Hankook: Mit Cleverness nach Europa

Für Hankook, einen der wachstumsstärksten Reifenhersteller der Welt, ist eine Präsenz im Motorsport das Ausrufungszeichen hinter der oft bewunderten Entwicklungsfähigkeit. Dass der koreanische Reifenhersteller, der sich selber als „internationaler Reifenhersteller“ bezeichnet und dies spätestens mit der Eröffnung der neuen Fabrik in Ungarn in diesem Sommer auch ist, auch beim traditionellen 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring präsent ist, war für die Verantwortlichen in Neu-Isenburg bei Frankfurt am Sitz des Unternehmens keine Frage. Aus Anlass des Rennens Anfang Juni nutzte der Hersteller die Gelegenheit, und kündete über 200 Gästen am Nürburgring von den Ereignissen, die das Unternehmen in Gegenwart und Zukunft bewegen wird. Gleichzeitig nutzte der Konzernvorstand aus Korea – einige Mitglieder der Inhaberfamilie Cho sowie Chief Technical Officer Kim Hwi-Joong waren eigens in die Eifel gereist – um den ersten offiziellen Auftritt des erst im Mai ernannten neuen Europa-Präsidenten und COO Jin Seung-Do mitzuerleben. Er, so erklärte Jin im Rahmen eines Interviews mit der NEUE REIFENZEITUNG am Rande des 24-Stunden-Rennens, wolle „Hankook mittelfristig als Premiummarke in Europa etablieren“. Besonderes Augenmerk will der ehemalige Executive Vice President dabei auf den Vertriebskanal Reifenhandel sowie auf Logistik legen.

Europa-Präsident Jin Seung-Do war während des vergangenen Jahres vorwiegend mit der Weiterentwicklung des Distributionsnetzes auf dem heimischen koreanischen Markt betraut. Als Executive Vice President sorgte er dafür, dass das Franchise-System „T-Stations“ in Korea – und bald auch in China – eingeführt wird. Seither sind etwa 150 solcher Shops entstanden; allesamt „sollten“ sie ausschließlich Produkte vermarkten, die von Hankook gefertigt werden. Dass ihm die Erfahrung beim Aufbau dieser (Hard-)Franchise-Kette in Korea auch auf dem europäischen Markt helfen wird, darf man als gegeben betrachten. Allerdings sei die Handelslandschaft in Europa kaum mit der in Asien zu vergleichen. So hat man in Europa beispielsweise schon seit vielen, vielen Jahren nichts von Reifenhandelsbetrieben gehört, die sich quasi exklusiv auf eine Marke oder auf die Marken eines einzigen Konzerns konzentrieren. Dennoch: Seit Gründung der ersten T-Station im Juli 2004 hat sich das Netzwerk deutlich weiterentwickelt. Im April dieses Jahres wurde etwa der erste Shop in Shanghai eingerichtet. Etwa ein Viertel der gesamten Outlets in den beiden Ländern gehören Hankook direkt.

Allerdings weiß Jin Seung-Do natürlich um die Andersartigkeiten des europäischen Reifenmarktes, und er betont im Rahmen eines Gesprächs deutlich, dass es dabei nicht um die Etablierung von „T-Stations“ gehen könne, sondern um die Weiterentwicklung und weitere Etablierung des „Hankook Masters Programme“. Zu diesem mehr oder weniger lockeren Verbund von Reifenhandelsbetrieben gehören mittlerweile rund 1.500 Outlets europaweit. Diese Zahl soll nach dem Willen Jins weiter ausgebaut werden, um die Handelsbasis für die großen Ziele zu schaffen, die sich der Reifenhersteller mit der Verdoppelung des Marktanteils von derzeit vier Prozent auf acht Prozent bis Ende 2010 gesetzt hat. Beim Ausbau dieses Soft-Franchise-Netzes wolle sich Jin insbesondere auf die drei großen Reifenmärkte Europas konzentrieren (Deutschland, Großbritannien und Frankreich), ohne dabei aber den Rest Europas zu vernachlässigen.

