Eine Saison im Zeichen des Bibendums

Nach Siegen auf den vereisten Bobbahnen in Schweden sowie bei den reinen Asphalt-Rallyes auf Korsika und in Spanien reiste Michelin erwartungsvoll zu einem weiteren WM-Lauf im Mittelmeerraum: Auf Zypern, dem fünften Lauf zur Rallye-WM 2002, erwarteten den französischen Reifenhersteller und seine Partnerteams von Peugeot, Citroën, Hyundai, Skoda und Mitsubishi erstmals Schotterpisten. Auf dem Weg zum Fahrer- und Markentitel sollte ein weiterer Doppelsieg folgen. Die Rallye-Weltmeisterschaft 2002 in Stichworten: Rallye Zypern Die Siegesserie hält an: Mit dem Zypern-Erfolg von Marcus Grönholm sowie dem zweiten Rang seines Teamkollegen Richard Burns feierte Michelin-Partner Peugeot in der diesjährigen Rallye-WM bereits den vierten Doppelsieg in Folge, denen noch fünf weitere folgen sollten. Während Grönholm ungefährdet das Feld anführte, musste Richard Burns um seinen zweiten Platz hart kämpfen: Nach der vorletzten Prüfung lag der Brite noch 1,6 Sekunden hinter Tommi Mäkinen auf Rang drei. Die abschließenden 9,41 Kilometer bewältigte der Peugeot-Pilot jedoch in Bestzeit und nahm dem Subaru-Fahrer 3,8 Sekunden ab. Harri Rovanperä rundete als Vierter die überzeugende Vorstellung des französischen Teams ab. Rallye Argentinien Auf der Strecke waren sie einmal mehr die Schnellsten: Am Ende einer Rallye Argentinien – die an Spannung und Dramatik einen weiteren Höhepunkt in der Geschichte der Rallye-Weltmeisterschaft markierte – stand das Erfolgsduo Peugeot und Michelin überraschenderweise mit leeren Händen da. Nach kleineren Reglementsverstößen nahmen die Sportkommissare zuerst Tabellenführer Markus Grönholm aus der Wertung: Ein Team-Mitglied von Peugeot hatte die 1000-Meter-Bannmeile – die außerhalb des Service-Parks rund um den 206 WRC gilt – unterschritten und dem Finnen Reparaturtipps gegeben, ohne selbst Hand anzulegen. Ironie des Regulariums: Hätten beide miteinander per Handy telefoniert, wäre dies zulässig gewesen. Stunden später musste auch der amtierende Weltmeister Richard Burns den Siegerpokal – seinen ersten als Peugeot-Werksfahrer – an den Ford Focus-Piloten Carlos Sainz weiterreichen: Die Schwungscheibe seines Peugeot wies ein geringes Untergewicht auf. Mit den Skoda-Piloten Toni Gardemeister/Paavo Lukander und Kenneth Eriksson/Tina Thörner belegten Michelin-Partner die Plätze fünf und sechs. Rallye Griechenland (“Akropolis”) Eine extrem harte Rallye Griechenland endete für Michelin mit einem versöhnlichen Ergebnis: Peugeot-Pilot Marcus Grönholm eroberte Rang zwei und damit erneut eine Podiumsplatzierung. Grönholms Teamkollege Harri Rovanperä sicherte als Viertplatzierter weitere WM-Zähler für Peugeot. Dass dies anderen Michelin-Partnern nicht ebenfalls gelang, lag an einer Reihe von technischen Problemen, die zum Beispiel die Hyundai-Stars Armin Schwarz und Freddy Loix einbremsten sowie den amtierenden Weltmeister Richard Burns vom klaren Podiumskurs abbrachten. Rallye Kenia (“Safari”) Pünktlich zum 50. Jubiläum stellte die berüchtigte Savannen-Rallye ihre volle Härte wieder unter Beweis: Am Ende einer dreitägigen Materialschlacht – die eine beeindruckende Ausfallquote von 75 Prozent verursachte – erreichte der Finne Harri Rovanperä mit seinem Michelin-bereiften Werks-Peugeot 206 WRC das Ziel als Zweitplatzierter hinter dem Ford Focus WRC von Colin McRae. Rang drei auf dem Siegertreppchen sicherte sich mit Thomas Radström ein weiterer Michelin-Partner, der damit seinem Arbeitgeber Citroën bei dessen Kenia-Debüt mit dem Xsara WRC einen Überraschungserfolg bescherte. Peugeot- und