Michelin hält Spritzwasser durch Anti-Splash auf der Straße

Welcher Berufskraftfahrer oder Autofahrer kennt es nicht, das Sichtproblem auf regennassen Straßen. Gerade das Überholen eines Lkw gleicht oftmals einer Fahrt ins Ungewisse mit hohem Gefahrenpotenzial, wenn das auf der Fahrbahn stehende Regenwasser von den Lkw-Reifen an der Vorderachse wie einen Wasserschwall zu den Seiten weggespritzt wird. Diesem Problem begegnet Michelin jetzt mit einer Weltneuheit im Reifenbau: dem patentierten Anti-Splash-Profil. Mit einer in den Reifen integrierten umlaufenden Gummilippe, die an der Außenflanke zwischen Laufstreifen und Reifenflanke angebracht ist, wird das Spritzwasser in einem Bogen nach unten auf die Straße abgeleitet. Der für die Sicht und folglich die Sicherheit des Lkw- und der Pkw-Fahrer ausschlaggebende Bugwellen-Effekt wird minimiert. Michelin stellte die Anti-Splash-Innovation Anfang April auf ihrem Testgelände im Uckermärkischen Groß Dölln nördlich von Berlin erstmalig der Öffentlichkeit in praktischen Präsentationen vor. Ab Mai beginnt Michelin mit der Markteinführung über den Reifenhandel und hofft, bis Ende 2005 bei Lkw-Vorderreifen einen Marktanteil von 20 Prozent erzielen zu können. Philippe Mussati, zuständiger Brand Manager für Nutzfahrzeugreifen Europa, ist sich sicher, dass sich die neue Ableitkontur Anti-Splash schnell durchsetzen wird. Anti-Splash sei eine “einfache und sehr effiziente Innovation”, die ursprünglich aus der Luftfahrtindustrie stammt und das Überfluten der Turbinen durch Spritzwasser verhindern soll. Die Weltneuheit werde das “Leben auf der Straße grundsätzlich ändern”, verspricht Mussati anlässlich der Präsentation auf dem Michelin Driving Center in Groß Dölln. Im direkten Vergleich auf dem Michelin-Testgelände, das sich auf einem ehemaligen sowjetischen Militärflughafen nördlich von Berlin befindet, schneidet der neue Anti-Splash-Reifen 385/55 R 22.5 XFA 2 Energy deutlich besser ab als der konventionelle Michelin-Lenkachsreifen der Größe 315/80 R 22.5 ohne Ableitkontur. Beim Durchfahren einer Pfütze oder eines Wasserbeckens zeigt sich, dass die Zugmaschine mit entsprechender Anti-Splash-Bereifung auf der Vorderachse das Wasser bei Tempo 45 lediglich ein Viertel so hoch aufspritzt wie ein heute gebräuchlicher Pneu. Unter den alltagsüblichen Testbedingungen spritzt der Anti-Splash von Michelin das Wasser auf einer Höhe von bis zu 50 Zentimetern seitlich von den Vorderreifen des Lkw weg, während der konventionelle Reifen das Spritzwasser bis zu einer Höhe von zwei Metern aufschleudert. Die Vorteile für den Lkw-Fahrer liegen auf der Hand: Schaut er bei Fahrt auf regennasser Straße in den Rückspiegel, sieht er bei herkömmlicher Bereifung lediglich eine Wasserwand, kann aber nicht erkennen, ob etwa hinter ihm gerade ein Autofahrer zum Überholen ansetzt. Das ist mit dem Anti-Splash-Reifen 385/55 R 22.5 XFA 2 Energy anders, wovon sich die Teilnehmer der Präsentation in Groß Dölln selbst überzeugen konnten: die rückwärtige Sicht bleibt auch bei widrigen Straßenverhältnissen für den Lkw-Fahrer gewährleistet. Anti-Splash bietet also bessere Sicht und somit mehr Sicherheit. Aber auch für den Autofahrer wird die Sicht bei einem Überholvorgang deutlich verbessert, da das vom Lkw aufgespritzte Wasser durch Anti-Splash maximal bis zu den Autofenstern reicht. Der neue Niederquerschnittsreifen von Michelin bietet neben einer höheren Sicherheit für den Lkw-Fahrer dank Anti-Splash zusätzliche Vorteile am hinteren Ende des Gespanns, dem Anhänger. Gesetzlich limitiert in Höhe, Breite und Länge gibt es beim Lkw nur einen Weg, der zu mehr Ladevolumen führt: das Absenken der Ladefläche. Mit seinem um 66 Millimeter kleineren Durchmesser im Vergleich zum derzeitigen Marktführer bietet der Niederquerschnittsreifen 385/55 R 22.5 XTA 2 Energy auf den Achsen eines Trailers die Möglichkeit, dessen Ladevolumen um bis zu vier Kubikmeter zu erhöhen. Um dieses Optimum an Kapazitätsgewinn erzielen zu können, muss allerdings das gesamte Fahrzeug in seiner Konstruktion auf die kleineren Reifen abgestimmt werden. Bei der Bereifung der Antriebsachse oder des Trailers sieht Michelin keine Anti-Splash-Ablaufkontur mehr vor, da das Spritzwasserproblem hauptsächlich an der Lenkachse auftritt, da die Vorderreifen zuerst durch eine Pfütze rollen und somit das Wasser verdrängen. Die Gesamttragfähigkeit wird durch den Volumengewinn nicht beeinträchtigt. Zusätzlich erhöht sich aber die Achslast vorn von 7,5 Tonnen beim 315/70 R 22.5 auf neun Tonnen, wenn auf den Trailer die Niederquerschnittsreifen 385/55 R 22.5 XTA 2 Energy montiert sind. Darüber hinaus, wie die Michelin-Verantwortlichen beim Presse-Briefing in Groß Dölln betonen, bietet die neue Reifendimensionierung eine um bis zu 30 Prozent höhere Laufleistung auf der Lenkachse im Vergleich zu einem konventionellen Lenkachs-Reifen der Dimension 315/70 R 22.5. Der neu dimensionierte Nutzfahrzeugreifen mit Anti-Splash-Ablaufkontur ist voll runderneuerungsfähig, soll allerdings nach der Runderneuerung laut Hersteller nicht mehr vorn an der Lenkachse aufmontiert werden. Dafür raten die Michelin-Fachleute in jedem Fall zu einem fabrikneuen Reifen. Durch den geringeren Durchmesser des Niederquerschnittsreifens 385/55 R 22.5 XTA 2 Energy ergibt sich außerdem eine Absenkung des Schwerpunktes beim Auflieger. Folglich erhält der gesamte Zug einen Sicherheitsvorsprung gegenüber Lkw mit heute straßenüblicher Bereifung. Gerade in Kurven oder beim spontanen Ausweichen vor Hindernissen ist die Kippgefahr des Fahrzeugs geringer als bei einem Lkw, dessen Schwerpunkt durch eine Einzelbereifung der Serie 65 höher liegt. Hinzu kommt das geringere Gewicht der kleiner dimensionierten Reifen 385/55 R 22.5, das jeweils rund sechs Kilogramm unter dem eines 385/65 R 22.5 liegt. Der neue Pneu der Serie 55 könne in vielen Fällen auch als Alternative zur klassischen volumenorientierten Trailerbereifung der Größe 425/45 R 19.5 dienen. Die Vorteile sind der geringere Einstandspreis beim Komplettrad, höhere Bremsreserven mit 22.5-Zoll-Felge, höhere Laufleistung sowie ein Rationalisierungspotenzial im Fuhrpark, versprechen die Reifenhersteller von Michelin. arno.borchers@reifenpresse.de

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