Obamas Glaube und die Wirklichkeit über die US-Strafzölle gegen China

Groß waren die Erwartungen in den USA, als die Obama-Regierung vor über zwei Jahren Strafzölle gegen Pkw-Reifenimporte aus China einführte. Jobs sollten gesichert werden, neue in der heimischen Reifenindustrie entstehen. „Über 1.000 Amerikaner haben heute einen Job, weil wir die Flut chinesischer Reifen gestoppt haben“, sagte US-Präsident Barack Obama jetzt in seiner „State of the Union Address“ und stellte die Maßnahmen als Erfolg dar. Der Glaube jedenfalls, Amerikaner würden nach der Einführung der Strafzölle gegen vermeintliche Billigreifen aus China auf einmal wieder Premiumprodukte aus heimischen Fabriken kaufen, hatten sich US-Hersteller doch selbst schon vor längerer Zeit von der Produktion von Budgetreifen verabschiedet, wird jetzt in seinen Grundfesten erschüttert. Führende Medien wie Forbes oder das Wall Street Journal konfrontieren den Präsidenten kurz nach seiner Rede mit neuesten Zahlen zu den Jobs in der US-amerikanischen Reifenindustrie und zu den Reifenimporten.

Danach wird eines klar: Die Strafzölle gegen chinesische Reifen wie auch andere Maßnahmen haben die Handelsbeziehungen zwischen den USA und China durchaus verschlechtert, der heimischen Reifenindustrie und den Verbrauchern hat es jedenfalls nichts gebracht. Im Gegenteil. Amerikaner kaufen weiterhin Reifen aus dem Preissegment, nur stammen diese dann eben nicht mehr so häuftig aus China. Wie es heißt, gingen die Reifenimporte aus China zwischen 2009 und 2011 um 30 Prozent zurück. Gleichzeitig wurden 30 Prozent mehr Reifen aus Kanada importiert. Aber auch andere Ländern konnten sich über die US-Strafzölle gegenüber China freuen, fanden die Warenströme doch andere Wege in die Vereinigten Staaten. Aus Südkorea etwa kamen 110 Prozent mehr Reifen in die USA, aus Japan 44 Prozent, aus Indonesien 152 Prozent, aus Thailand 154 Prozent, aus Mexiko 117 Prozent und aus Taiwan sogar 285 Prozent, heißt es dort unter Bezug auf Zahlen der U.S. International Trade Commission (jeweils Januar bis Juni).

Dass chinesische Low-Budget-Reifen jetzt in den USA kaum mehr wettbewerbsfähig sind, müssen sie doch auf dem Einstandsniveau vieler andere Marken angeboten werden, zahlt die Zeche letzten Endes der Endverbraucher – Billigstreifen werden kaum mehr angeboten.

Aber auch die Zahlen, die Präsident Barack Obama zu den neuen Jobs in der Reifenindustrie vorlegt, werden auch von führenden US-Medien in einem neuen Licht präsentiert. Unter Bezug auf das U.S. Bureau of Labor Statstics hätten im vergangenen Jahr 51.700 Menschen in den Reifenfabriken des Landes gearbeitet. Dies seien aber nur 100 mehr als in 2010 und 3.300 weniger als im Jahr der Einführung der Strafzölle gegen chinesische Billigimporte 2009. Im Jahr 2000 fanden in den US-Reifenfabriken noch 86.800 Menschen ein Auskommen. Folglich hätten die heimischen Hersteller schon lange bevor chinesische Produzenten einen nennenswerten Anteil am US-Reifenmarkt erobern konnten, selber große Teile ihrer Produktionen ins billigere Ausland verlagert. Das Magazin Forbes beschreibt China demnach als „Sündenbock“ für Entwicklungen, die von der US-Reifenindustrie vorangetrieben wurden. arno.borchers@reifenpresse.de
 

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