Cooper Tires – Europäische Produktinitiativen

Dass Cooper Tires gegenwärtig eine gewisse Europäisierung des Unternehmens betreibt, indem der amerikanische Reifenhersteller seine Produktionsstätte im englischen Melksham um ein „European Technical Centre“ (wieder) erweitert, muss als klares Bekenntnis an die hiesigen Märkte gewertet werden. Vertreter des Herstellers rechnen nun damit, dass das umfangreiche Multimarken-Produktportfolio nun noch intensiver an den europäischen Bedürfnissen ausgerichtet wird, obwohl Europa bereits jetzt für die Verantwortlichen am Konzernsitz in Findlay, Ohio (USA), eine wichtige Größe darstellt. Stephan Nungess, Geschäftsführer der deutschen Cooper-Vertriebsgesellschaft, rechnet etwa mit dem kontinuierlichen Ausbau des eigenen SUV-Segmentes sowie einer allgemeinen „Abrundung des Produktprogramms nach oben hin“.

Produktseitig ist bei Cooper Tires derzeit einiges in Bewegung. So hat der amerikanische Hersteller mit seiner Reifenlinie Zeon ein deutliches Signal in Richtung UHP-Bereich abgegeben. Dass auf Basis dieses Reifens irgendwann auch ein Notlaufreifen entstehen würde, stand bereits länger fest. Gegenwärtig stellt Cooper in seiner Fabrik in Melksham bereits die ersten Reifen mit Runflat-Technologie her: den Cooper Zeon 2XS RFT. Ein Prototyp dieses neuen Notlaufreifens – der erste aus dem Cooper-Konzern – wurde im vergangenen Jahr auf der Reifen-Messe in Essen präsentiert. Gegenwärtig werden die Reifen bereits in Nordamerika produziert und vermarktet, wie Stephan Nungess im Gespräch mit der NEUE REIFENZEITUNG erläutert. Zum kommenden Sommer hin sollen dann Cooper-Notlaufreifen in sieben Größen (195/55 R15 H/V bis 245/40 R18 Y) mit Sommerprofil verfügbar sein. Die entwickelten Größen seien auf Fahrzeuge aus dem BMW-Konzern ausgelegt, etwa dem Mini oder dem neuen 1er. Darüber hinaus, so hat das Unternehmen bereits angekündigt, werde die Runflat-Technologie demnächst auch mit einigen ausgewählten High-Performance-Produkten der Marke Avon angeboten, die gemeinsam mit den Marken Cooper und Mastercraft den Mittelpunkt des Markenportfolios des amerikanischen Herstellers bildet. Dass die Runflat-Technologie demnächst auch im SUV-Segment des Unternehmens, also beim Cooper Zeon XST, angeboten wird, sei derzeit nicht in Planung, erläutert der Geschäftsführer der Cooper Tire & Rubber Company Deutschland GmbH, die ihren Sitz in Groß-Umstadt südlich von Frankfurt hat. Der Zeon XST ist auch in Deutschland in den Größen von 17 Zoll bis 24 Zoll erhältlich.

Diese und andere Produktinitiativen, so etwa die Entwicklung von SUV-Winterreifen, könnten künftig durch das neue European Technical Centre am Sitz der Europazentrale des Unternehmens im englischen Melksham zusätzlichen Antrieb erhalten. Während der US-Konzern Ende der 1990er/Anfang der 2000er Jahre die F&E-Einrichtung in Melksham schloss, um durch eine erweiterte, zentrale Einrichtung in Findlay, Ohio, von Synergieeffekten profitieren zu können, geht der Trend wieder in Richtung einer dezentraleren Entwicklung neuer Produkte. Die Präsenz der Entwickler vor Ort auf dem so wichtigen und anspruchsvollen Markt wird mit Sicherheit positive Folgen für das Produktportfolio haben. Dass das European Technical Centre in seiner Arbeit natürlich eng mit den Entwicklern der Muttergesellschaft zusammenarbeiten wird, versteht sich. Aber gerade im lukrativen HP- und UHP- wie auch im SUV-Segment wird das neue europäische Technikzentrum sicherlich Schwerpunkte setzen. Für das nächste oder übernächste Jahr werde Cooper etwa einen neuen High-Performance-Reifen auf den hiesigen Markt bringen.