Michelin-Pilot Marcus Grönholm stellte seinen 206 bereits am ersten Tag mit Motorschaden ab, behauptete aber in der WM-Zwischenwertung mit 37 Punkten weiterhin die Führung vor Colin McRae (30). Rallye Finnland (“1000 Seen”) Die Löwen sprangen erneut zum Doppelsieg: WM-Leader Markus Grönholm und sein britischer Peugeot-Teamkollege, der amtierende Titelträger Richard Burns, ließen der Konkurrenz auf den ebenso heimtückischen wie rasant schnellen Berg- und Talbahnen der Rallye Finnland nicht den Hauch einer Chance. Nach 22 Wertungsprüfungen über eine Länge von 401,68 Kilometer lagen die beiden Peugeot 206 WRC-Piloten deutlich vor ihrem nächsten Verfolger, dem Subaru-Fahrer Petter Solberg. Für Michelin, den Reifenpartner von Peugeot, war es bereits der 17. Sieg bei den “finnischen Flugtagen” in den vergangenen 20 Jahren. Rallye Deutschland Aller guten Dinge sind drei: Durch den Sieg von Citroën-Pilot Sebastien Loeb vor den beiden Peugeot-Fahrern Richard Burns und Marcus Grönholm befand sich das Podium bei der Rallye Deutschland fest in der Hand von Michelin-Piloten. Bei den durch zeitweiligen Regen erschwerten Bedingungen auf den ohnehin sehr anspruchsvollen Strecken rund um Trier und St. Wendel konnte sich das Trio auf seine Pneus hundertprozentig verlassen: Auf allen 22 gewerteten Sonderprüfungen legte jeweils einer dieser Piloten die schnellste Zeit vor – allein Loeb brannte elf Bestzeiten in den Asphalt. Rallye Italien (“San Remo”) Der großen Gilles-Panizzi-Show hatte die Konkurrenz erneut nichts entgegenzusetzen: Das französische Asphalt-Ass in Peugeot-Diensten gewann zum dritten Mal in Folge die zur Rallye-Weltmeisterschaft zählende Rallye Italien – obwohl ihn noch die Folgen einer Schulter-Verletzung handicapten. Mit acht Bestzeiten auf den ersten zwölf Wertungsprüfungen fuhr der Wahl-Monegasse bereits auf den ersten beiden Etappen einen souveränen Vorsprung heraus. Während Teamkollege Marcus Grönholm mit Platz zwei den sechsten Doppelsieg für Michelin und Peugeot in der laufenden Saison komplettierte, verpasste der amtierende Weltmeister Richard Burns im dritten Peugeot 206 WRC den Sprung aufs Podest trotz einer spannenden Jagd auf den Subaru-Piloten Petter Solberg nur knapp. Der spanische Rallye-Meister Jesus Puras sicherte sich am Steuer eines privat eingesetzten Citroën Xsara WRC als Sechstplatzierter noch einen WM-Zähler. Rallye Neuseeland Mission possible: Mit dem achten Doppelsieg der Saison sicherten sich Michelin, Peugeot und Marcus Grönholm – der die Rallye Neuseeland vor Teamkollege Harri Rovanperä gewann – beide Titel der diesjährigen Rallye-Weltmeisterschaft. Während Peugeot die dritte Marken-Weltmeisterschaft in Folge errang, konnte Grönholm seinen Titelgewinn aus dem Jahr 2000 wiederholen. Mit Rang fünf für den viermaligen Weltmeister Juha Kankkunen sowie Platz sechs für den Belgier Freddy Loix fuhr Michelin-Partner Hyundai in Neuseeland endlich die Belohnung ein für die steil aufstrebende Form des koreanisch-britischen Werksteams, das mit Armin Schwarz auf Rang zehn alle drei Autos ins Ziel brachte. Rallye Australien Obwohl er den Titel längst in der Tasche hat: Peugeot- und Michelin-Pilot Marcus Grönholm ließ auch in “Down under” nichts anbrennen. Mit einer mehr als souveränen Vorstellung holte sich der frischgebackene Weltmeister in Australien den fünften Sieg in der laufenden Rallye-WM-Saison. Grönholms Teamkollege und Landsmann Harri Rovanperä sicherte in einem dramatischen Schluss-Spurt auf der dritten Etappe den achten Doppelsieg für die Marken-Weltmeister Peugeot und Michelin. Skoda-Pilot Toni Gardemeister