Deutsche Kautschuk-Tagung im Juli 2006 – und nicht im Oktober 2006

Dass sich die Beissbarth Automotive Group wieder verstärkt auf ihre Kernkompetenzen zurückbesinnen will, war schon im Umfeld der Reifenmesse im vergangenen Jahr in Erfahrung zu bringen. Was genau sich der Werkstattausrüster darunter vorstellt, welche Erfolge damit bereits erzielt worden sind und was der Werkstattausrüster ansonsten noch in petto hat, erläuterte Atle Kjelsrud, Marketingleiter bei der Beissbarth Automotive Group, im Gespräch mit dieser Fachzeitschrift unmittelbar bevor bekannt wurde, dass die Beissbarth-Gruppe zum Verkauf steht.

Die Refokussierung auf das Kerngeschäft bedeutet laut Kjelsrud vor allem die Abkehr von bestimmten Produkten wie der mit Ultraschall arbeitenden Radwaschmaschine „Sonic-Wash“ oder dem Reifenprüfgerät „RDS 8“, mit denen der Werkstattausrüster erst zur Automechanika 2002 sein Portfolio erweitert hatte. „Solche Projekte haben einfach zu viele Ressourcen gebunden, die wir in unserem angestammten Geschäftsfeld besser genutzt sehen“, so der Marketingleiter gegenüber der NEUE REIFENZEITUNG. „Konzentration auf die Sicherheit rund ums Rad“ heißt jetzt die Devise oder wem Anglizismen lieber sind: „Beissbarth – The Wheel Safety Expert“. Mit dem Sinneswandel geht auch eine allgemeine Straffung des Produktprogramms einher, um den Support für die Geräte zu vereinfachen. „Wir konzentrieren uns noch stärker auf die Qualität unserer Produkte. Weniger Produkte sorgen für eine bessere Übersichtlichkeit des Programms, und gleichzeitig hat dieser Schritt inzwischen auch schon zu deutlich höherer Kundenzufriedenheit und weniger Reklamationen geführt“, berichtet Kjelsrud.

Nichtsdestotrotz hat Beissbarth in der Fahrwerkvermessung, bei Bremsenprüfständen, Radwuchtmaschinen, Reifenmontiergeräten, Hebebühnen sowie für den Klimaservice nach wie vor ein breites Spektrum an Produkten zu bieten. Zur Autopromotec sollen sogar noch weitere Geräte im Kernsegment neu hinzukommen. Kjelsrud spricht in diesem Zusammenhang von neuen Maschinen zum Wuchten und Montieren von Pneus, die sich vor allem durch Verbesserungen wie eine einfache Bedienung oder einen größeren Spannbreitenbereich auszeichnen und außerdem insbesondere dem verstärkten Trend zu Notlaufreifen Rechnung tragen sollen. Nähere Details dazu wollte der Marketingleiter jedoch noch nicht nennen. Auch im Bereich Fahrwerkvermessung wird man auf der Messe in Bologna eine Beissbarth-Premiere erleben können. Doch bei diesem Thema wird Kjelsrud noch schweigsamer. Durchblicken lässt er lediglich, dass man dort erstmals eine Lösung zur berührungslosen Fahrwerkvermessung vorstellen wolle.

„Gerade auch, weil zu viel Entwicklungsarbeit in Projekte wie die Reifenwaschmaschine oder das Reifenprüfgerät gesteckt wurde, haben wir bei der 3D-Technik in der Fahrwerkvermessung unseren Entwicklungsvorsprung verloren“, meint Kjelsrud. Das soll sich jetzt ändern. Die ersten Geräte der neuen „Touchless“-Generation der Beissbarth-Fahrwerkvermessung sollen zum Herbst diesen Jahres im Pilotbetrieb getestet werden – offizieller Verkaufsstart wird dann voraussichtlich 2006 sein. „Mit der berührungslosen Fahrwerkvermessung – wie wir sie in Bologna zeigen – lässt sich sekundenschnell Umsatz generieren“, meint Kjelsrud. Seiner Meinung nach bieten Kfz-Werkstätten und -Servicebetriebe ihren Kunden die Fahrwerkvermessung vielfach vor allem deshalb nicht besonders aktiv an, da damit meist zeitaufwendiges Hantieren mit Messköpfen verbunden wird.