Im Wesentlichen basiert die Erwartung, den Marktanteil binnen weniger Jahre zu verdoppeln, natürlich auf die noch diesen Sommer ans Netz gehende, neue Reifenfabrik im ungarischen Dunaújváros. Diese 500 Millionen Euro teure Fabrik soll bis 2010 auf eine Kapazität von rund zehn Millionen Einheiten ausgebaut werden, womit ein großer Teil der Absätze in Europa bereits abgedeckt wäre. Gegenwärtig fertigt das Unternehmen weltweit 69 Millionen Reifen jährlich und betreibt dazu jeweils zwei Fabriken in Korea und in China.

Da entsprechende Wachstumsziele natürlich auch von notwendigen Anpassungen in Sachen Logistik getragen werden müssen, kündigt der neue Europa-Präsident und COO Jin Seung-Do die Errichtung weiterer Logistikzentren an. Gegenwärtig verfügt der Hersteller in Europa über vier solcher Distributionszentren. Einerseits das „European Distribution Centre“ in Rotterdam, wo bisher auch ein Großteil der Container-Ware aus Korea und China anlandet, und andererseits drei weitere, regionale Vertriebszentren in Deutschland, Großbritannien und Frankreich. Mit der Inbetriebnahme der neuen Fabrik in Ungarn werde in Budapest ein weiteres Distributionszentrum entstehen; des Weiteren wird in naher Zukunft in Italien eine entsprechende Einrichtung installiert, mit der die Vertriebswege zu den wichtigsten Märkten Europas auf Stunden, eventuell Tage verkürzt wird. Dass sich in dem Maße, wie die Lieferzeiten sinken, natürlich auch die Logistikkosten Hankooks beträchtlich verringern werden, versteht sich.

Parallel zur Verbesserung der Logistik und zum Ausbau des Absatzkanals „Reifenfachhandel“ versucht das Unternehmen, sich selber als Premiumhersteller neu zu definieren. Während Hankook-Reifen früher „value for money“ boten, so Dietmar Olbrich, Geschäftsführer der Hankook Reifen Deutschland GmbH anlässlich des 24-Stunden-Rennens, so seien diese Produkte technologisch heute mehr und mehr in Gesellschaft der fünf weltweit führenden Reifenhersteller zu Hause. Man ist bei Hankook sogar der Ansicht, „in den nächsten vier bis fünf Jahren Pirelli [nach Umsatz; d.Red.] zu überholen“, so Jin-Vorgänger Suh Seung-Hwa, der mittlerweile als CEO an der Spitze des Konzerns in Korea agiert.

Eine Premiummarke benötigt eine Markenpositionierung – nicht zuletzt deswegen ist der Reifenhersteller intensiv um die europäische und deutsche Öffentlichkeit bemüht. Hankook kann bei jeder Kontaktaufnahme mit seinen Distributeuren und (potenziellen) Endverbrauchern etwa auf Testergebnisse oder Erstausrüstungsverträge verweisen, die bereits seit Längerem den Nachweis einer Premiumqualität unter dem Hankook-Profil führen. Auch sei das Produktportfolio das eines Premiumherstellers ersten Ranges, ist man im Hauptquartier des Unternehmens in Seoul überzeugt. „Wenn wir eine Premiummarke sind, sollten wir auch einen Premiumpreis haben“, so der neue Europa-Präsident und COO Jin Seung-Do im Gespräch mit dieser Zeitschrift. Davon wiederum würde nicht nur der Reifenhersteller selber, sondern natürlich auch der Reifenfachhandel in Deutschland und europaweit profitieren.

Eine entsprechende Entwicklung haben schließlich auch andere Reifenhersteller vollbracht, siehe nur Bridgestone. Einst als Parvenü in Europa und Nordamerika belächelt, ist Bridgestone heute Weltmarktführer vor Michelin und Goodyear.

