Inter-Sprint-Inhaber van Vliet will Van Den Ban komplett übernehmen

Im europäischen Reifengroßhandel bahnt sich eine Übernahme nie dagewesenen Ausmaßes an. Einer aktuellen Veröffentlichung der niederländischen Wettbewerbsbehörde „Autoriteit Consument en Markt“ (ACM) zufolge hat Inter-Sprint Banden mit Sitz in Moerdijk vor einigen Tagen dort offiziell die geplante „Konzentration“ – also keine Fusion – beider Unternehmen angezeigt, die dadurch auch offiziell zu Schwesterunternehmen werden könnten. Ist dies die logische Folge des allgemeinen Margenverfalls im Reifengroßhandel, vor denen auch internationale Größen der Branche nicht gefeit sind? Und was erwartet nun die Marktteilnehmer in Deutschland und darüber hinaus mit einem Wettbewerber, dessen Umsatz in Summe die Milliarde Euro überschreitet?

Auf konkrete Nachfrage der NEUE REIFENZEITUNG bei Inter-Sprint Banden heißt es, beide Unternehmen würden entsprechende Vorgänge nicht öffentlich kommentieren. Diese Antwort mussten auch bereits niederländische Medien hinnehmen. Dementiert wird die geplante Konzentration beider Unternehmen freilich nicht. Bereits vor über zwölf Jahren hatte Inter-Sprint-Inhaber Job A. van Vliet über seine Holdinggesellschaft einen nicht unerheblichen Anteil an der Van den Ban Group gekauft. Dem Vernehmen nach teilen sich seither van Vliet und Van-den-Ban-Gründer Arie van den Ban die Anteile an dem Großhandelsbetrieb. Damals hatte sich im Gegenzug auch Van den Ban mit einem geringen Anteil an Inter-Sprint Banden beteiligt, ist dazu im Markt weiter zu hören. Zu diesen Besitzverhältnissen schwiegen sich die Vertreter beider Unternehmen bisher kategorisch aus. Lediglich hinter vorgehaltener Hand wurde im Markt darüber gesprochen.

Nun will Job van Vliet aber offenbar über seine Holdinggesellschaft die verbleibenden Unternehmensanteile an Van den Ban von Arie van den Ban kaufen, was wiederum gegenüber den nationalen Wettbewerbshütern angezeigt werden muss. Würde diese Transaktion die Zustimmung der ACM finden, wovon die Gesprächspartner der NEUE REIFENZEITUNG im Allgemeinen ausgehen, würden beide Unternehmen offiziell zu Schwestergesellschaften werden.

Da sich Inter-Sprint Banden und die Van den Ban Group – beide Unternehmen sind in der Region Rotterdam ansässig – zu offiziellen Anfragen nicht äußern wollen, bleiben letztendlich nur Spekulationen im Markt. Und diese berichten von einer „gewissen Nervosität“, die man aktuell in den beiden Unternehmen verspüren könne. Im Reifengroßhandel ist heute mehr als jemals zuvor ein immenser Margendruck zu verspüren. Jeder Preisvorteil im Einkauf wird sofort über die zahllosen Plattformen im total-transparenten World Wide Web an die Kundschaft weitergegeben, was die Erträge schmelzen lässt. Diesem Druck seien auch die beiden größten Reifengroßhändler der Niederlande ausgesetzt, die gemeinsam auf einen geschätzten Jahresumsatz von über eine Milliarden Euro kommen dürften, so eine Kenner der beiden Unternehmen gegenüber der NEUE REIFENZEITUNG, wobei Inter-Sprint Banden daran für knapp zwei Drittel stehen dürfte.

Inwieweit die Schwesterunternehmen Inter-Sprint und Van den Ban in Zukunft von etwaigen Synergien profitieren können und wollen, bleibt unklar. Wettbewerber gehen aber wie sicher davon aus, dass beide Unternehmen zukünftig eine engere Zusammenarbeit pflegen werden; aktuell bekennt sich weder das eine noch das andere Unternehmen zur Quasi-Verwandschaft über (Mit-)Eigentümer Job A. van Vliet.

Man rechnet nun damit, dass Kosteneinsparungen im Back Office und ganz allgemein in der Verwaltung beider Unternehmen vorgenommen werden könnten. Auch sei eine wie auch immer geartete Zusammenarbeit beider Großhändler in der Logistik denkbar, kommentiert ein weiterer Marktbegleiter. Van den Ban betreibe schließlich seit August 2009 ein vollautomatisiertes und Maßstäbe setzendes Logistikzentrum in Hellevoetsluis. Weitere Rationalisierungen seien auch denkbar.

So oder so, auch Wettbewerber in Deutschland blicken mit gewisser Sorge auf die sich anbahnende Konzentration im niederländischen Reifengroßhandel, der per se immer auch ein deutscher Reifengroßhandel ist. Sollte die geplante Konzentration vollzogen werden, so wird hierzulande vermutet, könnte sich die Wettbewerbsintensität auf dem Markt noch einmal verschärfen – mit ungewissem Ausgang für derzeit schon unter enormem finanziellem Druck stehende Grossisten in Deutschland, deren Erträge aktuell auf zum Teil unter einem Drittel von dem liegen, was noch vor drei Jahren üblich war.

Die niederländische Wettbewerbsbehörde „Autoriteit Consument en Markt“ wartet nun die Frist ab, innerhalb derer Stellungnahmen zur angezeigten „Konzentration“ beider Unternehmen eingereicht werden können. Im August sollte dann dem Vernehmen nach die Transaktion vollzogen werden. arno.borchers@reifenpresse.de

 

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