Damit werde aber Umsatzpotenzial verschenkt, ganz zu schweigen von dem dadurch zu erzielenden Imagegewinn: Schließlich könne man sich auf diesem Wege als kompetenter und sicherheitsbewusster Betrieb profilieren. Denn der positive Einfluss einer korrekten Fahrwerksgeometrie auf die Fahrsicherheit oder auch den Reifenabrieb sei hinlänglich nachgewiesen. Mit einer sehr schnellen Fahrwerkvermessung beispielsweise schon bei der Fahrzeugannahme – so die Überlegungen – würde diese Dienstleistung sicherlich viel öfter von den Werkstätten angeboten. Zudem soll diese neue und patentierte Technologie der Fahrwerkvermessung auch die Möglichkeit zur Schnellanalyse in Verbindung mit einer Sicherheitsprüfstraße ermöglichen. Insofern lassen sich die Hoffnungen, die Beissbarth mit der Einführung der neuen Gerätegeneration für das eigene Unternehmen verbindet, durchaus nachvollziehen. Nachdem man im vergangenen Jahr – bei einem Umsatz von 154 Millionen Euro für die gesamte Gruppe und 56 Millionen für die Beissbarth GmbH, die mittlerweile auf eine mehr als 100-jährige Firmengeschichte zurückblicken kann – nach einer Durststrecke 2002 und 2003 laut Kjelsrud erstmals wieder ein positives Betriebsergebnis einfahren konnte, soll der Aufwärtstrend dadurch noch weiter unterstützt werden.

„Die Rückkehr in die Gewinnzone hängt sicher auch mit der Rückbesinnung auf unsere Kernkompetenzen zusammen“, ist sich der Marketingleiter sicher. Als weiteres Wachstumssegment wird bei den Münchnern zwar darüber hinaus der Bereich Hebebühnen angesehen, wo ebenfalls große Steigerungsraten erwartet werden, trotzdem sind die Fahrwerkvermessung bzw. der Bereich Bremsenprüfstände die tragenden Säulen des Werkstattausrüsters. Zusammen tragen sie Kjelsruds Worten zufolge mehr als 50 Prozent zum Umsatz bei. Was natürlich nicht bedeutet, dass die Teilsegmente Reifenmontage und Wuchten vernachlässigt werden – das belegen allein schon die angekündigten neuen Maschinen. Im Gegenteil: Auch hier will man die Marktanteile weiter ausbauen.

Darum arbeitet Beissbarth nach Aussagen des Marketingleiters nicht etwa nur mit den Fahrzeugherstellern besonders eng zusammen, sondern pflegt auch die Kontakte zu den Reifenherstellern. „Schließlich müssen wir möglichst frühzeitig wissen, wohin bezogen auf das Thema Fahrwerk die weitere Entwicklung geht“, so Kjelsrud. Nur auf diese Weise sei sichergestellt, dass man rechtzeitig mit den Geräten am Markt ist, die dem Stand der Technik entsprechen – wie zum Beispiel mit Montagemaschinen für die immer populärer werdenden Notlaufreifen. „Und bei der Fahrwerkvermessung sind wir gleichfalls auf die Daten der neuesten Fahrzeugmodelle angewiesen. Schon heute sind mehr als 50 Fahrzeughersteller in der von uns aufgebauten und gepflegten Datenbank mit den Einstellwerten für die Fahrwerksgeometrie enthalten. Insgesamt stehen dahinter über 12.000 Datensätze für die verschiedenen Modelle“, ergänzt er.

Demnach wird diese Datenbank offiziell viermal im Jahr aktualisiert. Da die moderneren Beissbarth-Geräte via Internet alle Änderungen/Ergänzungen online abrufen können, lassen diese sich praktisch immer auf dem neuesten Stand halten. Welche Bedeutung diese Aktualität für den Anbieter hat, zeigt die Tatsache, dass jüngst auch die Abteilung OEM-Key-Account bei dem Werkstattausrüster aufgestockt wurde. „Damit wollen wir den Kontakt zu den Automobilherstellern weiter verbessern – und das gilt nicht nur für die deutschen Produzenten“, so Kjelsrud. Dies sei ebenfalls ein Teilaspekt der Refokussierung auf das Kerngeschäft, der sich in diesem Jahr weiterhin positiv auf die Unternehmensentwicklung auswirken soll. Insofern bleibt es spannend, was Beissbarth zur Autopromotec aus dem Hut zaubern wird. Kjelsrud ist jedenfalls überzeugt, dass dem Werkstattausrüster mit der neuen „Touchless“-Gerätegeneration für die Fahrwerkvermessung ein ganz großer Wurf gelungen ist.

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