Deldo: Verlieren klar weniger als der Markt

Der deutsche Reifenmarkt ist für Großhändler aus den Benelux-Ländern von großer Bedeutung, wird doch hier ein Großteil ihres Umsatzes generiert. Nun stöhnen zahlreiche deutsche Händler unter schwachen Absatzzahlen. Die NEUE REIFENZEITUNG hat daher bei einigen wichtigen Marktteilnehmern in Benelux nachgefragt, Deldo Autobanden verliert nach eigenen Angaben klar weniger als der Markt.

NEUE REIFENZEITUNG: Der deutsche Reifenmarkt, der ja auch für Deldo Autobanden von großer Bedeutung ist, schwächelt seit Monaten. Merken Sie das auch an Ihren Absatzzahlen?

Tom Van Dyck, Director Sales & Organisation bei Deldo Autobanden: In einem so stark zurückgehenden Markt spüren auch wir natürlich die Krise. Falls die prozentualen Verluste, die man via Medien oder Gerüchten mitbekommt, stimmen, dann verlieren wir wohl klar weniger als den Markt. Dabei muss ich aber erwähnen, dass wir immer sehr vorsichtig sind mit den von anderen genannten Ziffern: So basiert z. B. viel auf dem „Industrie Pool“, der stark verliert, aber das sagt an sich nichts über den Handel, der viel aus seinem aus 2012 bestehenden Lagerbestand verkauft.

Was an 2013 auffällt ist die Instabilität. Die Differenzen zwischen den Monaten sind größer als je zuvor – so waren Januar und März echt sehr schlecht, aber April und Mai waren für uns sehr gut. Das hat mit mehreren Faktoren zu tun:

– Erstens gibt es eine allgemeine Unsicherheit, sodass Händler und Kunden extra vorsichtig waren beim Einkauf.

– Zweitens hat die Industrie 2012 die Sommerverkäufe stark forciert, obwohl die Nachfrage im Markt damals schon kleiner war. Dadurch sind noch zu viele Sommerreifen im Markt, sodass der Vorverkauf im Handel schlecht war, aber der Nachkauf während der Saison stark zugelegt hat.

– Und drittens kann man die geänderte Marktstruktur nicht ignorieren: In 2013 hat das Internet den nächsten Schritt gemacht, sowohl in B2C wie in B2B. Durch die technologischen und logistischen Möglichkeiten wird der Saisonkauf einfacher und wichtiger. In den nächsten Jahren könnte sich das wieder leicht korrigieren, wenn Überbestände abgebaut sind, aber ab jetzt ist das ein wesentliches Marktsegment.

NEUE REIFENZEITUNG: Einhergehend mit Absatzeinbußen der deutschen Händler verändert sich nach unseren Beobachtungen auch die Bedeutung der Preissegmente „Low-Budget“, „Budget“, „Medium“ und „Premium“. Welches Segment nimmt nach den Erfahrungen Deldos bei der Nachfrage zu, welches leidet bei den Absatzzahlen bzw. ist stabil?

Tom Van Dyck: Seit einigen Jahren schon stehen vor allem Budget und Medium unter Druck. Der Endkunde trifft immer mehr eine klare Wahl, die von seinen persönlichen Präferenzen abhängt: Enweder er zahlt sehr viel Geld für die allerbeste Qualität oder er will echt gut und echt günstig. Also können Premium und Low Budget gute Zahlen vorlegen. Budget und Medium sitzen mittendrin und spüren Druck von beiden Seiten.

NEUE REIFENZEITUNG: Können Sie Ihren deutschen Kunden angesichts deren schlechter Geschäftslage konkrete Hilfestellungen geben? Wenn ja, welche?

Tom Van Dyck: Was man in vielen Ländern und in Deutschland sehr stark sieht ist, dass Firmen gerade de-investieren d.h. abbauen müssen. Das hat wahrscheinlich zwei Gründe: 1.) In den letzten Jahren hat man zu viel gebaut/entwickelt und 2.) hat man nicht genügend gespart. Für die beste „Anti-Krisen-Aktion“ ist es also zu spät: Man musste in den letzten Jahren sparsam sein, sodass man geduldig die Krise überlebt, ohne mit Verlusten abverkaufen zu müssen, und auch noch während der Krise investieren kann, um danach stärker daraus hervorzukommen.

Außerdem wird die Zusammenarbeit zwischen Händlern wichtiger als je zuvor. Deldo hat schon seit vielen Jahren gute Partnerschaften im deutschen Markt (u. a. via fairer Politik und flexiblen Service), und wir sehen sehr klar, dass die deutschen Großhändler diese Beziehung in 2013 weiter ausbauen wollen. Das geschieht auch völlig zu Recht: Zuerst fordert der Kunde immer mehr. Als Einzelspieler kann man nicht mehr alles besorgen, was der Kunde will oder wie er es will, und man muss also via anderer darankommen. Zweitens wurde der Handel in den letzten Jahren nicht immer fair behandelt von verschiedenen Marktspielern. Um das künftig zu vermeiden, steht man zusammen stärker als alleine.

Konkret werden unsere Partnerschaften auf verschiedenen Wegen entwickelt, abhängig von den Wünschen, die unser Partner hat, und den Möglichkeiten, die wir bieten können. Das geht von Preisen und Politik über neue Business-Konzepte bis zu Service und Unterstützung. Wie man auf Französisch sagt: „à la tête du client“. Wir kennen unsere Kunden nämlich persönlich, da wir seit mehr als 20 Jahren in ein breites und stabiles Vertriebsteam investieren.

NEUE REIFENZEITUNG: International agierende Reifengroßhändler entdeckten in den letzten Jahren zunehmend die Märkte östlich von Deutschland für den Absatz. Inwiefern haben diese Länder für Deldo an Bedeutung gewonnen bzw. entwickeln sich?

Tom Van Dyck: Deldo ist schon seit sehr vielen Jahren sehr aktiv in „Zentral- und Ost-Europa“, also ist diese Entwicklung für uns nichts aus den letzten Jahren. Da wir dort schon lange präsent sind, gibt es keine besondere Entwicklung, nicht nach oben und nicht nach unten. Wohl sehen wir, dass mehrere Großhändler die dort in den letzten Jahren aktiver geworden sind, die Aktivitäten dieses Jahr wieder abbauen. Das ist für Deldo auf jeden Fall kein Thema: Wir sind strukturell aktiv in ganz Europa, und jedes Land ist für uns ein wichtiges Land, auf Dauer. dv

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