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Widerspruch zu M+S-Reifen bis 270 km/h

Immer mehr Autos sind im Winter mit Reifen unterwegs, die 240 oder sogar 270 km/h schnell fahren können, greift der SPIEGEL ein kontroverses Thema auf und bezieht sich auf eine Studie von Continental, die beinhaltet, dass der Anteil dieser Highspeed-Pneus am Gesamtwinterreifenmarkt in den nächsten vier Jahren von derzeit gut 20 auf mehr als 30 Prozent ansteigen wird. 2008 werde also jeder dritte Winterreifen ein Rennreifen sein, das sind mehr als 15 Millionen von den prognostizierten 46 Millionen verkauften Winterreifen. Verkehrsexperten warnen allerdings vor einer solchen Entwicklung.

Denn was technisch möglich sei, müsse nicht immer sinnvoll sein. Mit „unverantwortlich, ja geradezu widersinnig“ zitiert der SPIEGEL Gerd Lottsiepen vom Verkehrsclub Deutschland (VCD) auf die Frage nach diesem Trend. Das Argument der Hersteller, dass die Straßen im Oktober ja oft trocken, damit gar nicht winterlich seien und somit freie Fahrt für schnelle Autos kein Problem sei, hält der Verkehrsexperte für „besonders fatal“: „Gerade im Herbst und Winter kann sich der Zustand der Straße unvermittelt ändern. Sie fahren über eine schön trockene Autobahn, und dann schmieren Sie auf der nächsten vereisten Brücke ab.“

Der in der Branche wohlbekannte ADAC-Reifenexperte Michael Müller springt ihm bei: „Besonders bei Nässe haben die breiten Reifen Nachteile. Die Aufstandsfläche ist größer und daher der Anpressdruck geringer.“ Das Ergebnis: Wasser, Schnee und Matsch können nicht so gut verdrängt werden, der Grip bei winterlich matschigen Straßen lässt nach. Müller empfiehlt daher, lieber auf schmalere und nicht ganz so schnelle Reifen zurückzugreifen.

Ob solche mahnenden Worte auf offene Ohren treffen, hält der SPIEGEL allerdings für ungewiss. „Viele Geschäftsleute wollen auf den Komfort der schnellen Fahrzeuge nicht verzichten“, kommt Goodyear-Sprecher Christian Fischer zu Worte. „Sie wollen die Möglichkeit haben, Ende Oktober bei trockener Fahrbahn voll Gas geben zu können.“ Deswegen bietet sein Unternehmen den 270 km/h schnellen „Eagle Ultra Grip GW-3“ an. Doch die Physik können auch diese Hightech-Reifen nicht überlisten. „Eins ist klar“, meint Fischer, „bei Graupelschauer sollte man nicht 270 fahren.“

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