Verlässt Miraton Michelin? – „Neue Ausrichtung“ und „alte Hirngespinste“

Didier Miraton will Michelin offenbar verlassen. Wie die Onlineausgabe der französischen Tageszeitung „Le Monde“ heute ohne Nennung der Quellen berichtet, werde für Morgen mit einer entsprechenden Ankündigung gerechnet. Wie die Zeitung schreibt, spielten sich bei Michelin gerade mit Blick auf Forschung und Entwicklung – dem „Heiligsten aller Heiligtümer“ beim französischen Reifenhersteller – „kulturelle Veränderungen“ ab, die Didier Miraton offenbar nicht mehr mitzutragen bereit sei. Der Ingenieur Miraton (53) leitete die Forschungs- und Entwicklungsabteilung bei Michelin unter Edouard Michelin und war 2007 – nach Michelins Unfalltod im Vorjahr – durch Michel Rollier als Non-General Managing Partner in das dreiköpfige Führungsgremium des Reifenherstellers geholt worden. Dort stand er mit seiner mittlerweile 29-jährigen Michelin-Laufbahn „für Kontinuität der Epoche, als die Familie Michelin die Gruppe noch leitete“, schreibt „Le Monde“ weiter. Unter der Leitung von Michel Rollier und durch die Ernennung von Jean-Dominique Sénard zu dessen Nachfolger hätten sich „die Praktiken grundlegend verändert“, so die Zeitung weiter.

Bei Michelin sei man insbesondere der Ansicht, man sei „hinter den Besten der Branche“ – namentlich: Bridgestone – zurückgefallen, so die Zeitung. „Unter den Michelins hatte das Unternehmen in Erwartung einer bahnbrechenden Innovation gelebt, die die Gruppe retten kann.“ Die Zeitung weiter: „Die neue Ausrichtung ist der Einsicht geschuldet, welche Gefahr sich in dieser abwartenden Haltung befindet, und bricht mit den Hirngespinsten.“ Die Zeitung führt in diesem Zusammenhang etwa das Pax-System sowie das Produktionsverfahren C3M an – beides mittlerweile Dinge der Vergangenheit. Rollier und Sénard seien überzeugt, man müsse das „Trennende“ zwischen Forschung und Entwicklung und dem Rest des Unternehmens abbauen, um die Entwicklungszeit neuer Produkte zu beschleunigen und um mehr auf Linie mit den Erwartungen der Kunden zu kommen. Eine Konkretisierung entsprechender Veränderungen im Unternehmen, die auch als Normalisierungen verstanden werden können, sei etwa der Bau des neuen F&E-Zentrums in Clermont-Ferrand, findet die Zeitung weiter. Die offene Architektur des Gebäudes allein symbolisiere eine übergreifendere Organisation.

Miratons aktueller Vertrag läuft noch bis Mai kommenden Jahres. Unternehmenssprecher wollten den „Le Monde“-Bericht nicht kommentieren. ab

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