SDS Systemtechnik: Argumente gegen Shearografie gibt es keine

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Runderneuerer – ob klein oder groß, industriell oder handwerklich geprägt – können nach den besten Prozessen und mit den besten Maschinen arbeiten und dabei auch noch das beste Material verwenden, wenn die genutzte Karkasse nichts taugt, taugt auch der fertig runderneuerte Reifen nichts. Der Ausfall eines Runderneuerten auf dem Kundenfahrzeug ist das Schlimmste, was passieren kann. Daher empfehlen Experten wie Stefan Dengler, sich in jedem Fall um eine hochwertige und lückenlose Eingangskontrolle der Karkassen zu bemühen. Die Sichtkontrolle ist gut, aber auch der erfahrenste Karkassenprüfer kann nicht in den Reifen hineinblicken, so der Geschäftsführer von SDS Systemtechnik. Wichtigstes technisches Hilfsmittel dabei ist die Shearografie, die sich jeder Runderneuerer leisten könne und leisten sollte.

„Die Qualität eines runderneuerten Reifens hängt unmittelbar von der Qualität der Karkasse ab“, sagt Stefan Dengler. „Schäden im Inneren des Karkassenaufbaus sind auch für einen sehr erfahrenen Kontrolleur nicht sichtbar. Vermeintlich schlechte Karkassen – äußerlich – sind oft ohne Mängel. Und optisch ‚wunderschöne’ Karkassen mit gleichmäßigem und sauberem Verschleißbild haben umlaufende Gürtelkantenlösungen und würden im nächsten Leben ausfallen“, so Dengler weiter im Gespräch mit der NEUE REIFENZEITUNG. Lediglich moderne Shearografie-Systeme könnten wirklich in die Karkasse hineinsehen und dort Defekte erkennen, die auch ein erfahrener Prüfer einfach nicht sehen kann, da sie im Innern des Reifens verborgen sind.

Auch wenn in Deutschland, Österreich oder Großbritannien entsprechende Systeme zwar noch nicht flächendeckend, wohl aber „überwiegend“ genutzt werden, gibt es Dengler zufolge in Südeuropa – hier etwa auf dem großen italienischen Runderneuerungsmarkt – noch Nachholbedarf; dort arbeite heute vielleicht jeder zweite Runderneuerer mit einem Shearografie-System. Auch die Kosten für ein solches System, die in Abhängigkeit zum Automatisierungsgrad und zum möglichen Durchsatz an Karkassen zwischen 100.000 und 150.000 Euro liegen, dürfe eigentlich kein Runderneuerer als Grund gelten lassen, sich gegen die Eingangskontrolle per Shearografie zu entscheiden. Einerseits könnten bereits frühzeitig mangelhafte Karkassen aussortiert werden, ohne dass im Runderneuerungsprozess weitere Kosten bei der Bearbeitung der defekten Karkasse durch das Rauen, Belegen und Abheizen entstehen. „Damit lässt sich die größte Einsparung durch die Verwendung erzielen.“

Außerdem verlangsame sich die Eingangskontrolle durch die Nutzung eines Shearografie-Systems nicht notwendigerweise, so Stefan Dengler weiter. In der Regel könne die herkömmliche Sichtkontrolle durch den Eingangsprüfer deutlich verkürzt werden, kann dieser sich doch auf den ‚Blick’ der Shearografie verlassen. „Bei einer entsprechenden Einbindung mit Fördertechnik und Barcodesystem ist sogar eine zum Teil deutliche Verbesserung des Durchsatzes im Bereich der Eingangskontrolle zu sehen“, so der SDS-Systemtechnik-Geschäftsführer weiter; ein erfahrener Karkassenprüfer mit einer Shearografie sei indes sogar „besser, sicherer und schneller. Das Ergebnis ist dokumentiert“, betont Dengler.

Der Gründer und Chef von SDS Systemtechnik mit Sitz im baden-württembergischen Calw weist in diesem Zusammenhang noch auf eine weitere Tatsache hin, die auch kleine Runderneuerer von der Investition in ein Shearografie-System überzeugen sollte: Karkassen sind in Deutschland und in ganz Europa knapp und werden dadurch ständig teurer. Folglich entstehe heute ein noch größerer betriebswirtschaftlicher Schaden, wenn ein Runderneuerer defekte Karkassen weiterverarbeitet, die dann später einmal – entweder noch in der Produktion oder beim Kunden am Fahrzeug – ausfallen. Gleichzeitig sorge die Situation bei den Karkassen aber auch dafür, dass sich die Investition in ein Shearografie-System früher amortisiert als in Zeiten, in denen Karkassen im Überfluss verfügbar sind. Dengler zufolge gebe es heute „aus meiner Sicht“ keine Konstellation aufseiten eines Runderneuerers, die gegen die Anschaffung eines Shearografie-Systems sprechen würde. „Das wird sich aufgrund der Karkassensituation noch verstärken.“

