Hankook Deutschland lässt Pläne zur Realität werden

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Spätestens seit Hankook Tire im Sommer 2007 sein Reifenwerk in Ungarn in Betrieb genommen hat ist allen klar: Der Hersteller meint es ernst mit dem europäischen Reifenmarkt. Wenn in diesem Sommer die zweite Ausbaustufe in dem Pkw-Reifenwerk in Betrieb genommen wird, dann kann Hankook in und für Europa jährlich 12,5 Millionen Pkw-Reifen fertigen. Ob dies für den ambitionierten Hersteller reicht, der sich bei Reifen unter den fünf führenden Marken in Europa sieht, muss sich zeigen. Der Weg jedenfalls, den Hankook in Europa eingeschlagen hat, zeigt weiterhin auf Wachstum, wie die NEUE REIFENZEITUNG bei einem Gespräch mit der Führungsmannschaft der Hankook Reifen Deutschland GmbH erfuhr.

Dietmar Olbrich sieht einige wenige, wenn auch wichtige Gründe, die die „Erfolgsstory Hankook“ in Deutschland und Europa erklären können. Der neue Executive Director der deutschen Vertriebsgesellschaft des koreanischen Reifenherstellers mit Sitz in Neu-Isenburg bei Frankfurt nennt zu allererst die Qualität der entwickelten Reifen, die nicht nur seiner Meinung nach „herausragend“ sei. Man sei „mit guten Testergebnisse gesegnet“, so Olbrich, der die Geschicke Hankooks in den deutschsprachigen Ländern seit über einem Jahrzehnt bestimmt. Und in der Tat, es gibt kaum einen Test einer namhaften Zeitschrift oder Institution, der heute ohne einen Hankook-Reifen auskäme. Aber nicht nur das: Die Reifen schneiden zumeist auch hervorragend ab, sodass Hankook heute eine ganze Reihe von Testsiegerreifen im Sortiment hat. Dazu zählen etwa der S1 evo, der Ganzjahresreifen Optimo 4S oder auch der Ventus Prime.

Und Hankook investiert kräftig in Forschung und Entwicklung. Nicht nur, dass sich das Unternehmen ein Entwicklungszentrum in Deutschland mit über 40 Ingenieuren leistet, das – so ist zu hören – weiter kontinuierlich ausgebaut werden soll. Neben diesem „Europe Technical Center“ (ETC) in Hannover-Langenhagen investiert der Hersteller derzeit in den kompletten Neubau des globalen Forschungs- und Entwicklungszentrums im koreanischen Daejeon, wo Hankook auch seine größte Fabrik betreibt; 2013 ist die Einrichtung bezugsfertig. Gerade was die Entwicklung von Reifen für den europäischen und insbesondere den deutschen Markt betrifft, so kann Hankook auch in seiner hiesigen Vertriebsorganisation auf Mitarbeiter vertrauen, die die Bedürfnisse der Kunden ins ETC übermitteln und dort dadurch mithelfen, aus einem Projekt ein Produkt zu machen. Insbesondere was den „Entwicklungsschwerpunkt High-Performance-Reifen“ betrifft, so leistet der bisherige Tuningverantwortliche und frisch gebackene Sales Direktor Mitte Roland Hehner einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung des Hankook-Sortiments. Hehner, der ebenfalls seit Jahren für Hankook Reifen Deutschland tätig ist, betont in diesem Zusammenhang allerdings, dass Hankook sich nicht ausschließlich als Hersteller von High-Performance-Reifen sieht und sich darüber definiert. Im Gegenteil: Auch auf umweltfreundliche Leichtlauflaufreifen wie den Kinergy Eco, der erst vor einigen Monaten eingeführt wurde, lege man besonderen Wert; Hankook sei bei Pkw-Reifen „Vollsortimenter“.

Ein weiterer Grund, den die Führungsmannschaft von Hankook Reifen Deutschland für das deutliche Wachstum während der vergangenen Jahre weiß, ist die überdurchschnittliche Lieferfähigkeit. Aktuell wird jeder einzelne Reifen, der im Werk in Ungarn gebaut wird, auch in Europa vermarktet – und das sind ab diesem Sommer auf’s Jahr gerechnet eben 12,5 Millionen. Bisher mussten darüber hinaus noch Reifen aus den Fabriken in Korea und China hinzuimportiert werden, um den hiesigen Bedarf zu decken. Aber „unsere Reifen“ seien eben verfügbar, betont Olbrich.

