Point-S-Versammlung: „Wettbewerbsfähigkeit durch geschlossenes Handeln“

Auch wenn zurzeit die Stimmung auf dem deutschen Reifenmarkt nicht die allerbeste ist, die Mitglieder der point S Deutschland GmbH verbreiteten anlässlich ihrer diesjährigen Jahreshauptversammlung Ende vergangener Woche in Mainz viel Positives, sehen sie sich doch als Teil eines starken, industrieunabhängigen Händlerverbundes. Vielfaches Lob für seine sachlichen und sachkundigen Auftritte erfuhr dabei Rolf Körbler, der seine erste JHV als alleiniger point-S-Geschäftsführer zu bewältigen hatte und gleich eine Diskussion über das sechs Jahre alte Kosten-/Gebührenmodell der Kooperation anstieß. Die angekündigte Gewinnausschüttung in Höhe von einer Million Euro aus dem Geschäftsjahr 2011, das dem Vernehmen nach zu den „erfolgreichsten Jahren“ überhaupt zählt, wurde ebenfalls positiv aufgenommen.

Organisationen wie die point S Deutschland GmbH wachsen nicht nur aufgrund einer Eigendynamik enger zusammen, die durch die Zentrale befeuert wird. Sie wachsen auch deswegen zusammen, weil es im ureigenen Interesse der Mitglieder der Organisation liegt, gemeinsam am Markt aufzutreten, also Kräfte zu bündeln, und somit im härter werdenden Wettbewerb mit industriegeführten und industrienahen Verbünden zu bestehen. Gerade in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten entdecken die Mitglieder zunehmend ihre Gemeinsamkeiten, auch wenn sie dabei der Versuchung widerstehen müssen, sich selber von der Kooperation zu distanzieren oder gar loszusagen in dem Glauben, der somit reduzierte finanzielle Aufwand könnte den Nutzen steigern. Insofern reagiert auch eine Organisation wie die point S Deutschland auf wirtschaftliche und andere Krisen wie Europa – man rückt zusammen und wagt mehr Gemeinschaft.

Geschäftsführer Rolf Körbler nutzte einen simplen rhetorischen Kniff, um den zur Jahreshauptversammlung der point S Deutschland nach Mainz gereisten Reifenhändlern von dem Nutzen einer engmaschigen Zusammenarbeit zu überzeugen: Er listete in seiner Abschlussrede alle Angebote und Dienstleistungen auf, über die die aktuell 480 Partner – 205 davon sind sogenannte Vollgesellschafter – der Kooperation verfügen können. Einkauf, Verkauf, Marketing, Werbung, IT, Internet, Warenwirtschaft, Beratung, Schulungen, Coaching, Autoservice etc. pp. – das Angebot, das die point S ihren Mitgliedern machen kann, ist immens und wächst kontinuierlich.

Die point S zeichnet sich eben heute nicht mehr durch ihren Gründungsakt als Einkaufsgemeinschaft aus. Auch wenn die Bündelung des Einkaufs für viele Reifenhändler immer noch zentraler Beweggrund ist, sich einem Verbund anzuschließen, so ist das zentrale Merkmal der Kooperation point S heute das der Dienstleistungskooperation. Die Evolution der point S hin zu ihrem aktuellen Integrationsgrad will auch Geschäftsführer Rolf Körbler den Partnern in Erinnerung rufen. Denn: Wer günstig einkauft, hat noch nicht per se viel verdient. Auch wenn die point-S-Einkäufer Christian Trottnow (Pkw), Christian Vogel (Lkw), Michael Gries (Kompletträder) und Matthias Böhme (Autoservice) zuvor die Ergebnisse ihrer Arbeit umfassend präsentierten – ob spezielle Valutaregelungen, Rückvergütungen, Sonderausschüttungen, Overhead-Zahlungen oder Zahlungsziele – und die „Wettbewerbsfähigkeit durch geschlossenes Handeln“ (Körbler) steigt, so könnten sich die point S und ihre Partner doch eben nicht über den Preis am Markt behaupten. Eine „Preisführerschaft“, so der point-S-Geschäftsführer weiter, „können wir mit unseren Strukturen nicht durchsetzen, sehr wohl aber eine Qualitätsführerschaft – Qualität, das können wir!“

Der eine oder andere mochte sich in diesem Zusammenhang an ein Spiel erinnert fühlen, bei dem derjenige verliert, der als erstes zuckt. Die Entwicklung der Preise auf dem deutschen Reifenmarkt geht derzeit vor allem in eine Richtung: nach unten. Auch wenn ein Preis „VK unter EK“ betriebswirtschaftlich nicht immer Sinn macht, selbst wenn damit Liquiditäts- und Kapitalbindungsprobleme behoben werden können, so dürfe man diesem Trend nicht einfach so folgen, appellierte Körbler.

Die Angebote und Dienstleistungen der Zentrale sind für die point-S-Partner in der Regel kostenlos und werden über die Dienstleistungspauschale der Kooperation finanziert. Gerade dies spricht dafür, möglichst umfangreichen Gebrauch davon zu machen, auch wenn entsprechende Pauschalabrechnungen vielleicht nicht immer die beste Lösung sind. Gerade diejenigen, die von den Angeboten und Dienstleistungen nur wenig Gebrauch machen, verstehen sich oft als ‚Nettozahler’. Laut Körbler habe jedes Angebot, jede Dienstleistung der point-S-Zentrale einen Wert, demgegenüber auch einmal ein Preis stehen könnte. Wichtig ist es dem point-S-Geschäftsführer daher zu betonen: „Alles, was wir machen, muss Ihnen dienen und soll unserer Kooperation zum Erfolg verhelfen; so werden auch Sie erfolgreicher.“

Es ist gerade das Kosten-/Gebührenmodell, das über die allgemeine Akzeptanz der Kooperation und ihrer Zentrale entscheidet. Dazu hatte Rolf Körbler im geschlossenen Teil der Sitzung Ideen für etwaige Veränderungen unterbreitet und eine Diskussion angestoßen, die jetzt in den Regionalgremien geführt werden soll. Dass es dazu in einer Organisation mit 480 Partnern ein breites Spektrum an Meinungen gibt, versteht sich. Man dürfe aber die Errungenschaften der Dienstleistungskooperation nicht als letzten Schritt vor einer Aufgabe der unternehmerischen Unabhängigkeit verstehen. „Alle Leistungen der Zentrale unterstützen Ihre Selbstständigkeit“, unterstrich Körbler und betonte weiter: „Aber wenn Sie sich für point S entschieden haben, gehen Sie diesen Weg auch konsequent.“ Man müsse sich eben „den Wert von point S immer wieder in Erinnerung rufen“, appellierte der Geschäftsführer weiter und erntete dafür reichlich Applaus. arno.borchers@reifenpresse.de

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