Als nach der Einführung der neuen Technologie in den 1970er Jahren später Unternehmen wie Gummi-Mayer in Landau oder Vergölst in Bad Nauheim die ersten Shearografie-Systeme in Europa in Betrieb nahmen, bedurfte es beinahe noch der Expertise eines Physikers, so Dengler, um diese zu betreiben, entsprechend hoch waren die Anforderungen an das Personal im Umgang mit der Prüftechnik. Diese ersten Anlagen waren sehr aufwendig im Unterhalt wie auch im Betrieb; es wurde damals mitunter mit fünf D-Mark pro Prüfgang kalkuliert. „Ich meine von mir behaupten zu können, dass ich die ersten Anlagen entworfen und gebaut habe, die die Prüftechnik in den Hintergrund gestellt haben. Und heute sind diese Prüfverfahren individuell und industriell einsetzbar, ohne dass man sich noch über die ‚Physik’ und die exzessive Bilderverarbeitung im Hintergrund Gedanken machen muss. Das führt heute eher dazu, dass manchem Anwender die nötige Sorgfalt im Umgang mit der Technik fehlt und eher eine Technikgläubigkeit aufkommt. Da schließt sich aber wieder der Kreis, dass der erfahrene Fachmann zusammen mit der Shearografie eine starke Einheit ist. Das ist im Übrigen gerade bei kleineren Runderneuerern ein nicht unerheblicher Vorteil zur industriellen Runderneuerung“, erläutert Dengler.

Die Verbreitung von Shearografie-Systemen ist europaweit noch unterschiedlich und man kommt einer flächendeckenden Einführung „nur sehr langsam“ näher, so Dengler. Bei Lkw-Reifen gibt es – anders als bei Flugzeugreifen – auch keine vorgeschriebene (Ausgangs-)Prüfung, so dass die Nachfrage nach Shearografie-Systemen für die Lkw-Reifenrunderneuerung nicht durch gesetzliche Anforderungen an den Runderneuerer gefördert wird.

Stefan Dengler hat die SDS Systemtechnik GmbH 1998 gegründet; das Unternehmen entstand aus dem „Ingenieurbüro Dengler“. Heute kann das Unternehmen einen Jahresumsatz in Höhe von drei Millionen Euro ausweisen und beschäftigt 17 festangestellte Mitarbeiter im Stammwerk in Calw am Rande des Schwarzwaldes, wo das Unternehmen alle seine Produkte fertigt. Außerdem gibt es ein Repräsentanzbüro in Shanghai. Dabei definiert Dengler die unternehmerischen Ziele seiner Firma nicht anhand des Umsatzwachstums, wie er betont. Der Firmengründer: „Wir verstehen uns als ein flexibles, kundenorientiertes ‚Kompetenzentrum’ in Sachen Reifenprüfung. Dazu gibt es neben der Shearografie auch andere Prüfverfahren, die zum Teil einzigartig sind und zum Beispiel bisher nicht mögliche Prüfergebnisse und Analysemöglichkeiten bei der Dauerprüfung von Reifen ermöglichen. Dabei spielen insbesondere auch Patente zum Schutz unserer Ideen und des daraus resultierenden technischen Vorsprungs eine große Rolle.“

Nicht ohne Stolz verweist Dengler auf einige Schlüsselkunden. „Wir sind auf alle Fälle diejenigen, die Michelin weltweit beliefern, die die jüngsten industriellen Anlagen, zum Beispiel bei Goodyear, ausgestattet haben. Und unsere Systeme sind weltweit bekannt und geschätzt für die hervorragende Bildqualität, die für eine einfache Anwendung Voraussetzung ist, und die einfache robuste Bedienung. Als die Königsklasse würde ich die Flugzeugreifenrunderneuerung sehen, und dort beliefern wir Bridgestone, Michelin, Goodyear und diverse Kleinere – über 25 Systeme weltweit. Nach Anlagen für die OTR-Neureifenindustrie haben wir Anfang des Jahres auch eine Anlage für die Eingangskontrolle der Runderneuerung von Reifen bis 63 Zoll nach China geliefert.“

Die Produkte von SDS Systemtechnik gliedern sich anhand der unterschiedlichen Baugrößen und Verwendungen in drei „ITT“-Serien. Während die Serie „ITT-1“ modular und kompakt ist und von der einseitig be- und entladenden kompakten Maschine mit einem Messkopf bis zur Dreikopf-Maschine mit automatischem Reifenwender und Fördertechnik reicht, steht die „ITT-2“ für eine schnelle und effiziente Shearografie, die typischerweise in der industriellen Runderneuerung und Neureifenfertigung Anwendung findet sowie dynamische Servoantriebe und schnelle Belade- und Entladezyklen bietet, um möglichst viel Reifen pro Stunde prüfen zu können. Daneben gibt es noch die Serie „ITT-OTR“, zu der unterschiedliche, spezifische Sondermaschinen gehören, um die große Bandbreite an OTR-Reifen bis 63 Zoll individuell abzudecken. arno.borchers@reifenpresse.de


Im Stammwerk im baden-württembergischen Calw arbeiten derzeit 17 festangestellte Mitarbeiter für die SDS Systemtechnik GmbH

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