Dazu muss man anerkennen, dass Hankook – vor über einem Jahrzehnt in Europa kaum zu Hause – sich in den vergangenen Jahren ganz bewusst für Wachstum auf dem europäischen Markt entschieden hat. Wenn die beiden neuen Fabriken in China und Indonesien fertig sind, für die das Unternehmen insgesamt 970 Millionen Euro investiert, verfügt Hankook über Kapazitäten zur Herstellung von rund 100 Millionen Reifen. Dennoch kann man Hankook ohne Gefahr auf den nord- und lateinamerikanischen Märkten als nicht besonders stark entwickelt bezeichnen. Dies ist auch kein Wunder, hat der Hersteller doch ganz bewusst den Fokus auf ein Wachstum in Europa – und in China, muss ergänzt werden – gelegt.

Reifen waren und sind aber nicht nur verfügbar, weil Hankook sich ganz gezielt den europäischen und damit auch den zentralen deutschen Reifenmarkt als Hauptziel für seine Wachstumsaktivitäten vorgenommen hat. „Hankook hat auch Fabriken gebaut“, betont Dietmar Olbrich, der das deutsche Vertriebsteam unter dem koreanischen Geschäftsführer Hyun-Jun Cho leitet. In der Zeit, als Hankook in Ungarn, Korea und China Kapazitäten aufgebaut hat, zeigten sich viele andere Reifenhersteller beeindruckt von den Folgen der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise, reduzierten Kapazitäten und schlossen zum Teil sogar Werke. Dass jetzt am Ende der Krise beinahe jeder namhafte Hersteller neue Fabriken baut, sei nur normal – dazu zähle schließlich auch Hankook. Aber auch in Zeiten der Rezession zu wachsen, das sei schon etwas anderes.

Ein Reifenhersteller, der auf Wachstumskurs ist, kommt irgendwann an einen Punkt, wo er sich auch für die Entwicklung der eigenen Marke interessieren muss. Sei das Produkt und die Produktion noch so wichtig, man muss auch das Bewusstsein der Endverbraucher für die Marke schärfen, bei ihnen die Überzeugung festsetzen, die eine Marke sei einer anderen vorzuziehen, was im Fachjargon gerne mit „Awareness“ umschrieben wird. Dazu hat Hankook erst jüngst zwei große Initiativen auf den Weg gebracht.

Einerseits ist der Hersteller seit diesem Jahr offizieller Reifenlieferant und Partner der DTM und hat dort unerwartet Dunlop abgelöst. Und wie die Ergebnisse der ersten DTM-Rennen auf den neuen Hankook-Reifen zeigen, scheint der Wechsel ohne nennenswerte Probleme vonstatten zu gehen. Hankook liefert aber nicht nur Reifen für die in Europa und insbesondere in Deutschland so populäre Rennserie, sondern ist seit zwei Saisons offizieller Sponsor des Bundesligisten Borussia Dortmund – frisch gebackener Deutscher Fußballmeister. Seit März ist Hankook sogar offizieller „Champion Partner“ des BVB. Das Engagement in der DTM und im Bundesliga-Fußball bei Borussia Dortmund sowie zusätzlich beim VFL Wolfsburg, bei Bayer Leverkusen und dem VFB Stuttgart helfe dabei, die Marke positiv zu besetzen und letztendlich mehr Reifen zu vermarkten, ist man Hankook überzeugt. Darüber hinaus beteiligt sich der Reifenhersteller aber noch an zahlreichen anderen Motorsportserien oder Initiativen. Dazu zählt etwa der Langstreckensport zusammen mit dem Team Farnbacher oder die Verkehrssicherheitskampagne „Tune it! Safe!“, die Hankook als Gründungspartner seit sechs Jahren unterstützt.


