point S: Auf der Suche nach mehr Verbindlichkeit

Seit ihrem Amtsantritt vor nunmehr zwei Jahren sind die beiden Geschäftsführer Maurer und Wrede damit beschäftigt, die Kooperation point S noch effizienter und noch schlagkräftiger zu machen als sie ohnehin schon war und sie sind auch bereit, zur Erreichung der Ziele neue Wege zu gehen. Momentan müssen sie jedoch für klare Verhältnisse in der öffentlichen Wahrnehmung sorgen, weil im Zuge der Ende Juli bekannt gegebenen Liquidierung der point S International AG unbedarfte Beobachter vielleicht nicht ausreichend genug differenzieren.

Heinz-Werner Knörnschild, der point S nahezu 20 Jahre lang geführt hatte, war vor zwei Jahren zum Vorstandsvorsitzenden der point s International ernannt worden. Er wollte ein Europa umfassendes Netzwerk schaffen. Doch diese Idee, die der Beiratsvorsitzende point S-, Wolfgang Wenzel im Gespräch mit der Neue Reifenzeitung als “einen richtigen, aber nicht optimal umgesetzten Schritt” beschrieb, ließ sich nicht umsetzen. Es kam von Beginn an zu permanenten Reibereien mit den Franzosen, später auch den Spaniern und nachdem klar geworden war, dass diese Länder niemals unter dem Dach der point S International AG mitmachen würden, war die Entscheidung den handelnden Personen in Darmstadt praktisch aus der Hand genommen worden. Man kann die nunmehrige Liquidation wohl kaum dem Vorstandsvorsitzenden Knörnschild anlasten, sondern man muss wohl auch sehen, dass alle Reifenhersteller ja keinen durchgreifenden Grund darin entdecken konnten, sich einen riesigen Großkunden “anzulachen” und von diesem sozusagen steuern zu lassen und dann erst recht nicht, wenn das Gebilde nicht auf einem festen Fundament steht, sondern auf finanzielle Zuwendungen, in welcher Form auch immer, der Lieferanten angewiesen bleibt. Die Industrie lässt sich nur dann zu einer Zusammenarbeit bzw. zu Zahlungen in Form von Sonderboni überreden, wenn auf der Gegenseite mit adäquaten Gegenleistungen aufzuwarten ist. Konnte es jemals im Interesse der Michelin in Frankreich liegen, sich mit point S International einen neuen Großkunden heranzuziehen, der letztlich alle Ein- und Verkaufsgespräche, Zahlungen etc. zuständig sein möchte? Über die weiteren beruflichen Aufgaben des langjährigen point-S-Geschäftsführers Knörnschild wird zu anderer Zeit zu berichten sein. Wolfgang Wenzel aber unterstrich, dass man in einem wirklich freundschaftlichen Einvernehmen getrennt habe, das Knörnschilds Verdienste um die point S nicht unberücksichtigt gelassen habe und dass man sich en Trennungsmodalitäten auf sehr fairem Pfad befunden habe.

Nunmehr ist an die Stelle der liquidierten Gesellschaft eine Firma namens point-S Development International getreten, an welcher wiederum die deutsche point S gemeinsamen mit der französischen und spanischen point S-Organisation beteiligt ist. Diese Zusammenarbeit ist wichtig, um in Europa ein halbwegs flächendeckendes Netz zu haben, um Großkunden und vor allem auch Flotten über Landesgrenzen hinweg bedienen zu können.

Für Maurer und Wrede geht es jetzt mehr denn je um die deutsche point S-Organisation, die größte Kooperation der Reifenbranche. Von “Einheitlichkeit” und “Verbindlichkeit” ist die Rede. Mit Einheitlichkeit ist gemeint, dass alle Betriebe in Zukunft nur noch geschlossen unter dem Namen point S operieren sollen, VRG bzw. Reifen-Ring sind damit passé. Der Auftritt soll einheitlich gestaltet werden mit der Corporate Identity (siehe Foto eines neuen und modernen Fachbetriebs) von point S. Wenn alles gut geht, so ist jedenfalls das Ziel, dürfte dieser Umgestaltungsprozess bis zum Ende kommenden Jahres in wesentlichem Umfang abgeschlossen sein. Dem Führungsduo Maurer und Wrede ist klar, dass nicht alle Partner diesen Weg mitgehen werden, eventuell ein paar wenige auch die Kooperation verlassen werden, aber man geht doch davon aus, in etwa auf 750 einheitlich gestaltete Betriebe bzw. Markenauftritte zurückgreifen zu können. Und noch ein anderes Problem wurde gleich mitgelöst. Zwar ist die französische point S Eigentümer der Marke und des Logos, “aber im Rahmen eines langfristigen und praktisch unkündbaren Nutzungsvertrages kann die deutsche Organisation auch dann frei verfügen”, -so Mitgeschäftsführer Wrede- wenn die französische Seite die Marke und das Logo so nicht weiterführen wollte. Kein Händler kann gezwungen werden, sich dem neuen Auftritt anzuschließen, aber alle Händler, die es tun, gehen damit gleichzeitig auch bestimmte Verpflichtungen ein, arbeiten nach bestimmten Richtlinien, um die Vorteile der Marke nutzen und erhalten zu können.

Um auch in Verhandlungen mit Lieferanten noch besser als bisher voranzukommen, braucht point S eine bessere “Verbindlichkeit.” Da geht es also nicht nur um den gemeinsamen Auftritt nach außen, sondern auch um einzuhaltende Qualitätsstandards und Serviceleistungen. Und um ein besseres Produktportfolio schlechthin. Wer von den Lieferanten etwas haben will, etwas mehr als das, was alle anderen auch bekommen, der muss auch etwas mehr als andere Nachfrager bieten können. Vage Absichtserklärungen reichen nicht aus, sondern es geht um konkrete Zahlen. Daran hat es bis dato gelegentlich gehapert, denn der gute deutsche Reifenhändler lässt sich nur sehr ungern vorschreiben, was er darf oder nicht darf.

