Die Formel-1-Reifen der Saison 2013 von Pirelli

Die Formel 1 startet 2013 mit völlig veränderten P-Zero-Slicks und Cinturato-Regenreifen (beide Cinturato-Varianten wurden optimiert und präsentieren sich nun mit neuen Hinterreifen, die die Traktion spürbar steigern sollen) des Exklusivausrüsters Pirelli. Die Entwicklung dieser neuen Reifengeneration entspricht den Wünschen der Teams und den Regeln des Motorsport Weltverbandes (FIA). Die Veränderungen betreffen hauptsächlich die in 2013 weicheren Mischungen und flexibleren Strukturen.

Das Ziel dieser Innovationen ist es, die Performance zu steigern und den thermalen Verschleiß zu erhöhen. So sollen mindestens zwei Boxenstopps pro Rennen garantiert, zudem mehr strategische Optionen ermöglicht werden. Die Seitenwände sind ebenfalls neu designt. Die Farben fallen schneller auf. Außerdem gibt es eine neue Farbe: Die harte Mischung wird statt der silbernen Markierung der vergangenen zwei Jahre einen orangenen Schriftzug tragen. Dieser Farbwechsel soll es den Zuschauern besser ermöglichen, die harte Mischung auf einen Blick von der weißen Mediumvariante zu unterscheiden, wenn beide gleichzeitig auf der Strecke sind.

Die Neuentwicklungen bringen eine Gewichtszunahme der einzelnen Reifen mit sich, die sich aber nicht negativ auf die Geschwindigkeit des Rennwagens auswirken dürfte. Im Schnitt wiegt nun jeder Vorderreifen rund 200 Gramm mehr als sein Vorgänger, bei den Hinterreifen sind es 700 Gramm pro Rad. In der Summe ergibt sich also ein Mehrgewicht von rund zwei Kilogramm pro Reifensatz.

„2013 bleibt Pirelli seiner Philosophie treu, die wir schon im vergangenen Jahr umgesetzt haben, als wir die Formel-1-Reifen von 2011 weiterentwickelten“, kommentiert Pirellis Direktor Motorsport Paul Hembery. „Das Ziel ist es, die Fahrer und Teams immer wieder vor neue Herausforderungen zu stellen. Außerdem wollen wir sicherstellen, dass die Teams bei den Reifen alle die gleichen Chancen haben. Die vergangene Saison startete spektakulär mit sieben unterschiedlichen Siegern in den ersten sieben Rennen. Doch mit jedem Grand Prix sammelten die Teams mehr Informationen und verstanden die Reifen immer besser. Das Resultat: Bei den letzten Rennen gab es immer weniger Wettkämpfe und manchmal nur noch einen Boxenstopp. Dieses Phänomen konnten wir schon 2011 beobachten. Viele Fans waren enttäuscht. Und einige Teams baten uns, unsere Reifen dieses Jahr weiter zu entwickeln, um neue Herausforderungen zu bieten. Unsere Kollektion für 2013 mischt die Karten wieder neu. Die Reifen fördern Überholmanöver und garantieren zwei bis drei Boxenstopps pro Rennen.“

Computersimulationen und Tausende von Testkilometern

Während der Entwicklung der P Zeros und Cinturatos für 2013 arbeiteten die Pirelli-Ingenieure mit Computersimulationen. Dabei nutzten sie eine ausgeklügelte Prognosesoftware. Diese Simulationen wurden ergänzt um Labortests der Mischungen und Daten, die während der Rennen 2012 und gesammelt wurden.

Hinzu kamen private Tests, bei denen ein Renault R30 7.000 Kilometer absolvierte. Am Steuer von Pirellis Testauto saßen Jaime Alguersari und Lucas Di Grassi in Jerez, Spa und Barcelona (zwei Tests) sowie Paul Ricard (für einen Test auf nasser Strecke).

Ihr Debüt hat die neue Reifengeneration beim ersten Formel 1-Test Anfang Februar in Jerez.

Die dominierende Charaktereigenschaft der Formel-1-Reifen 2013 von Pirelli sind die weicheren Mischungen. Dadurch erreichen die Slicks schneller ihre Betriebstemperatur und liefern um 0,5 Sekunden schnellere Rundenzeiten im Vergleich zur vergangenen Saison.

Die schnelle Entwicklung der Reifentechnologie von Pirelli ermöglicht es, dass der neue harte Slick – der P Zero Orange – ähnlich weich ist wie der Medium von 2012. Das Ergebnis ist ein schnellerer thermaler Verschleiß. Außerdem hat der Reifen ein größeres Temperaturfenster, in dem er Höchstleistung liefern kann. Die Traktion wurde – so der Hersteller – auch verbessert, vor allem am Kurvenausgang, beim Beschleunigen und beim Bremsen. Das führt zu schnelleren Rundenzeiten. Die Fläche, auf der das Gummi in Kontakt mit der Fahrbahn kommt, wird hierdurch vergrößert. Die Reibungshitze verteilt sich auf eine größere Oberfläche, sodass einer möglichen Blasenbildung besser vorgebeugt wird.

Der Zeitunterschied zwischen den Mischungen beträgt laut der Berechnungen nun mehr als eine halbe Sekunde pro Runde. Ein deutlicher Unterschied zum vergangenen Jahr, in dem die Differenz oft kleiner war, insbesondere in der zweiten Saisonhälfte. Der schnellere thermische Abbau und der größere Leistungsunterschied zwischen den einzelnen Mischungen führen zu häufigeren Überholmanövern.

Jedem Auto werden per Barcode elf Slicksätze zugewiesen

Die Formel-1-Reifen werden in den Laboren von Pirelli in Mailand entwickelt und in einer Fabrik im türkischen Izmit produziert. Nachdem sie die Qualitätskontrolle und andere Überprüfungen durchlaufen haben, werden die Reifen zum Logistikzentrum von Pirelli im britischen Didcot geschickt. Von dort werden sie an die einzelnen Rennstrecken geliefert. Jedes Auto erhält pro Rennwochenende elf Reifensätze: sechs der härteren und fünf der weicheren Mischung. Insgesamt hat Pirelli zu jedem Rennen 1.800 Reifen im Gepäck.

Die Reifen werden, den FIA-Regeln entsprechend, jedem Team mittels des Barcodes zufällig zugeteilt. Vertreter der FIA verteilen die Reifen an die Teams. Pirelli ist in diesen Prozess nicht involviert. Jeder Reifen hat einen Barcode, der noch vor der Vulkanisation in die Seitenwand eingefügt wird. Dieser Barcode ist praktisch der „Personalausweis“ des Reifens.

Das Pirelli-F1-Team an der Strecke besteht in diesem Jahr aus rund 55 Mitarbeitern. Dazu gehören Reifenmonteure, Logistikexperten, Hospitality-Mitarbeiter und Ingenieure. Wie immer hat jedes Team einen Pirelli-Ingenieur, der nur für sie zuständig ist. dv

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