Vernetzungen – Apollo-Gruppe setzt auf interne Kooperation

Peter J. Snel (47), Leiter des neuen F&E-Zentrums von Apollo in Enschede, erklärt im Interview, wie die Zusammenarbeit innerhalb der Apollo-Gruppe funktioniert bzw. funktionieren soll. Drei geografisch weit auseinanderliegende Konzernteile, drei verschiedenartige Kulturen und die Reifenfabriken in drei Kontinenten sollen durch intelligente Vernetzungen bzw. Nutzung modernster aktueller Kommunikationstechnologien zu einer leistungsfähigen Einheit zusammenwachsen. Das Gespräch fand anlässlich der Einweihung des neuen F&E-Zentrums von Apollo im niederländischen Enschede statt.

NEUE REIFENZEITUNG: Herr Snel, Apollo Tyres hat das neue Forschungs- und Entwicklungszentrum hier in Enschede recht schnell umgesetzt. Das wird nicht ganz billig gewesen sein.

Peter Snel: Die Anfangsinvestition in das Projekt hat uns etwa 3,5 Millionen Euro gekostet. Unsere Gesellschafter sind willens, ihre Ausgaben in die Entwicklung signifikant zu steigern, sodass Sie davon ausgehen können, dass weitere Investitionen folgen werden.

NEUE REIFENZEITUNG: Wie viel Mitarbeiter sind heute, Mitte Januar, bereits im Gebäude tätig, wie viele sollen es einmal sein.

Peter Snel: Wir beginnen bereits mit 104 qualifizierten Entwicklern und haben schon Gespräche mit weiteren Ingenieuren geführt, sodass wie davon ausgehen, die Anzahl bereits kurzfristig auf 120 zu steigern. Später einmal werden etwa 150 Mitarbeiter hier arbeiten.

NEUE REIFENZEITUNG: In welcher Fabrik würden Erstausrüstungsreifen gefertigt werden, die Sie und Ihr Team entwickelt haben?

Peter Snel: Zurzeit erfüllen bereits unsere beiden indischen Reifenfabriken Baroda und Chennai Erstausrüstungsansprüche. Unser Ziel aber ist, dass Erstausrüstungsreifen prinzipiell in jedem der Gruppenwerke hergestellt werden könnten. Apollo Tyres investiert kräftig in die Produktion, auch direkt hier in Enschede, wo bei Vredestein in nächster Zeit ein neuer Mixer installiert werden wird.

NEUE REIFENZEITUNG: Wäre nicht ein Standort weit abseits aller Werke – zum Beispiel in der Nähe der deutschen Automobilhersteller – opportun gewesen? Oder umgekehrt: Wäre nicht ein F+E-Zentrum direkt im Werk – Stichwort Versuchsreifen – die bessere Lösung gewesen?

Peter Snel: Wir haben die Alternativen in der Tat intensiv und kontrovers diskutiert. Ich denke, mit dem jetzigen Standort dokumentieren wir, dass wir für all unsere Reifenwerke entwickeln.

NEUE REIFENZEITUNG: Aber bezogen auf die Herstellung von Versuchsreifen wäre es doch vielleicht unkomplizierter, beispielsweise in direkter Nachbarschaft der Vredestein-Produktion zu sein.

Peter Snel: Prototypen werden wir dort herstellen, wo später auch die Serienfertigung erfolgen soll. Das ist effizienter.

NEUE REIFENZEITUNG: Welche Auswirkungen hat das neue F+E-Zentrum auf die drei anderen Einrichtungen direkt an den Werken in Enschede sowie in Indien und Südafrika?

Peter Snel: Wir werden hier in Enschede eine kleine Mannschaft bestehend aus etwa 15 Mitarbeitern direkt im Werk behalten. Adäquate Teams haben wir auch in den anderen Reifenfabriken innerhalb unserer Gruppe, wir tauschen uns permanent intensiv aus und sind miteinander perfekt vernetzt.

NEUE REIFENZEITUNG: Findet die Grundlagenforschung ebenfalls in Enschede oder in Indien statt?

Peter Snel: Die Grundlagenforschung für Pkw- und Transporterreifen findet in Enschede, die für Nutzfahrzeugreifen bei unseren Kollegen in Chennai statt.

NEUE REIFENZEITUNG: Welche Reifensegmente stehen primär im Fokus Ihrer Arbeit hier in Enschede?

Peter Snel: Bei den Reifen für die Ersatzmärkte konzentrieren wir uns stark auf High-Performance-Reifen. Hinsichtlich Pkw-Reifen für die Erstausrüstung haben wir zwar das gleiche Ziel, wissen aber, dass wir uns möglicherweise erst in anderen Segmenten qualifizieren müssen, um mit den anspruchsvollsten Projekten betraut zu werden.

NEUE REIFENZEITUNG: Kann man in Europa auch für Indien oder Südafrika entwickeln oder bedarf es geografischer Verankerungen?

Peter Snel: Das ist sehr wohl möglich. Ich verweise in diesem Zusammenhang nochmals auf die Teams in den Werken in Südafrika und Indien, mit denen wir im engen Kontakt sind und die uns den nötigen Input geben.

NEUE REIFENZEITUNG: Dann werden die Outdoor-Tests zumindest teilweise auch in diesen Regionen stattfinden müssen.

Peter Snel: Was Testareale anbelangt, so sind wir global sehr gut unterwegs. Unsere Teams wird man in Neuseeland, den USA, in Indien und Südafrika finden. In Europa haben wir beispielsweise in Finnland, Idiada/Spanien, mit dem Nürburgring und Papenburg in Deutschland und selbst hier bei uns in den Niederlanden mit Lelystad alle erdenklichen Versuchsbedingungen.

NEUE REIFENZEITUNG: Welches wird die OE-Marke sein, Apollo oder Vredestein? Wird es auch Homologationen (so für Winterreifen) der zweiten Marke geben?

Peter Snel: Als globale Erstausrüstungsmarke ist Apollo gesetzt. Wir werden aber weiterhin Homologationen für Winterreifen der Marke Vredestein forcieren, schließlich haben wir da eine großartige Tradition.

NEUE REIFENZEITUNG: Das Segment Landwirtschaftsreifen gehört sicherlich nicht zu Ihrem Verantwortungsbereich. Aber in dieser Nische ist Vredestein doch in der Vergangenheit recht erfolgreich gewesen, sodass auch das gepflegt werden muss.

Peter Snel: Die zentrale Landwirtschaftsreifenentwicklung findet bei unseren Kollegen in Chennai statt. Aber der Einwand ist berechtigt. Zwar sind Pkw- und Transporterreifen das Hauptaufgabengebiet in unserer neuen Anlage, wir haben aber auch für einige Kollegen aus dem Agrarbereich bei uns im Gebäude Platz geschaffen. Die Vredestein-Landwirtschaftsreifenentwicklung ist ebenfalls eng mit den Kollegen in Indien vernetzt.

NEUE REIFENZEITUNG: Herr Snel, vielen Dank für die Auskünfte. detlef.vogt@reifenpresse.de

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