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Boom bei SUV-Winterreifen – M+S-Kennung nützlich?

Das allgemeine Wachstum auf dem 4×4-/Offroadreifenmarkt in Deutschland wird noch bis 2008/2009 anhalten. Davon ist man bei Michelin in Karlsruhe überzeugt. „Es wird ein natürliches Ende geben“, sagt Michel Pfeiffer. Der Brand Manager und Offroadreifen-Verantwortliche für BF Goodrich und Kleber weist darauf hin, dass ein Großteil der heute zugelassenen SUVs bzw. 4×4-/Offroadfahrzeuge „eigentlich nicht benötigt“ werden. Durch die immer stärker ansteigenden Kosten – Stichwort: Benzinpreisexplosion – sowie die nicht immer als ideal zu bezeichnende Umweltbilanz für entsprechende Fahrzeuge, werde sich die derzeit starke Nachfragesteigerung in naher Zukunft relativieren.

Dennoch bemühen sich natürlich Reifenhersteller darum, die momentane Nachfrage nach Reifen für SUVs bzw. 4×4-/Offroadfahrzeuge zu befriedigen. Der Michelin-Konzern etwas ist gerade „dabei, die SUV-Palette zu erweitern“, so Pfeiffer im Gespräch mit der NEUE REIFENZEITUNG (siehe Kastentext). Insbesondere konzentriere man sich dabei auf das Winterreifensegment, womit der Produktverantwortliche bereits die zwei wesentlichen Stoßrichtungen des Marktes skizziert, denen der Hersteller weiterhin die größte Aufmerksamkeit widmen will: SUV statt 4×4/Offroad und Winter- statt Sommerreifen. Dabei ist man der Ansicht, dass auch Reifen in 15 und 16 Zoll für Maximalgeschwindigkeiten von 190 bzw. 210 km/h (Speedindizes T und H) durchaus eine Marktberechtigung haben, auch in Zukunft. Obwohl Michel Pfeiffer Reifen in 18 und 19 Zoll mit Speedindex V schon eher „ein deutliches Wachstum“ gegenüber den Standardgrößen des Marktes konstatiert, wohingegen 4×4-/Offroad- bzw. SUV-Reifen für Geschwindigkeiten bis 180 km/h mittlerweile keine Rolle mehr im Unternehmen spielen. Andererseits spielten auch mit W indizierte SUV-Reifen für Geschwindigkeiten bis 270 km/h heute „eine gewisse Rolle“. Insbesondere für Hersteller, die für die Erstausrüstung der großen Trendfahrzeuge wie Cayenne, Touareg und Co. liefern wollen, seien solchen Speedindizes und große Dimensionen unverzichtbar, wenn sie auch nur einen geringen Anteil am Absatz ausmachten.

Michel Pfeiffer weist in diesem Zusammenhang gleich auf ein wichtiges Problem hin, dass Hersteller und Handel gleichermaßen betrifft: die Verfügbarkeit der großen und schnellen SUV-Reifen. Da es sich hierbei nach wie vor um Nischenprodukte handelt, eine Situation, die noch durch die große Aufsplitterung des SUV-Sommerreifenmarktes verkompliziert wird, werden konsequenterweise nur kleine Chargen unkontinuierlich gefertigt, die sich auch kaum ein Hersteller wegen der hohen Kapitalbindung lange aufs Lager legen wollte. Gleiches gilt für den Handel.

Niemand legt sich auf Verdacht einen 19-Zoll-SUV-Reifen mit Speedindex W aufs Lager in der Hoffnung, ein Porsche-Cayenne-Fahrer mit Reifenbedarf kommt zufällig vorbei. Dies gelte sogar eher für den klassischen Reifenfachhandel als für das Autohaus, meint Pfeiffer weiter. Und da Hersteller wie Michelin tägliche Auslieferung garantieren, verlassen sich Händler natürlich auch auf tägliche Lieferung seltener Modelle – spontan dürfte demnach kaum ein großer und schneller SUV-Reifen eines namhaften Herstellers im Reifenhandel verfügbar sein.

Ein weiteres wesentliches Problem, das der Offroadreifen-Verantwortliche am liebsten gelöst sehen möchte, ist die gängige aber völlig unkontrollierte Markierung von SUV- bzw. 4×4-/Offroadreifen mit der M+S-Kennzeichnung. Bevor eine Felge auf einem Fahrzeug freigegeben wird, werden zahllose Tests für das Gutachten vorgenommen; welche Eigenschaften ein M+S-gestempelter Reifen aufweisen muss, um ein echter Winterreifen zu sein, ist nicht definiert, und das Symbol ist darüber hinaus auch nicht geschützt. Es werden gerade in Fernost und in Nordamerika Reifen regelmäßig mit der M+S-Kennung versehen, ohne das diese Reifen den Eigenschaften eines Winterreifens auch nur nahe zu kommen. Allerdings sind auch viele SUV- bzw. 4×4-/Offroadreifen, die aus europäischer Fertigung stammen und 17 Zoll und kleiner sind, regelmäßig M+S-gestempelt; ab 18 Zoll aufwärts sind diese Reifen eher regelmäßig ohne M+S-Kennung. Wenn derselbe Hersteller solcher Reifen aber in Amerika fertigt, sind auch große SUV-Reifen in der Regel immer mit der M+S-Kennung versehen, die dann – gegebenenfalls ohne wintertauglich zu sein – über Händler nach Europa gelangen. Einerseits sei das Symbol zwar gerade in den USA unerlässlich, andererseits sei eine genaue Definition dessen, wofür ein M+S-Reifen steht und welche Eigenschaften er erfüllen muss, sinnvoll, und dies insbesondere bei SUV-Reifen, sagt Pfeiffer.

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