Aber nicht nur in Sachen Entwicklung beschreitet Cooper Tires gegenwärtig neue Wege. Bisher stammten alle Reifen – und auch Laufstreifen für die Runderneuerung – aus den Werken in den USA und der Fabrik in England, die durch die Übernahme Avons durch Cooper 1997 an die Amerikaner fiel. Seit dem Cooper im vergangenen Jahr ein Jointventure unter eigener Führung mit dem chinesischen Pkw- und Lkw-Reifenhersteller Shandong Chengshan Tire betreibt, ergeben sich im internationalen Verbund der Fabriken aber neue Möglichkeiten. So will der amerikanische Konzern künftig seine langsamen Pkw-Reifen (Speed-Index T) in China fertigen lassen. Die dadurch in den Werken in den USA und in Melksham frei werdenden Produktionskapazitäten könnten dann für die Fertigung von höherwertigen Reifen genutzt werden – eine entsprechende Spezialisierung von Werken auf HP-/UHP-Reifen in so genannten Hochpreisländern ist mitunter branchenüblich. Bereits jetzt werden Reifen der Konzernmarken in geringem Umfang in den neuen Cooper-Werken in China gefertigt und hierzulande vermarktet, erklärt Geschäftsführer Nungess. Reifen der Marke Chengshan gehören allerdings derzeit nicht dazu. Ob die chinesische Marke in naher Zukunft in Europa durch die hiesigen Vertriebsgesellschaften in großem Maße eingeführt werden, sei gegenwärtig noch nicht entschieden. Die Entscheidung hingegen, in Melksham das European Technical Centre erneut einzurichten, dürfte gerade in der britischen Reifenbranche doch wohlwollend zur Kenntnis genommen worden sein, haben dort Reifenhersteller doch unlängst eher mit Werksschließungen und Personalabbau von sich Reden gemacht (Goodyear, Michelin).

Bei Cooper Tires setzt man hingegen deutlich auf Wachstum und will dazu auch die etablierten Einrichtungen nutzen und diese durch weitere Institutionen wie ein European Technical Centre auch weiter stärken. Ein wichtiges Standbein des Unternehmens stellen dabei die 4×4- bzw. Offroadreifen dar. In mancherlei Hinsicht kann der Hersteller in Europa und insbesondere auch in Deutschland als „Spezialist“ für dieses Marktsegment bezeichnet werden, gehören zum Markenportfolio doch auch die Marken Mastercraft und Mickey Thompson. Mastercraft (wird quasi-exklusiv durch Reifen Gundlach in Deutschland vermarktet) und mehr noch Mickey Thompson (gehört seit 2003 zu Cooper) bieten Produkte für all diejenigen, für die das Allrad getriebene Fahren „off-road“, also abseits befestigter Straßen, nicht nur eine theoretische Möglichkeit wie etwa bei SUV-Fahrern bleibt. Unter der Marke Mastercraft fertigt das Unternehmen zwar auch Pkw- und SUV-Reifen her (Produktlinien Avenger, Courser oder Glacier Grip etwa). Dennoch steht Mastercraft hierzulande eigentlich als Synonym für Offroadreifen. Aber auch unter der Kernmarke Cooper vermarktet das Unternehmen intensiv Offroadreifen und erweitert und ergänzt sein Produktprogramm hier regelmäßig. So hat der Hersteller erst in diesem Jahr den Offroadreifen Cooper Discoverer ATR eingeführt.

Der Allroundreifen sei für den Gebrauch im Gelände wie auch auf der Straße optimiert worden, wobei die Verteilung der empfohlenen Einsatzgebiete vom Hersteller mit 50:50 angegeben wird. Der Discoverer ATR biete eine gute Laufleistung im alltäglichen Straßeneinsatz wie auch sehr gute Geländeeigenschaften. Die LT-Ausführung des Discoverer ATR habe darüber hinaus eine neue Laufflächenkomponente, die den Reifen im Gelände gegen Schnittverletzungen schützen und gleichzeitig einen besseren Nassgriff bietet soll. Der Hersteller nennt dies „S.N.O.W. Groove Design“; der Discoverer ATR hat außerdem eine verstärkte Karkasse und ein im Schulterbereich heruntergezogenes Profil für eine aggressivere Optik. Das neue Produkt biete außerdem eine Laufleistung und Haltbarkeit, wie sie eben von Offroad-Enthusiasten erwartet werden. Optisch stellt sich der Discoverer ATR insgesamt als typischer Ganzjahresreifen dar und ist natürlich mit einer M+S-Kennung versehen. Er ist gegenwärtig in den gängigsten 14-, 15-, 16- und 17-Zoll-Dimensionen verfügbar und wird auch in 20 Zoll als einer der wenigen Reifen mit weißer Konturschrift in dieser Größe angeboten. Mit einer Dimensionspalette von über 50 Größen deckt der neue ATR auch den Bedarf aller neuen 4×4-Fahrzeuge; er ist mit Speed-Ratings R, S und T verfügbar.

