führenden Marken im chinesischen Markt“, erarbeite sich zunehmend Marktanteile auch in Deutschland, ergänzt Ralf Hämmerling, dessen Unternehmen im Sommer 2006 ein eigenes Büro in Qingdao (Provinz Shandong) eröffnet hat. Der deutsche Großhändler positioniert die Pkw-Reifen im mittleren Budget-Segment, sie böten „ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis“ und eine gewisse Flexibilität bei der Marktpositionierung, da die Marke nicht an jeder Ecke erhältlich ist. Gerade bei Lkw-Reifen würden Linglong-Reifen gerne „als preiswerte Alternative zu den Markenreifen“ gesehen.

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