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Van den Ban setzt auf Expansion

Der 1968 gegründete holländische Reifendistributeur van den Ban steht vor seiner nächsten großen Herausforderung. Die Stadt Hellevoetsluis hat sich in den letzten Jahren immer weiter ausgedehnt und hat schließlich Gebäude und Grundstück des Reifengroßhandelsunternehmens gekauft, um dort Platz für die städtische Weiterentwicklung zu schaffen. Inzwischen plant van den Ban den Bau eines neuen großen Lagers etwa zehn Minuten vom jetzigen Lager entfernt, auf einem Terrain, auf dem heute bereits mehr als 1.000 Container, gefüllt mit Reifen, stehen. Aber es ist nicht nur eine große Herausforderung, sondern bietet zugleich eine fantastische Chance zur Weiterentwicklung, denn die den Erfolg von Reifengroßhändlern erforderliche und entscheidende Logistik, muss möglichst perfekt organisiert sein und ablaufen. Es ist somit zu erwarten, dass van den Ban diese große Chance nutzen wird, um einen Wachstumsschub realisieren zu können. Nach wie vor ist Arie van den Ban im Unternehmen tätig und gibt dort auch den Ton an. Amtlichen Unterlagen ist zu entnehmen, dass er weiterhin 50 Prozent am Unternehmen hält. Zu weitergehenden Angaben war Franz van Lenten (37) nicht bereit. Van Lenten ist seit 17 Jahren im Unternehmen tätig und seit vier Jahren dessen Geschäftsführer. Der inzwischen 62-jährige Arie van den Ban, Vater dreier Töchter, dessen nebenberufliche Leidenschaft der Geschichte gewidmet ist, hat sich – so weit bekannt – zu seiner Nachfolge bisher nicht offiziell geäußert

Auf der Reifen 2006 will van Lenten die Aktivitäten des Unternehmens auf einem großen Stand darstellen und nach sechs Uhr abends noch ein wenig Party-Time folgen lassen. Van Lenten beschreibt dies im Gespräch mit der NEUE REIFENZEITUNG so: „Wir wollen besser kommunizieren und unsere Handelspartner noch besser über uns informieren. Wir sind seit nahezu 40 Jahren im Markt und in dieser Zeit zu einer großen und bedeutenden Gruppe herangewachsen. Jetzt sind wir mitten in einer Restrukturierungsphase und wir unternehmen all diese Anstrengungen zur Verfolgung eines Zieles: Wir wollen noch besser werden und wir wollen noch mehr Reifen als bisher verkaufen. Deshalb wollen wir unseren Kunden noch mehr über uns sagen, sie sollen wissen, mit wem sie Geschäfte machen und je besser sie unsere Firma kennen lernen, umso einfacher ist es auch, sie erkennen zu lassen, dass sie bei uns richtig sind. Van den Ban präsentiert sich als Unternehmen, mit dem man einfach gerne zusammenarbeiten will.“

Die Gruppe

Der Gesamtumsatz der Gruppe übertrifft 250 Millionen Euro, beschäftigt werden etwa 250 Personen. Das neue Lager kann bis zu 1,5 Millionen Reifen aufnehmen. Van Lenten will damit zukünftig einen Jahresverkauf von rund 6,5 Millionen Reifen abwickeln, diese Zahl aber nicht als Grenze verstanden wissen: „The sky’s the limit (Alles ist möglich – Nach oben gibt es keine Grenzen)! Derzeit dürfte van den Ban in etwa fünf Millionen Reifen jährlich verkaufen. Einmal beschäftigt mit Zahlen, lässt sich van Lenten nichts weiter entlocken. Man wüsste gerne etwas über die Ertragslage. Doch da wird abgeblockt. „Uns geht es sehr gut.“

Unter van Lentens Führung machte die Gruppe einen Schritt rückwärts, der aber für den großen Sprung nach vorn unverzichtbar war: Konzentration auf das Großhandelsgeschäft. In Holland gehört die Firma RBI (Reedijk Banden Import) zur Gruppe. Diese Firma ist zuständig für die täglichen Lieferungen in ganz Holland, aber zum Teil auch für Lieferungen nach Deutschland, insbesondere den Raum Venlo und entlang der niederländisch-deutschen Grenze. In Spanien gehört die Grupo 2000 zur van den Ban-Gruppe. Hierbei handelt es sich um einen in Madrid beheimateten Großhändler, der die Tagesauslieferungen für Spanien durchführt. 28 Trucks und 60 Trailer werden am Stammsitz in Holland von der zur Gruppe gehörenden Pregon Reparaturwerkstatt (Pregon ist das zu van den Ban gehörende Transportunternehmen) gewartet. In der Hochsaison reicht selbst diese Flotte nicht aus und van den Ban muss auf Drittfirmen zusätzlich zurückgreifen. Da man nun aber die Werkstatt hat, hat diese sich auch für andere öffnen müssen. Die Werkstatt ist vorhanden und sie muss Geld verdienen und auch andere Fahrzeuge warten, die nicht zur Gruppe gehören. Und das geschieht offenbar mit viel Erfolg.