Hankook ist seit dieser Saison offizieller Reifenlieferant der DTM und unterstreicht damit die Bedeutung, die man mittlerweile der Marke und der Markenbildung beimisst

Fragt man am Sitz der deutschen Hankook-Vertriebsgesellschaft nach der aktuellen Position des Hersteller im Wettbewerbsumfeld, bekommt man eine direkte Antwort: „Wir können heute behaupten, wir sind Premium.“ Hankook habe die Produkte, die sich in Reifentests immer wieder beweisen, Hankook habe ein Marketing, das ebenfalls international mehr als wettbewerbsfähig ist, und Hankook habe ein Sortiment sowie die dazugehörigen Produktionskapazitäten, mit denen Wachstumsziele glaubhaft formuliert und erreicht werden können. Als Dietmar Olbrich 1996 bei Hankook in Deutschland anfing, hatte man das Ziel von fünf Prozent Marktanteil in Europa im Visier. Das sollte dem koreanischen Reifenhersteller zumindest bei Pkw-Reifen in zahlreichen europäischen Märkten mittlerweile gelungen sein; in Großbritannien sieht man sich darüber hinaus innerhalb der Top 3 unter den angebotenen Lkw-Reifenmarken. Während Hankook in Großbritannien rund 15 Prozent seines Europaumsatzes generiert, steht der größere deutsche Markt sogar für knapp ein Drittel der Hankook-Umsätze und ist somit größter Einzelmarkt in Europa. Gemessen an verkauften Stückzahlen gehört Hankook in Europa demnach sicherlich mittlerweile zu den führenden Reifenmarken. Allerdings, so fügt Executive Director Dietmar Olbrich hinzu, seien vielen Hankook-Händler der Ansicht, das Preisgefüge der Produkte sei immer noch zu niedrig. Es ist sicher richtig, dass Hankook preislich schon länger nicht mehr als Budgetmarke anzusehen ist. Wenn aber der Preis als einziger Maßstab für die Zugehörigkeit zum Premiumsegment genommen werde sollten, hat Hankook sicher noch Nachholbedarf, auch wenn man im Massenmarkt dicht dran ist an den führenden Premiumreifenmarken. Dies liegt indes aber eher an deren Preisrückgang als an Hankooks überdurchschnittlicher Preissteigerung. Laut Dietmar Olbrich bieten Hankook-Reifen eben „ein top Preis-Leistungs-Verhältnis“. Und von den Erfolgen in der Erstausrüstung müsse man gar nicht erst reden.

Hankook hat seine Wachstumsstrategie für Europa bisher vorwiegend auf die Vermarktung von Pkw-Reifen aufgebaut. Entsprechend ist man auch noch nicht mit einem umfassenden Lkw-Konzept am Markt präsent. Dies, so Olbrich, sollte sich aber recht bald ändern. Natürlich hatte Hankook immer schon Lkw-Reifen im Sortiment und diese auch in Europa vermarktet. Doch als Importeur damit hierzulande Fuß zu fassen, sei nur sehr schwer möglich. Wie der Executive Director andeutet, gebe es „eine hohe Wahrscheinlichkeit“, dass Hankook am Standort in Ungarn neben der Pkw-Reifenfabrik auch irgendwann eine Lkw-Reifenfabrik errichtet. Eine „Verpflichtung“ dazu jedenfalls sieht Olbrich schon. Ob dies in naher Zukunft geschehen kann, wird sich zeigen, investiert Hankook doch derzeit parallel knapp eine Milliarde Euro in zwei neue Reifenfabriken in China (700 Millionen Euro; Lkw- und Pkw-Reifen) und in Indonesien (270 Millionen Euro; Pkw-Reifen; Baubeginn im Herbst). Aber auch mit diesem doppelten Paukenschlag hatte Hankook bereits Marktbeobachter positiv überrascht, ging man doch lange Zeit davon aus, der Hersteller würde entweder in China oder in Indonesien bauen. Dass nun beide Fabriken zeitgleich entstehen sollen, wirft ein Licht auf den Willen und insbesondere die Fähigkeit zum Wachstum. Und zu guter Letzt muss anerkannt werden, dass Hankook seinen Weg in Europa bisher erfolgreich gesucht und auch gefunden hat – wer sollte da an der Umsetzbarkeit weiterer Pläne große Zweifel haben? arno.borchers@reifenpresse.de

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