rutschte durch die Disqualifikation des vierfachen Titelträgers Tommi Mäkinen auf den sechsten Rang vor. Rallye Großbritannien (“RAC”) Kein Glück für die neuen Champions Marcus Grönholm, Peugeot und Michelin in den walisischen Wäldern: Trotz einer souveränen Führung von mehr als einer Minute auf seinen nächsten Verfolger unterlief dem 34-jährigen 206 WRC-Piloten auf der zehnten von insgesamt 17 Wertungsprüfungen ein Konzentrationsfehler, der zu einem kapitalen Überschlag und dem Ausfall führte. Grönholms Teamkollege Richard Burns – Weltmeister des Vorjahres – verlor auf der ersten Etappe durch einen Ausrutscher viel Zeit und arbeitete sich bis kurz vor Rallye-Ende noch vom achten Rang auf den dritten Platz nach vorn. Auf der vorletzten Wertungsprüfung traf der Brite jedoch einen Graben, aus dem er seinen Peugeot nicht wieder befreien konnte – das Aus. Mit Rang sieben sicherte der Belgier Freddy Loix seinem Hyundai-Team einen wertvollen WM-Punkt und damit den vierten Rang in der Konstrukteurs-Weltmeisterschaft. Ein leichter Fehler warf auch den vierfachen Motorrad-Weltmeister Valentino Rossi frühzeitig aus dem Rennen: Der “Dottore” parkte seinen von Michelin unterstützten Peugeot 206 WRC gleich in der zweiten Wertungsprüfung neben der Strecke. Das Saisonfinale gewann der 27-jährige Subaru-Pilot Petter Solberg – für den sympathischen Norweger der erste Sieg bei einer WM-Rallye überhaupt. Rallye WM 2002 – Endstand nach 14 von 14 Läufen: FAHRER-WM MC S F E CY RA GR EAK FIN D I NZ AUS GB Total Marcus Grönholm (FIN) M 2 10 6 3 10 0 6 0 10 4 6 10 10 0 77 Petter Solberg (N) 1 0 2 2 2 6 2 0 4 0 4 0 4 10 37 Carlos Sainz (E) 4 4 1 0 0 10 4 0 3 0 0 3 3 4 36 Colin McRae (GB) 3 1 0 1 1 4 10 10 0 3 0 0 0 2 35 Richard Burns (GB) M 0 3 4 6 6 0 0 0 6 6 3 0 0 0 34 Gilles Panizzi (F) M 0 0 10 10 0 0 0 1 – – 10 0 – 0 31 Harri Rovanperä (FIN) M 0 6 0 0 3 0 3 6 0 0 0 6 6 0 30 Tommi Mäkinen (FIN) 10 0 0 0 4 0 0 0 1 0 0 4 0 3 22 Markko Martin (EE) 0 0 0 0 0 3 1 3 2 1 2 0 2 6 20 Sébastien Loeb (F) M 6 0 – 0 0 – 0 2 0 10 – – 0 0 18 Philippe Bugalski (F) M 0 – 3 4 0 – – – – 0 0 – – – 7 Thomas Rädstrom (S) M 0 0 – 0 – – 0 4 0 – – – – 0 4 Toni Gardemeister (FIN) M 0 0 0 0 0 2 0 0 0 0 0 0 1 0 3 Alister McRae (GB) M 0 2 0 0 0 0 0 0 0 0 0 – – – 2 Bruno Thiry (B) M 0 – 0 0 0 – 0 – – 2 0 – – – 2 Juha Kankkunen (FIN) M – 0 – – 0 0 0 0 0 – – 2 0 0 2 Kenneth Eriksson (S) M 0 0 0 0 0 1 0 0 0 0 0 0 0 0 1 Jesus Puras (E) M 0 – – 0 0 – 0 – – 0 1 – 0 – 1 Freddy Loix (B) M 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 1 0 0 1 Mark Higgins (GB) – – – – – – – – – – – – – 1 1 MARKEN-WM MC S F E CY RA GR EAK FIN D I NZ AUS GB Total Peugeot-Michelin M 4 16 16 16 16 0 9 6 16 16 16 16 16 2 165 Ford 10 6 4 5 2 14 14 14 5 7 5 3 5 10 104 Subaru 12 0 4 4 7 6 2 0 5 2 4 4 4 13 67 Hyundai-Michelin M 0 1 0 0 1 1 1 2 0 0 0 3 0 1 10 Mitsubishi-Michelin M 0 3 2 1 0 0 0 1 0 1 1 0 0 – 9 Skoda-Michelin M 0 0 0 0 0 5 0 3 0 0 0 0 1 – 9 Citroën-Michelin M Nicht für Rallye-WM 2002 gewertet Die Saison 2002: MC (Monte Carlo, 18.-20.1), S (Schweden, 1.-3.2.), F (Frankreich/Tour de Corse, 8.-10.3.), E (Spanien/Catalunya, 22.-24.3.), CY (Zypern, 19.-21.4.), RA (Argentinien, 16.-19.5.), GR (Griechenland/Akropolis, 14.-16.6.), EAK (Kenia/Safari, 12.-14.7.), FIN (Finnland, 8.-11.8.), D (Deutschland, 23.-25.8.), I (Italien/Sanremo, 20.-22.9.), NZ (Neuseeland, 4.-6.10.), AUS (Australien, 31.10.-3.11.), GB (England/RAC, 14.-17.11.).

0 Kommentare

Schreiben Sie einen Kommentar

An Diskussionen teilnehmen
Hinterlassen Sie uns einen Kommentar!

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.