BRV-Bilanz des Jahres 2002 aus Sicht des Reifenfachhandels

Bei Pkw- und Nutzfahrzeugreifen konnte der Reifenfachhandel in Deutschland trotz eines wirtschaftlich schwierigen Umfeldes das Absatzniveau des Vorjahres leicht übertreffen, während der Gesamtumsatz im Branchendurchschnitt auf Vorjahresniveau verharrte. Die damit verbundene anhaltende Stagnation bewirkte allerdings einen nachhaltigen Druck auf die Ertragslage, begleitet von weiter zunehmendem Wettbewerb. Der Reifenfachhandel reagierte darauf unter anderem mit weiterem Personalabbau und Standortschließungen. Das teilt der Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk e.V. (BRV) nach Auswertung der Zahlen des Geschäftsjahres 2002 mit. In der Produktgruppe Pkw-Reifen konnten demnach insgesamt 39,2 Millionen Stück im Ersatzgeschäft abgesetzt werden, was einem Plus von einem Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Dabei kam es in 2002 zu einer weiteren Verschiebung zu Gunsten von Winterreifen. In diesem Produktsegment lag die Steigerungsrate mit 16,8 Millionen Stück bei rund 8,3 Prozent, während der Absatz von Pkw-Sommerreifen um 4,3 Prozent auf 22,4 Millionen Stück zurückging. Dies wertet der BRV als eindeutiges Indiz für eine weiter deutlich verbesserte Akzeptanz von Winterreifen und ein höheres Sicherheitsbewusstsein der Pkw-Halter in Deutschland. Weitere Faktoren, welche die Absatzentwicklung in dieser Produktgruppe positiv mit beeinflussten, waren laut Analyse des Verbandes die trotz sinkender Neuzulassungszahlen weitere Erhöhung des Pkw-Bestandes um gut 1,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, verbunden mit einer Zunahme des Durchschnittsalters von Personenkraftwagen auf nunmehr 7,1 Jahre. Außerdem liegt laut BRV ungeachtet deutlich gestiegener Benzinpreise und sonstiger Pkw-Kosten (wie z.B. Versicherungsprämien) die Fahrleistung der Pkw in Deutschland stabil bei durchschnittlich 16.000 km pro Jahr. Aufgrund von tendenziell hochmotorisierteren Pkw mit großen Drehmomenten sei dabei zudem ein mindestens gleichbleibender, wenn nicht sogar leicht erhöhter Reifenverschleiß und damit eine eher sinkende Laufleistung der Reifen zu beobachten gewesen. Nach den Zahlen des Verbandes konnte bei Nutzfahrzeugreifen mit insgesamt 5,2 Millionen Stück exakt das – allerdings niedrige – Vorjahresniveau wieder erreicht werden. Auch in dieser Produktgruppen waren jedoch Verschiebungen innerhalb der Segmente zu beobachten: Während der Absatz von Leicht-Lkw-Reifen (Llkw) um vier Prozent auf nunmehr 2,3 Millionen Stück zunahm, verzeichnete der deutsche Reifenfachhandel beim Verkauf von schweren Lkw-Reifen mit verkauften 2,9 Millionen Stück eine Einbuße um 0,7 Prozent im Vergleich zu Vorjahr. Verantwortlich für diese Entwicklung wird die Tatsache gemacht, dass der Straßengüterverkehr in Deutschland im Jahr 2002 konjunkturbedingt erneut zurückging. Dabei gab es einer Analyse des Bundesamtes für Güterverkehr (BAG) zufolge erstmals starke Transportrückgänge nicht nur im Bereich “Steine und Erden”, sondern auch bei hochwertigen Gütern wie z.B. Fahrzeugen, Halb- und Fertigwaren. Eine weitere Verschlechterung der Situation des deutschen Transportgewerbes infolge der Lkw-Maut wird befürchtet. Für das laufende Jahr geht der BRV davon aus, dass sich die Rahmendaten für das Pkw-Ersatzgeschäft – erhöhter Pkw-Bestand, stabile Fahrleistung, gleichbleibende Laufleistung der Reifen – wie 2002 weiterhin stabil entwickeln werden, sodass für 2003 mit dem gleichen Absatzniveau für Pkw-Reifen, wenn nicht sogar mit einer punktuellen Steigerung insbesondere bei Winterreifen, gerechnet werden könne. Der Lkw-Reifenverkauf wird hingegen eher zurückhaltend eingeschätzt. Die voraussichtlich anhaltend sehr schwache Konjunktur wird, verbunden mit den erwarteten negativen Auswirkungen der Lkw-Maut auf das deutsche Transportgewerbe, nach Ansicht von Branchenexperten weiter auf das Absatz- und Preisniveau drücken. BRV-Präsident Peter Seher: “Unsere Branche ist – im Gegensatz zu der großen Mehrzahl aller anderen Einzelhandelsbranchen – im vergangenen Jahr mit einem blauen Auge davongekommen. Dennoch sind wir, was die Erwartungen für 2003 angeht, trotz insgesamt verhalten optimistischer Beurteilung der möglichen Ergebnisse alles andere als blauäugig. Denn das Marktumfeld wird weiterhin sehr schwierig bleiben und große Herausforderungen an die gesamte Reifenfachhandelsbranche stellen. Zudem dürfen die insgesamt mit einem ‚befriedigend’ zu beurteilenden Branchenzahlen nicht darüber hinwegtäuschen, dass es erhebliche Unterschiede zwischen strukturstarken und strukturschwachen Regionen gibt. So stellt sich insbesondere die Lage der ostdeutschen Betriebe erheblich weniger positiv dar als der Gesamteindruck der Branchenzahlen vermuten lässt. Vergleichsweise stärkere Kaufzurückhaltung der Verbraucher verbunden mit dem wettbewerbsbedingt anhaltenden Preisverfall führen dazu, dass mehr und mehr Betriebe in strukturschwachen Gebieten zunehmend um ihre Existenz bangen.”

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