In einem ersten, aber doch großen Schritt soll die Bündelung des Einkaufs optimiert werden. Ziel ist es, etwa 25 Prozent der insgesamt bezogenen Waren über die Zentrale einzukaufen und auch fakturieren zu lassen. Das kann nicht einfach “quer Beet” erfolgen, fraglich ist auch, wie viele Reifenhersteller sich darauf einlassen werden. Es ist davon auszugehen, dass die Intensivierung des Zentraleinkaufs sich zunächst auf Winterreifen und vor allem auf Budgetreifen beziehen wird, die pro Container abzurufen sind. Der Markt hat einfach in den letzten Jahren das Vorrücken billiger Reifenmarken aus China zur Kenntnis nehmen müssen und zwar sowohl Pkw- als auch Lkw-Reifen. Diese Anbieter greifen gerne auf solche Möglichkeiten, die point S bieten will zurück, weil sie nur so reüssieren können. Eine eigene Distribution haben sie bekanntlich nicht. Und eher mittel- als langfristig werden auch die großen Reifenkonzerne Antworten auf Billigimporte finden müssen, wenn sie mit den Barums, Debicas, kormorans dieser Welt im Geschäft bleiben wollen.

Jetzt endlich ist auch point S gewillt, sich stärker als je zuvor um den Bereich Autoservice zu kümmern. Da kann und wird es keine rauschenden Erfolge über Nacht geben, aber der Angriff auf dieses Geschäftsfeld, das immer noch Wachstum verspricht, erfolgt offenbar sehr professionell. Man will, so Meurer, “eine qualifizierte Einführung” und seitens der Zentrale werden alle erforderlichen Maßnahmen erarbeitet und angeboten. Am Ende steht jeweils die Zertifizierung durch den TÜV. Die Geschäftsführer zeigten sich völlig überzeugt davon, dass einige bereits kurz vor der Zertifizierung stehen und keinerlei Probleme zu erwarten haben. Dann wird verwiesen auf so bezeichnete “Beginners”, die sich noch zu bewähren haben und es wird auch kein Hehl daraus gemacht, dass es nach wie vor Partner gibt, die eine endgültige Entscheidung noch nicht getroffen haben, sich noch keine Antwort darauf gegeben haben, ob sie investieren wollen oder auch nicht.

Die Kooperationszentrale jedenfalls ist mit vollem Herzen dabei. Die Geschäftsführer sehen durchaus, dass freie Autowerkstätten sich mehr und mehr um Reifen kümmern und man von einer Art friedlicher Koexistenz nicht träumen darf. Ein point S-Laden wird immer ein Reifenfachgeschäft sein, aber der Kampf gehe um den Kunden und das Auto und deshalb werde man zumindest einzelne Module so schnell wie möglich unterbringen. Aber auch hier gelte: Ein wenig Autoservice bringt nichts, man müsse es wenn schon, denn schon machen.

Einheitlichkeit und Verbindlichkeit sollen aber auch der Schlüssel für mehr Wachstum sein. Das derzeitige Netz von etwa 750 Betrieben soll auf in etwa 1000 erweitert werden. Maurer und Wrede wollen einfach schneller reagieren können auf Chancen oder auch kurz entschlossen Gefahren abwenden können. Die Kooperation müsse sich stärker einschalten, wenn es irgendwo Nachfolgeprobleme gebe. Die Kooperation braucht Möglichkeiten, einen Standort halten zu können, wenn ein Partner beispielsweise aus Altersgründen verkaufen wolle oder gar verkaufen müsse. Bevor man bisher so richtig zu Entscheidungen hätte kommen können, seien die Würfel schon gefallen gewesen. Was nicht ausdrücklich gesagt wird, läuft aber doch wohl auf dieses hinaus: Wer verkaufen will, soll an point S verkaufen können. Ob die Zentrale diesen Laden dann auf Dauer weiterführt, ihn als Zwischenlösung zunächst managt bis eine Neuregelung gefunden ist, bleibt auf einem anderen Blatt. Wenn die Standortsicherung durch bestehende Betriebe nicht erreicht werden sollte, wird eine Kooperation sich letztlich irgendwann selbst erledigen, weil sie immer wieder von Neuem anfangen müsste. Umgekehrt ist es auch so: Ist ein Unternehmen auf dem Markt, passt es zur Kooperation, dann muss es eine schnelle Entscheidung geben können. Wachsen kann point s also nur, wenn die bestehenden Betriebe unter dem Dach bleiben, wenn urplötzlich zum Verkauf gestellte Betriebe übernommen werden können und wenn man gezielt in Gebieten akquirieren kann, in denen die Kooperation nicht oder nicht gut vertreten ist. Das ist zum Beispiel in Hamburg Stadt und Land der Fall. Da kann man möglicherweise Jahre warten und es wird sich doch nichts ändern. Eine Alternative bestünde darin, sich einen Standort zu suchen und entsprechend tätig zu werden.

Die Geschäftsführer Maurer und Wrede haben sich nach zwei Jahren freigeschwommen und viele neue Dinge eingebracht und umgesetzt. Das, was unter dem Begriff “mehr Verbindlichkeit2 läuft, ist von höchster Priorität. Wird das verfehlt, wird die Kooperation stark geschwächt werden. Die entscheidende Frage bleibt, ob die Partner auch einsehen, dass sie sich mit der Übertragung ihnen lieb gewordener Arbeiten auf die Zentrale stärken. Dass sie etwas hinzugewinnen, wenn sie etwas abgeben.

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