Engagement beim 24-Stunden-Rennen

Eine der wichtigsten Plattformen, um das Leistungspotenzial der eigenen Produkte und somit die Entwicklungsfähigkeit eines Reifenherstellers zu zeigen ist immer auch der Motorsport. Am diesjährigen 24-Stunden-Rennen am Nürburgring, an dem 230 Rennwagen mit mehr als 800 Fahrer teilnahmen, war auch Hankook zum mittlerweile dritten Mal beteiligt. Als technischer Partner von Alzen Motorsport sorgte der Reifenhersteller in diesem Jahr unter anderem also für den nötigen Grip bei einem der als Mitfavoriten auf den Gesamtsieg gehandelten Teams. Neben reichlich Erfahrung aus hunderten von Renneinsätzen am Nürburgring und einem zweiten Gesamtplatz im letzten Jahr, kann das von Jürgen Alzen geleitete Team „Hankook H&R-Spezialfedern“ auf sagenhafte 32 Gesamt- und 58 Klassensiege bei verschiedenen Langstreckenrennen in der Eifel zurückblicken. In diesem Jahr musste sich das von Hankook unterstützte Team allerdings mit dem vierten Platz in der Gesamtwertung und dem dritten Platz in der Klasse begnügen, der – so waren sich alle Verantwortlichen dennoch einig – ein „großartiges Ergebnis“ ist.

„Wie wir in der VLN-Rennserie, verfolgt Hankook auf dem internationalen Reifenmarkt seine Ziele sehr ehrgeizig – in Asien ist Hankook der absolute Top-Player und auch in Europa oder Nordamerika sorgt die hervorragende Qualität der Produkte immer häufiger für außerordentlich positive Schlagzeilen“, so Jürgen Alzen mit Blick auf die Parallelen zwischen dem Partner Hankook und dem eigenen Rennstall.

Das bereits zum 35. Mal ausgetragene Rennen in der „grüne Hölle“, wie das aus 33 Links- und 40 Rechtskurven bestehende Asphaltlabyrinth einmal getauft wurde, war dabei nicht nur Rund-um-die-Uhr-Spektakel für die mehr als 200.000 Zuschauer, die größtenteils an der Strecke in Zelten, selbst gebauten Hütten oder Wohnmobilen campierten. Es war darüber hinaus auch Showbühne nahezu der gesamten Fahrzeug- und Reifenindustrie.

Bei der diesjährigen Vollgas-Hatz kletterten Rundenrekordhalter Uwe Alzen wie auch die erfahrenen Rundstreckenspezialisten und Porsche-Carrera-Cup-Fahrer Christian Menzel und Chris Mamerow, sowie Team-Chef Jürgen Alzen hinter das Lenkrad des neu entwickelten Rennwagens auf Porsche-Cayman-Basis. Dessen 3,9-Liter-Boxermotor hat die mehr als 520 PS mittels maßgeschneiderter Hankook-Rennslicks und Intermediates (Typ Ventus F 200), sowie im eingetreten Bedarfsfalle Regenreifen (Typ Ventus Z 207) der Dimension 310/680 R18 vorn und 330/710 R18 hinten, auf den Asphalt übertragen.

Die Bedeutung des 24-Stunden-Rennens für Hankook unterstrich Executive Vice President and Chief Marketing Officer (CMO) Hyun-Shick Cho: „Wir sind sehr stolz darauf, bei diesem Event dabei zu sein. Hankook ist eine aufstrebende, wenn auch keine traditionelle Motorsportmarke. Wir hoffen, ein wenig cleverer zu sein als andere. Deshalb haben wir uns ganz bewusst dazu entschieden, in der VLN-Rennserie mit dem 24-Stunden-Rennen am Nürburgring als absolutem Highlight als Sponsor einzusteigen. Wir wussten, dass wir einige Schlüsselreize brauchen würden, damit sich unser gesteigertes Motorsport-Engagement in Deutschland bezahlt macht. Einer dieser Schlüsselreize ist die Nordschleife als eine der weltweit selektivsten Rennstrecken.“

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