Die Anforderungen an Großhändler haben sich in den letzten Jahren grundlegend geändert. Längst kann es nicht mehr darum gehen, größere Partien von mehreren hundert Reifen pro Abladestelle zu verkaufen, sondern es geht um eine kontinuierliche, aber schnelle Belieferung, selbst mit kleineren Stückzahlen. Die Anforderungen an Stückzahlen sind europaweit dabei recht unterschiedlich. Grundsätzlich kann man wohl sagen, dass die Stückzahlenforderungen wachsen, je weiter entfernt ein Besteller sitzt. In Frankreich schafft van den Ban eine kontinuierliche Belieferung schon mit einer Mindestabnahme von 40 Reifen und ins Ruhrgebiet reichen zur Not auch schon mal 20 oder 25 Reifen pro Abladestelle. Und last, but not least werden auch Einzelstücke per Paketversand auf den Weg gebracht, sofern es unvermeidbar ist. Reifengroßhändler sind somit zu Logistik-Experten geworden. Das Bild vom einstigen Jobber, den Gegnern der Reifenindustrie, existiert nicht mehr. Immer mehr Reifenhersteller sind dazu übergegangen, die Belieferung von Kunden auch durch Großhändler wie van den Ban vorzunehmen. Doch es soll damit keine heile Welt vorgegaukelt werden. Was die Zusammenarbeit starker Marken mit Großhändlern anbelangt, ist vieles sicherlich noch sehr verbesserungsfähig.

Das Sortiment

Lebten Jobber in ihrer Anfangsphase, also in 70er und 80er-Jahren nahezu ausschließlich davon, starke Marken aus fernen Ländern mehr oder weniger heimlich und verschwiegen zu importieren, um sie sodann billiger auf aufnahmefähigen Märkten anzubieten als es die nationalen Verkaufsgesellschaften taten, konnten oder durften, so ist dieses Geschäftsmodell seit Jahren bereits mega-out. Das ist auch der Grund, warum sich die früheren Jobber (der Name hatte einen negativen Klang) von ihrem Geschäftsmodell trennten und heutzutage eine völlig andere Rolle als früher einnehmen. Es kommt heute bei Großhändlern überhaupt nicht mehr darauf an, eine Partie Reifen hier und dort zu einem Schnäppchenpreis einzukaufen, sondern Kontinuität, Lieferfähigkeit und schnelle Belieferung sind von höchster Bedeutung. Der Großhändler braucht also in allererster Linie ein zuverlässiges Warenwirtschaftsprogramm, um die Bedürfnisse seiner Kunden erfüllen zu können und er muss eine erstklassige Logistik gewährleisten, die Reifen dann am Lager des Händlers abliefert, wenn sie gebraucht werden. Wer das alles gewährleisten kann, und fraglos gehört van den Ban zu der Hand voll Distributeure, die das täglich unter Beweis stellen, ist schon lange nicht mehr Gegner der Reifenindustrie, sondern auf vielen Fällen zu deren Partner geworden, einfach weil diese Distributeure teils einen anderen Kundenkreis als die Hersteller selbst erreichen und ferner, weil Distributeure wie van den Ban die Belieferung in sehr vielen Fällen einfach besser, schneller und kostengünstiger abwickeln können. Durch Öffnung von Grenzen, Harmonisierung von Steuern und Angleichung von Preisen möglichst europaweit hätten zumindest die größeren Neureifenhersteller den Großhändlern, die sich auf Schnäppchenlieferungen und nichts sonst konzentrierten, langsam aber sicher das Wasser abgraben können, denn allein an preislicher Unterbietung, wie es in der Frühphase gang und gäbe war, konnte die Reifenindustrie nun wirklich keinen Gefallen finden. Doch heute sind – wie oben bereits gesagt – die bedeutenden Reifengroßhändler mehr auf einer wirklichen partnerschaftlichen Ebene angekommen, auf der man sich gegenseitig einiges zu bieten hat. Es lohnt sich, die Interessen miteinander abzugleichen, um festzustellen, ob man miteinander Geschäfte machen kann oder es besser lassen sollte. Wenngleich Firmen wie van den Ban heutzutage mit allen großen Reifenmarken der Welt zusammenarbeiten und entsprechend gute Geschäftsverbindungen pflegen, führt doch keine Erkenntnis daran vorbei, dass das beste Geschäft für den Großhändler van den Ban entweder in der exklusiven Vermarktung von Marken ohne eigene Vertriebsgesellschaft in Europa oder aber in der Vermarktung eigener Marken, House-Brands, liegt.

Es wird zu weit führen, das gesamte Markenbild hier abbilden zu wollen, zumal es sich auch immer wieder mal ändert bzw. erweitert. Ein paar Beispiele sollten aber dennoch gegeben werden. So stehen die nachfolgend aufgeführten Reifenmarken exklusiv auf van den Bans Verkaufslisten: Die Hausmarken Flamingo und Novex, die Exklusivmarken Federal, Clear und – für Holland – Sava. Federal- und Flamingo-Reifen werden exklusiv im europäischen Verkaufssortiment erscheinen, mit einer kleinen Ausnahme: Federal wird in UK nicht von van den Ban vermarktet. Und ebenfalls nicht zu vergessen: Van den Ban vermarktet in Holland weiterhin exklusiv die inzwischen schon lange zum Goodyear-Konzern gehörende Reifenmarke Sava. Das ist schon fast ein wenig Nostalgie. Sava war van den Bans erste Marke überhaupt. Das Sortiment von Reedijk (RBI) konzentriert sich Maxxis, Barum, Marshall, Double Coin, wobei sich die Exklusivität dieser Marken zumeist vorzugsweise auf die Niederlande beschränkt.

Auf dem Messestand der Reifen 2006 wird ein großes Team anwesend sein, um sich um die Kunden und potenziellen Kunden optimal kümmern zu können. So zum Beispiel der Commercial Manager Cyril Versteeg sowie auch das gesamte für den deutschsprachigen Raum tätige Verkaufsteam um Jan van Leenen, Robert Norde, Cees Hammer, Jeroen Roks und Sandra Schwarz.

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