Container-Transportpreise im Visier der EU-Wettbewerbshüter

Die Preise für den Transport von Containern aus Fernost nach Europa schwanken genauso hin und her wie die Preise auf anderen Strecken. Während heute Kosten von rund 1.800 US-Dollar für einen 40-Fuß-Container – kann mit durchschnittlich 1.200 Pkw-Reifen beladen werden – kalkuliert werden müssen, lag der „Kurs“ für einen solchen Container im vergangenen Sommer doppelt so hoch bei rund 3.500 bis 3.700 Dollar (bis zu drei Dollar pro Reifen). Und wie zu hören ist, werden die Transportkosten für einen Container ab Juni branchenweit wieder um 500 Dollar angehoben, was zum Teil die Erwartungen der Branche konterkariert, die nach dem Hin und Her im vergangenen Jahr auf stabilere und kalkulierbarere Kosten für den Transport von Reifen aus Fernost nach Europa gehofft hatte. Jüngste Untersuchungen der Europäischen Union werfen nun allerdings ein neues Licht auf die Entwicklungen der Transportkosten für Überseecontainer. Die Wettbewerbshüter der EU haben einige Reedereien in Verdacht, wettbewerbswidrige Preisabsprachen für den Transport von Containern getroffen zu haben, wie es diese Woche dazu in zahlreichen Medien heißt. Büros der deutschen Reedereien Hapag-Lloyd und Hamburg Süd wurden jetzt von den Ermittlern der EU-Kommission genauso durchsucht wie Büros der weltweit größten Containerlinienreederei Maersk mit Sitz im dänischen Kopenhagen. Die EU-Kommission betonte indes, dass zunächst nur ein Anfangsverdacht bestehe. Die Durchsuchungen seien noch kein Beleg für eine Schuld der Unternehmen. Die Reedereien reagierten indes prompt und wiesen jeden Verdacht illegaler Absprachen von sich. Man wolle mit den Behörden eng zusammenarbeiten.

Bis zum Jahr 2008 waren Kartelle in der Linienschifffahrt legal. In den sogenannten Konferenzen durften sich die Reedereien über Transportpreise für Container und verschiedene andere Preise und Kosten drumherum absprechen. Die EU-Kommission verbot dieses System für die in Europa ansässigen Reedereien. Schon Jahre zuvor hatte man in der Branche gern betont, dass die Möglichkeiten zur Absprache rein theoretisch seien. In der Praxis, so hieß es stets, setzten sich letztlich doch immer die Eigeninteressen der einzelnen Unternehmen durch.

Die 20 größten Containerlinienreedereien kontrollieren den Weltmarkt praktisch komplett. Maersk steht, gemessen an der Transportkapazität, auf Rang eins, Hapag-Lloyd an der 5. und Hamburg Süd an der 13. Stelle. Besonderes Gewicht haben die drei größten Anbieter Maersk, MSC mit Sitz in der Schweiz sowie die französische CMA CGM. Sie bewegen mehr als ein Drittel der weltweiten Transportkapazität auf Containerschiffen.

Innerhalb der Branche sind Preissteigerungen eigentlich relativ transparent. Reedereien wie Hapag-Lloyd verschicken regelmäßig Mitteilungen zur Erhöhung der Frachtraten. Dies kann von Konkurrenten leicht zur Orientierung für eigene Anhebungen der Containertransportpreise genommen werden. Allerdings liefern sich vor allem Maersk und MSC einen harten Kampf um den weltweiten Spitzenplatz in der Containerschifffahrt. Dieser wird nicht nur über die Einzelpreise für die Container ausgetragen, sondern auch durch den Einsatz immer größerer Containerfrachter. ab

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