Oxigin und Carmani sind die Marken der AD Vimotion

Arif Oliver Bekat blickt bereits auf mehr als zwei Jahrzehnte Erfahrung in der Aluminiumräderbranche zurück. Das erste Jahrzehnt war dabei recht bewegt und gekennzeichnet von viel Lehrgeld, das er bezahlen musste: eine Zeit, die er dennoch nicht missen möchte, denn all die Ereignisse jener Jahre haben ihn doch irgendwie vorangebracht und zur AD Vimotion GmbH (Unterensingen bei Stuttgart) geführt, deren 50-Prozent-Gesellschafter er ist.

Das „A“ im Unternehmensnamen steht für den ersten Buchstaben seines Vornamens, das „D“ für den seines Freundes und Kompagnons Denis Van Ransbeeck, eines Belgiers, der einmal Bekats Kunde war. Bekats Enthusiasmus für außergewöhnliche Räderdesigns wie sie sich in den beiden Rädermarken Oxigin und Carmani widerspiegeln mag es wohl gewesen sein, der zur Grundlage dieser Partnerschaft wurde.

Bereits mehr als eine Dekade ist Bekat bereits mit „Oxigin“ im Markt, gehört also längst nicht mehr zu den Unternehmen, die sich dem Verdacht ausgesetzt sehen, so etwas wie „Eintagsfliegen“ zu sein. Aufgrund seines Erfahrungsschatzes lautete bei Gründung des Unternehmens die Geschäftsphilosophie „Klein – Fein – Gut“ und hat sich bewährt. Die Designs der Marke Oxigin polarisieren, sie gefallen oder werden abgelehnt. Das ist durchaus so gewollt. Dass Mehrteiler aktuell ein wenig „out“ sind, wird bedauert. Davon lassen will man nicht, obwohl das Mehrteilergeschäft betriebswirtschaftlich gesehen eigentlich in Frage zu stellen wäre, das Herz hängt halt dran.

Ein Volumenanbieter im Rädermarkt will Bekat nicht sein, dennoch konnte er dieses Segment offensichtlich nicht ausblenden und kreierte Mitte des letzten Jahrzehnts mit „Carmani“ eine zweite Marke, die unterhalb von Oxigin positioniert sein sollte. Doch obwohl sie das gewiss auch ist, konnte Bekat nicht heraus aus seiner Haut und gibt auch den Carmani-Designs einen Touch, der sie dem Mainstream entzieht. Bei der jüngsten Neuerung aktuell zur Frühjahrssaison 2012 ist das gewiss so: Das Unternehmen offeriert jedes Rad, das es in der Basis in schwarz poliert (black polish) gibt, zusätzlich in sechs Farbtönen (pink polish, orange polish, red polish, green polish, gold polish und blue polish, dabei handelt es sich um eine spezielle Lasur). Während ansonsten die Felgen „just in time“ gefertigt und so zeitnah an die Kunden ausgeliefert werden, beträgt die Lieferzeit bei bunten Rädern allerdings 14 Tage.

Mit der Designsprache von Oxigin ging etwas einher, was gar nicht unbedingt in dieser Form so geplant war: Vor allem Oxigin-, aber selbst Carmani-Räder entziehen sich nicht nur im Aussehen dem Massengeschmack, sie haben vielfach auch das Image, etwas ganz Besonderes zu sein. Mit einer Nebenwirkung, die Arif Oliver Bekat nicht so unbedingt gefällt: Die von ihm angebotenen Räder gelten als teuer, zu teuer für manchen Kunden. Der Blick auf die tatsächlichen Preise allerdings verrät, dass sich die Marke Oxigin im Wettbewerbsvergleich eher an der Schwelle vom Mittelpreis- zum Premiumsegment bewegt, Carmani an der Schwelle vom Budget- zum Mediumsegment. Ein Paradoxon: das gute Image als Verkaufshemmnis.

Eine Lehre aus seiner „Sturm-und-Drang“-Periode hat Bekat gezogen: Von Qualität sollte man nicht nur reden, man muss sie auch gewährleisten. In diesem Sinne kommen sämtliche Oxigin-Räder und teilweise auch die der Marke Carmani von Anfang an und bis heute aus allgemein anerkannter mitteleuropäischer Fertigung. Ja, Carmani-Räder würden auch aus Fernost, jedoch auch aufgrund der Strafzölle kaum noch aus China bezogen. Der „Schwabe“ in ihm, der zwar auch auf den Preis, noch mehr aber auf die Qualität schaue, gewährleistet, dass die Räder die hiesigen Ansprüche ohne Einschränkungen erfüllen und sämtlichen TÜV-Anforderungen genügen. In so langer intensiver Branchenzugehörigkeit werde man fast automatisch auch zu einem Experten in vielerlei Fragen rund um die Produktion von Leichtmetallrädern.

Etwa 15 Mitarbeiter hat die AD Vimotion zurzeit, eingeschlossen sind dabei die vier Außendienstler. Einerseits ist eine Leichtmetallfelge nach dem Bekat-Selbstverständnis ein beratungsbedürftiges Produkt, andererseits verlangen gerade die Stylings beider Marken, deren Idee ein hohes Maß an Fahrzeugindividualisierung beinhaltet, nach dem persönlichen Kontakt. Für Oxigin und Carmani ist ein Außendienst erforderlich.

In dem Lager am Firmensitz Unterensingen, das Bekat vor einigen Jahren in Anbetracht der Nähe zur Metropole Stuttgart erstaunlich günstig erwerben konnte, sind etwa 16.000 Räder auf Lager, viel mehr ist nicht möglich, viel mehr soll es auch gar nicht sein. Mitarbeiterzahl, Um- und Absatz – das sei gerade in einem sehr ausgewogenen Verhältnis, die Unternehmensstruktur gesund. Prinzipiell ist der Felgenanbieter eher rohertrags- denn umsatzorientiert. Wenn mit der Marke Oxigin pro Jahr 40.000 Einheiten und vor allem dank des Wintergeschäftes mit Carmani gut 60.000 Einheiten vermarktet werden, dann hat der Räderprofi seine Ziele erreicht. Das Deutschlandgeschäft entwickelt sich deutlich überproportional, die Marken sind bei fast allen Ketten gelistet. Außer zur Tuning World Bodensee, zur Essen Motor Show und zur „Reifen“ zieht es das Unternehmen mit seinem Ausstellungsstand und den dort als Eyecatcher präsentierten veredelten Autos auf die Hausmessen der Kooperationen und Handelsketten. Beim Export gab es keine Einbußen, aufgrund des Wachstums im Heimatmarkt aber ist der Exportanteil aktuell auf unter dreißig Prozent gesunken.

Arif Oliver Bekats Vater kommt aus der Türkei, die Mutter aus Bayern, er ist in der Region verwurzelt, in der er aufgewachsen und seine Firma ansässig ist. Dennoch zieht es ihn immer wieder hinaus und er wird auf allen großen automobilen Messen dieser Welt gesichtet. Auch um Exportkunden – angestrebt ist ein Importeur pro Land – aufzusuchen, vor allem aber um neue Designideen aufzusaugen, Bekat ist immer auf der Suche nach Neuem. Dass die Suche nach innovativen Stylings seine automobile Leidenschaft widerspiegelt, dass er vom „Räderbazillus“ befallen ist, sieht man Bekats Kreationen an. Er wird es nicht bestreiten wollen. detlef.vogt@reifenpresse.de

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