Absatz von Pkw-Sommerreifen eingebrochen

Absatz von Pkw-Sommerreifen eingebrochen

In den ersten sieben Monaten des Jahres ist der Absatz von Pkw-Sommerreifen im Sellout des Reifenfachhandels im Vergleich zum Vorjahr um acht bis zehn Prozent eingebrochen. Dabei liegt die Bandbreite – je nach Unternehmen und Region – zwischen minus zwei und minus 15 Prozent. Das berichtet die Unternehmensberatung MMS GmbH aus Bad König.

Als Ursachen für den erneuten starken Einbruch werden genannt:
– Die Kannibalisierung der Sommerreifen durch das Wachstum bei Pkw-Winterreifen. Die Jahreskilometerleistung verteilt sich damit auf zwei Satz Reifen. Der Ersatzzeitpunkt verschiebt sich so nach hinten.
– Der Rückgang der Jahreskilometerleistung. Es wird weniger und zum Teil auch langsamer gefahren.
– Das verstärkte Durchfahren mit Winterreifen, was einerseits in diesem Jahr durch den längeren Winter noch begünstigt wurde bzw. andererseits, um vorhandene Restprofiltiefen abzufahren, in der Hoffnung, damit bis zum nächsten Umrüsttermin im Herbst hinzukommen. So wurden auch die eingelagerten Kundenräder nicht abgeholt. Zwischen fünf und 15 Prozent blieben im Lager liegen. Andererseits haben Kunden eingelagerte Räder mit dem Hinweis abgeholt, man habe jetzt den erforderlichen Platz für die Einlagerung selbst geschaffen.
– Dass allenthalben gespart wird. So berichtet der Reifenfachhandel von vermehrten Anrufen der Leasinggesellschaften, die sich nach den Gründen für die Neubereifung – unter Hinweis auf die zu geringe Kilometerleistung der abgefahrenen Reifen – erkundigen.
– Dass immer mehr Gebrauchtreifen nachgefragt und vermarktet werden.

Der Absatzrückgang vollzog sich im Wesentlichen bei den privaten Autofahrern. Flottenfahrzeuge und gewerbliche Kunden sind nicht betroffen. Ein Ausgleich für die reduzierte Menge bei Pkw-Sommerreifen durch den Verkauf von Ganzjahresreifen im Hinblick auf die zukünftig geforderte witterungsangepasste Bereifung erfolgte nicht. So berichten die Handelsunternehmen von keinen Veränderungen in diesem Segment. Dieser Markt muss durch verstärktes Marketing weiter entwickelt werden. Allerdings ist sich der Reifenfachhandel nicht einig, was die Vermarktung von Ganzjahresreifen betrifft.

Dagegen erwartet er ein gutes Geschäft mit Winterreifen und eine weiter steigende Umrüstquote. Mit dem sanften Druck, zukünftig die Bereifung den Witterungsbedingungen anzupassen, wird sich die Saisonalität erhöhen und der Reifenmarkt mehr den Charakter eines Last-Minute-Marktes bekommen, allerdings unter umgekehrten Vorzeichen. Damit wird die schnelle Verfügbarkeit von Reifen noch wichtiger. Hier dürfte der nationale bzw. europäische Großhandel seine Stärken ausspielen und Matchmaker wie Tyre24 weiter an Marktbedeutung gewinnen.

Durch den Einbruch bei Pkw-Sommerreifen werden Handelsunternehmen, deren Eigenkapitalausstattung zu gering ist, Liquiditätsengpässe haben. Die dünne Finanzdecke ist die Achillesferse dieser Unternehmen. Dabei wird von den Banken vor dem Hintergrund von Basel II keine Hilfe zu erwarten sein. Ganz im Gegenteil: Für das bankeninterne Rating werden Bilanzen angefordert und eine gewisse Zurückhaltung gepflegt. Somit ist wieder die Reifenindustrie gefragt. Die Gespräche zwischen Handel und Industrie erhalten eine besondere Bedeutung.

Wird die Entwicklung bei Pkw-Sommerreifen dauerhaft sein? Dazu Joachim F. Krahl, Geschäftsführer von MMS: „Mit steigender Umrüstquote sind weitere Dellen zu erwarten, bis das Maximum in der Umrüstung erreicht wurde. Wir müssen von einer weiteren Verschärfung des Wettbewerbs ausgehen.“

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