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Enge Kooperation von Michelin und Bosch

Dass es sich nicht um eine Allerweltsvereinbarung handelte, die es auf der Pressekonferenz am Rande der IAA zu verkünden galt, wurde schnell an der Besetzung klar. Für den Reifenhersteller stellte sich Edouard Michelin zusammen mit dem Chef der Pkw-Reifen-Division weltweit, Hervet Coyco, den Fragen der Journalisten, während für Bosch Hermann Scholl, Bosch-intern “F 1”, und Bernd Bohr Bosch-intern “F 4E” und damit zuständig für die Bereiche Umwelttechnik, Diesel- und Chassis-Systeme, entsprechende Erklärungen gaben. Dabei erzielte Bohr einen absoluten Heiterkeitserfolg mit seiner Antwort auf die Frage, wie er denn gemeinsam mit Michelin einen dreijährigen Vorsprung von Continental-Teves aufholen wolle. Bohr merkte an, einen Vorsprung oder gar dreijährigen Vorsprung nun wirklich nicht zu sehen, sofern man sich mit dem und an dem messe, was man habe und was es gebe; Ankündigungen überlasse man anderen. Bohr wörtlich: “Wir befassen uns doch nicht mit Ankündigungen, man braucht auch Produkte für den Markt und mit denen sind wir mindestens ebenso gut wie unsere Wettbewerber. Mindestens.” Das Gelächter ließ den gemeinten, aber nicht genannten Conti-Konzern mal wieder als Ankündigungskonzern bloß gestellt in der Ecke stehen. Im weiteren Verlauf stellten dann die beiden Konzernlenker Michelin und Scholl klar, dass es um das Miteinander zweier Weltkonzerne gehe, die Technologie- und Innovationsführerschaft zu Recht beanspruchen. Und hierum handelt es sich bei der nun bekannt gegebenen Zusammenarbeit: Bosch und Michelin haben eine langfristige strategische Partnerschaft für Entwicklung und Vertrieb von integrierten Fahrdynamik-Managementsystemen vereinbart. Diese Systeme verbessern Sicherheit und Zuverlässigkeit des Automobils dank optimalen Zusammenspiels zwischen Reifen und Bremsregelsystemen. Die Kooperationsvereinbarung wird der Rahmen für die künftigen Aktivitäten beider Unternehmen im Bereich integrierter Fahrdynamik-Managementsysteme sein. Die Zusammenarbeit wird Bereiche von Forschung und Entwicklung bis hin zur Markteinführung umfassen. Beide Unternehmen haben Arbeitsgebiete definiert, die weitere gemeinsame Entwicklungen und Synergien eröffnen. Dazu gehören verbessertes Bremsverhalten und erweiterte Mobilität. Erstes gemeinsames Entwicklungsziel ist, durch Einsatz des Michelin-Systems PAX in Verbindung mit dem elektronischen Stabilitätsprogramm ESP und Brake-by-Wire-Systemen von Bosch dafür zu sorgen, dass das Auto auch bei Reifendruckverlust fahrtüchtig bleibt. Ein solches integriertes System soll bereits 2004 zur Verfügung stehen. Zusätzlich wollen die Partner bis 2005 gemeinsam ein System zur Serienreife bringe, das durch Kombination des modifizierten ESP mit Hochleistungsreifen den Bremsweg von Personenwagen um 15 Prozent verkürzt. Ziel ist, die jeweiligen Komponenten der gemeinsam entwickelten Systeme zunächst bei Bosch und Michelin zu fertigen. Die gemeinsam entwickelten Technologien sollen dann weiteren Zulieferern zugänglich gemacht werden, um schnell Standards zu schaffen. Michelin und Bosch bezeichnen sich als auf ihren Geschäftsfeldern seit Jahrzehnten führend und bringen ihr Know-how in dieses Projekt ein. Michelin als Marktführer bei Reifen und Spezialist für Federungssysteme steuert Know-how auf dem Gebiet Reifentechnik bei, ebenso bei der Integration von Sensoren in Reifen sowie bei Fahrdynamik und Geräuschdämpfung. Zu den neuesten Michelin-Innovationen gehört das PAX-System – die Lösung für erweiterte Mobilität –, das inzwischen in einem Großserienfahrzeug eingesetzt wird, und das “Optimised Contact Patch”-Konzept, das auch bei Kurvenfahrt eine optimale Reifenaufstandsfläche bietet. Beides wird auf der IAA in Frankfurt vorgestellt. Bosch als Marktführer bei Brems- und Fahrdynamiksystemen wird sein Know-how in den Bereichen Antiblockiersystem ABS und Elektronisches Stabilitätsprogramm ESP einbringen. Bereits 1978 brachte Bosch als erster Hersteller ABS auf den Markt und begann 1995 mit der Serienfertigung des Elektronischen Stabilitätsprogramms ESP. 2001 folgt nun mit der elektrohydraulischen Bremse SBC für Personenwagen der weltweit erste Einsatz eines Brake-by-Wire-Systems. Mit diesem gebündelten Know-how erwarten die Partner, auch bei künftigen Entwicklungen wegweisend auf dem Gebiet integrierter Fahrdynamik-Managementsysteme zu sein. Damit können die Partner ihren Kunden, den Automobilherstellern, zusätzliche Sicherheit und Mobilität bieten. Bosch fertigt Kraftfahrzeugtechnik in 146 Werken in 26 Ländern und erzielte im Jahr 2000 mit 140.000 Mitarbeitern in diesem Bereich einen Umsatz von 22,5 Milliarden Euro. Der Bosch-Geschäftsbereich Chassis-Systeme, ein führender Hersteller von Bremssystemen, beschäftigt 20.000 Mitarbeiter und erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von rund vier Milliarden Euro. Michelin fertigt und liefert Reifen für Personenwagen, leichte und schwere Nutzfahrzeuge, Zweiräder, Land- und Baumaschinen sowie für Flugzeuge bis hin zum amerikanischen Space Shuttle und entwickelt Federungs- und Geräuschdämpfungssysteme. Michelin hat rund 80 Fertigungsstätten auf fünf Kontinenten und ist mit seiner Vertriebsorganisation in 170 Ländern präsent. Mit 128.000 Mitarbeitern erzielte die Gruppe im Jahr 2000 einen Umsatz von rund 15,4 Milliarden Euro.

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