„Schwieriges Geschäftsjahr“ für ATU – Sanierungskonzept angekündigt

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Die Werkstattkette ATU legt vorläufigen Zahlen für das am 30. Juni abgelaufene Geschäftsjahr 2012/2013 vor. Angesichts eines Umsatzrückganges um 6,9 Prozent von 1,25 Milliarden Euro im vorangegangenen Berichtszeitraum auf nunmehr 1,16 Milliarden Euro spricht das Unternehmen von einem schwachen Marktumfeld und einem „insgesamt schwierigen Geschäftsjahr“. Das bereinigte EBITDA reduzierte sich demnach auf 61,9 Millionen Euro, was einem Minus von nicht weniger als gut 40 Prozent im Vergleich zu den 103,4 Millionen Euro des Geschäftsjahres 2011/2012 entspricht. Vor diesem Hintergrund hat das ATU-Management die Vorlage eines Sanierungskonzepts bis Ende Oktober angekündigt.

Trotz einer leichten Verbesserung im vierten Quartal sei das abgelaufene Geschäftsjahr insgesamt schwach verlaufen. Ungeachtet von Nachholeffekten und einer leichten Umsatzsteigerung im vierten Quartal in Höhe von knapp zwei Prozent habe das Umsatzminus im dritten Quartal gegenüber dem Vorjahr nicht vollständig ausgeglichen werden können. Ausschlaggebend waren nach Aussagen des Unternehmens insbesondere die schlechte Situation im Gesamtmarkt und die eingetrübte Stimmung der Kfz-Teilebranche. Zusätzlich hätten dem Unternehmen Opens external link in new windowim Reifengeschäft Wettereffekte zu schaffen gemacht, heißt es. Letzteres hat demnach zu Umsatzeinbußen vor allem im zweiten und dritten Quartal des ATU-Geschäftsjahres beigetragen.

Durch ein „konsequentes Kostenmanagement und Einsparungen“ wurden laut der Werkstattkette die operativen Aufwendungen zwar um rund 25 Millionen Euro gegenüber dem vorangegangenen Geschäftsjahr reduziert. Bedingt durch den Umsatzrückgang sei das bereinigte operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) dennoch gesunken. Vor diesem Hintergrund rechnet ATU nach Zinsen und Steuern mit einem „deutlich negativen“ Konzernergebnis. Die durch die Wirtschaftsprüfer testierten vollständigen Zahlen werden im Rahmen des Geschäftsberichts 2012/2013 Ende Oktober veröffentlicht.

„Das vergangene Geschäftsjahr ist zweifelsohne enttäuschend, zeigt uns aber auch klar auf, welche Chancen wir ausgelassen haben und wo jetzt unsere Handlungsfelder liegen: Wir müssen unabhängiger von Marktschwankungen werden, unser Wachstum in den Zukunftsfeldern forcieren und das vorhandene Potenzial der breiten Marktpräsenz besser nutzen. Die ersten Maßnahmen und Initiativen haben wir bereits ergriffen“, so Hans-Norbert Topp, der erst kürzlich Manfred Ries als Vorsitzender der Opens external link in new windowATU-Geschäftsführung abgelöst hat. Absolute Priorität habe jetzt die Sicherung der Liquidität und der Finanzierungsbasis des Unternehmens.

Während die Liquiditätsplanung bis zum Jahresende nach Unternehmensangaben keine Unterdeckung aufweist, arbeitet das ATU-Management intensiv an einem langfristigen Konzept zur bilanziellen und finanziellen Sanierung des Unternehmens. Im Rahmen der Überlegungen soll eine Prüfung aller strategischen Optionen erfolgen: Genannt werden in diesem Zusammenhang Maßnahmen angefangen bei der Refinanzierung bis hin zu möglichen strategischen Partnerschaften. Unterstützt wird das Ganze demnach vom ATU-Eigentümer Kohlberg Kravis Roberts & Co (KKR) sowie von weiteren Sanierungsexperten. „Mit der Unterstützung unseres Eigentümers und unseren Beratern sind wir in den vergangenen Monaten ein erhebliches Stück vorangekommen und haben zahlreiche Gespräche geführt. Mit einem Ergebnis rechnen wir spätestens bis zur Vorlage des endgültigen Geschäftsberichts Ende Oktober“, sagt Topp. Dann will man auch das Sanierungskonzept vorstellen und alle relevanten Details dazu veröffentlichen.

Unterdessen berichtet ATU von ersten Fortschritten im operativen Geschäft: Der B2B-Bereich und das internetbasierte Geschäft sollen bereits im abgelaufenen Geschäftsjahr um 7,8 Prozent respektive zwei Prozent bereits zugelegt, wenngleich ihr Anteil am Gesamtgeschäft als „noch gering“ beschrieben wird. „E-Commerce und Flottenmanagement sind nach wie vor die richtigen Wachstumsbereiche, auf die sich ATU konzentriert. Hier werden wir nun die Chancen wahrnehmen, die wir in der Vergangenheit nicht ausreichend genutzt haben“, erläutert Hans-Norbert Topp. Im Bereich E-Commerce ist die zusätzliche Erschließung ausländischer Märkte vorgesehen. Um das Geschäft mit Flottenkunden weiter zu entwickeln, sollen zentrale Vertriebsprozesse zur Akquisition neuer Firmenkunden optimiert und ausgebaut werden.

„Das Geschäft wird immer vor Ort in den Niederlassungen gemacht. Aus den zentralen Bereichen müssen wir die Filialen dabei bestmöglich unterstützen, klare Prozesse definieren und Impulse geben. So können wir auch unser Kerngeschäft deutlich besser aufstellen“, meint Topp. Daneben möchte ATU zukünftig auch den Markt für Autoglas intensiver bearbeiten: Das Unternehmen will seinen Marktanteil in diesem Segment deutlich steigern. Dafür werde unter anderem die Vertriebskommunikation besser auf diesen Markt zugeschnitten, heißt es vonseiten der Werkstattkette. „Mit fast 650 Filialen haben wir eine unglaubliche Präsenz in der Fläche und damit auch einzigartige Möglichkeiten, die wir jetzt deutlich stärker als in der Vergangenheit nutzen werden. Zudem denke ich, dass es auch im Sinne von Versicherungsunternehmen ist, wenn sich der Markt für Autoglas durch zusätzlichen Wettbewerb dynamisch weiterentwickelt“, sagt Topp. cm

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