Noch mehr für die Fahrt abseits befestigter Straßen geeignet ist der neue Cooper Discoverer STT, den der Hersteller seit dem vergangenen Jahr in großem Umfang vermarktet. Der als „Supertraktionsreifen“ vorgestellte Discoverer STT („Super Traction Tread“) hat tiefe Schulterstollen und einen neuartigen Karkassaufbau, was ihn zu einem „aggressiven Reifen mit einzigartiger Optik und Traktionsverhalten“, heißt es dazu in einer Produktinformation. Dank seines ausgezeichneten Fahrverhaltens und der Flexibilität der Radialkonstruktion biete dieser Reifen besonderen Grip in Matsch, Sand, Schnee und jedem Gelände. Durch eine spezielle Gummimischung aus synthetischem und Naturkautschuk sorgte er für Dauerhaftigkeit und Kilometerleistung. Die empfohlenen Einsatzgebiete des Discoverer STT liegen zu 90 Prozent im Gelände und zu zehn Prozent auf der Straße; auch er ist mit einer M+S-Kennzeichnung versehen. Den STT gibt es derzeit in 16, 17 und 18 Zoll und insgesamt 26 Dimensionen.

Obwohl Cooper Tires hierzulande nicht als Vollsortimenter durchgeht – es fehlen große Nutzfahrzeugreifen im Portfolio –, ist der Hersteller doch in einigen Nischen aktiv, in denen einige als Vollsortimenter zu bezeichnende Hersteller das Nachsehen haben dürften. So ist Cooper etwa als Exklusivausrüster der neuen internationalen Formel-Rennserie „A1Grand Prix – World Cup of Motorsports“ aktiv, die 2007 in der zweiten Saison läuft. Die dazu benötigten Formel-Rennsportreifen werden im englischen Melksham gefertigt. Insgesamt fertigt Cooper Tires jährlich knapp 150.000 Motorsportreifen in Melksham her, mit denen auch die internationale Formel-3000-Serie beliefert werden (Marke Avon). In der Reifenfabrik in Melksham fertigt der amerikanische Konzern darüber hinaus jährlich beinahe eine halbe Million Motorradreifen der Marke Avon für den europäischen Markt. Der Geschäftsführer der deutschen Vertriebsgesellschaft jedenfalls sieht es nicht als Nachteil an, keine Lkw-Reifen zu vermarkten und somit kein Vollsortimenter zu sein, im Gegenteil: „Ein Multimarkensortiment ist sicher wichtiger als ein Vollsortiment“, so Stephan Nungess weiter. Man benötige allein schon mehrere Marken im eigenen Portfolio, da Reifenhändler dies eben auch vom Hersteller verlangten; mehrere Marken bieten eben eine größere Vielzahl an Alternativen.

Da Cooper Tires mit seinen verschiedenen Marken insbesondere im 4×4-Segment aktiv ist und dort zusammen mit den „Big-5“ der Branche zu den Marktführern zählt, verfolgt man natürlich die aktuelle Diskussion über Sinn- oder Unsinn von SUVs vor dem Hintergrund eines wachsenden Umweltbewusstseins und gesetzlicher Initiativen in Deutschland und der Europäischen Union ganz besonders interessiert. „Natürlich sind dies Entwicklungen, die man beobachten muss“, so Stephan Nungess, und meint damit alle Reifenhersteller. Gerade produktseitig erwartet der Geschäftsführer mittelfristig Anpassungen in diesem Zusammenhang. Die Verbesserung der Laufleistung sowie Verringerung des Rollwiderstands von modernen Reifen werde nicht nur optimiert, um Anforderungen des Marktes und der Endverbraucher zu genügen. Künftig seien diesbezüglich auch gesetzliche Vorgaben denkbar (Stichwort: CO2-Ausstoß), auf die die Reifenhersteller mit neuen Technologien werden reagieren müssen. Der 4×4- und SUV-Markt werden sich in Zukunft sicherlich verändern, ist Nungess überzeugt. Ein Ende dieses Marktes sei aber noch lange nicht in Sicht. Dennoch: „Alle Hersteller werden umdenken müssen.“ Wer wird beispielsweise noch Reifen mit Freigaben bis 300 km/h oder darüber benötigen, wenn man sich auch in Deutschland – dem letzten Land der westlichen Welt – von dem hier oftmals als Grundrecht angesehenem Prinzip „Freie Fahrt für freie Bürger“ verabschiedet und eine allgemeine Geschwindigkeitsbeschränkung auf Autobahnen einführt…?

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