Auch der Reifenhandel profitiert am Ende

Die Umrüstquote in Deutschland steigt seit Jahren kontinuierlich an. Im vergangenen Winter haben erstmals mehr als 50 Prozent aller Autofahrer von Sommer- auf Winterreifen umgerüstet. Dies wäre ohne die Initiative PRO Winterreifen noch nicht möglich gewesen, sagt Prof. Manfred Bandmann. Der Präsident des Deutschen Verkehrssischerheitsrates sieht dennoch weiterhin großen Aufklärungs- und Handlungsbedarf, insbesondere nördlich der Rhein-Main-Linie. In einem Interview mit der NEUE REIFENZEITUNG spricht Prof. Bandmann über bisherige Erfolge der Initiative sowie über Pläne.

NEUE REIFENZEITUNG:
Im vergangenen Jahr hat erstmals jeder zweite Autofahrer von Sommer- auf Winterreifen umgerüstet. Sehen Sie darin auch einen Erfolg der Initiative PRO Winterreifen?
Prof. Manfred Bandmann:
Eindeutig. Seit drei Jahren agiert die Initiative mit großem Erfolg. Durch die unterschiedlichsten Maßnahmen im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit, eine professionelle Medienarbeit, die Einbeziehung der Innenministerien und weitere Partner hat die Initiative eine hohe Präsenz bei den Autofahrern. Mittlerweile gehört es schon zum guten Ton Winterreifen aufzuziehen.

NEUE REIFENZEITUNG:
Was denken Sie – wo wäre die Umrüstquote heute ohne die Initiative PRO Winterreifen?
Prof. Manfred Bandmann:
Gewiss wären wir noch nicht über 50 Prozent. Beim Start der Kampagne lag die Umrüstquote bei ca. 42 Prozent. Das ist ein sehr deutlicher Anstieg.

NEUE REIFENZEITUNG:
Glauben Sie, dass sich diese Traumquote künftig noch weiter steigern lassen wird?
Prof. Manfred Bandmann:
Durchaus. Zumal die Initiative in diesem Jahr in Regionen aktiv wird, in denen die Umrüstquote noch nicht als traumhaft bezeichnet werden kann. Speziell nördlich der Rhein-Main-Linie sehen wir noch sehr viel Aufklärungs- und Handlungsbedarf, da dort die Einflüsse der kalten Jahreszeit auf die Bereifung weiterhin verbreitet unterschätzt werden.

NEUE REIFENZEITUNG:
Was kann die Reifenindustrie und der Reifenhandel dazu beitragen?
Prof. Manfred Bandmann:
Maßnahmen dieser Art müssen natürlich finanziert werden. Am Ende profitieren ja auch die Reifenindustrie und der Reifenhandel. Je mehr finanzielle Unterstützung eine Initiative dieser Art erfährt, je größer die Geschlossenheit in der Branche, desto größer der Erfolg. Wir freuen uns, dass ein Großteil der Industrie diese Initiative unterstützt, und wir sehen es auch mit Freude, dass der Reifenhandel immer häufiger unsere Argumente aufgreift und zunehmend die Aktionsmedien einsetzt. Damit findet der Autofahrer die Hinweise an den unterschiedlichsten Stellen.

NEUE REIFENZEITUNG:
Was sind in der kommenden Saison die wichtigsten Aktionen der Initiative PRO Winterreifen?
Prof. Manfred Bandmann:
Zunächst die kontinuierliche Fortsetzung der Medienarbeit. Mittlerweile gilt die Initiative bei den Medien als Spezialist, wenn es um Winterreifen geht und wird häufig von der Presse angefragt. Daneben wird die Roadshow mit dem Winterreifen-Info-Truck ein zentrales Element in der Kommunikation darstellen. Damit erreichen wir unglaublich viele Autofahrer – schwerpunktmäßig nördlich der Rhein-Main-Linie. Die Möglichkeit, Winterfahrsicherheitstrainings und einen neuen VW-Fox zu gewinnen, wird viele Autofahrer zusätzlich für unser Thema interessieren.

NEUE REIFENZEITUNG:
Warum nutzen immer noch so viele Verbraucher – wider besseren Wissens – eben keine Winterreifen?
Prof. Manfred Bandmann:
Wir dürfen nicht glauben, dass das Thema Reifen im Zusammenhang mit dem Stichwort „Verkehrssicherheit“ sehr tief in den Köpfen des normalen Autofahrers verankert ist. Viele Autofahrer reagieren leider auch erst dann, wenn sie auf Grund der Straßenverhältnisse nicht mehr weiter kommen oder bereits eine gefährliche Situation erlebt haben. Befragungen zeigen immer wieder: Das Wissen um Reifensicherheit ist ausgesprochen gering und die altbekannten Vorurteile sehr groß. Deswegen setzen wir ja so sehr auf Kontinuität in der Information.

NEUE REIFENZEITUNG:
Könnte man diesen hartnäckigen Verweigerern nicht am einfachsten mit einer allgemeinen Winterreifenpflicht beikommen?
Prof. Manfred Bandmann:
Wo soll man die Grenze ziehen? Bei einem Datum, bei einer Temperatur, in bestimmten Regionen, oder, oder? Wir sehen die Problematik, die der Gesetzgeber hier hat und setzen in diesem Fall in erster Linie auf die Eigenverantwortlichkeit des Autofahrers. Der Gesetzgeber kann nicht alles reglementieren. Es ist auch unsere Aufgabe als Deutscher Verkehrssicherheitsrat, die Autofahrer zu informieren und zu motivieren – und es ist uns ja in der Vergangenheit durchaus erfolgreich gelungen.

NEUE REIFENZEITUNG:
Was wird Ihrer Meinung nach die geänderte Straßenverkehrsordnung in Bezug auf Winterreifen bringen?
Prof. Manfred Bandmann:
Zunächst einmal können wir als Initiative diese Neuregelung in der Kommunikationsarbeit nutzen und damit den Fokus der Autofahrer zur gegebenen Zeit auf die Bereifung ihres Fahrzeugs lenken. Vielleicht fühlt sich der eine oder andere Autofahrer etwas mehr unter Druck – ansonsten bleibt die Sachlage fast unverändert – es bleibt dem Autofahrer überlassen, ob er umbereift oder nicht. Wir hoffen, dass durch die Änderung der StVO seitens der Reifenhersteller die Definition von Winterreifen und deren einheitliche Kennzeichnung vorangetrieben wird. Das gäbe dem Autofahrer mehr Sicherheit bei der Produktauswahl. Ansonsten müssen wir die neue Rechtsprechung abwarten.

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