MLX: „Wir wachsen weiter“

„Wir wachsen weiter“ hat Heinz-Werner Knörnschild, geschäftsführender Gesellschafter der Meyer-Lissendorf-Gruppe, auf eines der Charts schreiben lassen zu seinem Vortrag auf der MLX-Jahrestagung. Und einen kleinen Seitenhieb auf andere Verbundgruppen im deutschen Reifenhandel kann er sich nicht verkneifen: „während andere schrumpfen“. Die in Andernach ansässige Zentrale der Kooperation typischer freier am Hofgeschäft orientierter Reifenhandels- und serviceorientierter Kfz-Betriebe MLX und der Großhändler Meyer Lissendorf (ML) aus Gönnersdorf hätten jedenfalls die besten Jahre noch vor sich.

Mit 301 Mitgliedern zum Jahreswechsel 2010/2011 hat MLX das Wachstumsziel des vergangenen Jahres um genau einen Neuzugang übertroffen, Ende 2011 sollen es 325 sein. Die Anzahl der sogenannten „Aktivpartner“ – also jene, die sich in besonderem Maße an den Angeboten von Meyer Lissendorf und MLX bedienen – ist auf 77 angewachsen. Die Jahrestagung, die dieses Mal am Nürburgring stattfand, ist traditionell gut besucht, sofern man nach nur 13 Jahren Geschichte von Tradition sprechen kann. Auch wächst die Anzahl der Aussteller auf der Industriemesse, allerdings empfindet manch einer aus diesem Kreis die Teilnahme nicht als Pflichtveranstaltung eines ML- oder MLX-Partners, sondern geradezu als „kultig“, womit weniger Tagung und Messe gemeint sind, sondern das unterhaltsame Beiprogramm.

Als Beispiele einer besonders gedeihlichen Zusammenarbeit hebt Knörnschild die Reifenindustriepartner Michelin (mit den weiteren Marken Kleber und BFGoodrich) und Hankook (der dem neuen Winterreifen W4000 der ML-Eigenmarke Rotex das Profildesign des Icebear W300 zur Verfügung gestellt hat), mit denen der Umsatz überproportional gewachsen ist, hervor. ML-Vertriebsleiter Helmut Mayer weist darauf hin, dass das Markenportfolio im Zentrallager sowohl im Premium- wie im Economy-Bereich erheblich ausgebaut wurde. Pkw-reifenseitig sind Pirelli, Yokohama, Fulda und Uniroyal jetzt Lagerware, bei Landwirtschaftsreifen sind fast keine Lücken im Markenportfolio zu erkennen, bei Rädern bedeutet der Zuwachs gar ein ganz neues Niveau.

Denn „wir haben jetzt unseren eigenen Tuningkatalog“, sagt Helmut Mayer unter dem Applaus der MLX-Kooperationspartner. Mayer hebt dabei den aktuellen Katalog der österreichischen Fosab GmbH & Co. KG hoch. Offensichtlich ist damit einem Bedürfnis vieler Kooperationspartner Rechnung getragen worden. Und so ganz nebenbei wächst das Portfolio an Leichtmetallrädern, die aktiv von MLX gepusht werden, nicht nur um die Fosab-Eigenmarke FSW, sondern auch um die Nischenmarken Tomason, Barracuda, Voltec, emotion und die immer noch bekannte, aber in den letzten Jahren etwas in der Versenkung verschwundene Alurädermarke MiM.

Heinz-Werner Knörnschild hält nicht viel von den Prognosen über zukünftige Marktentwicklungen, schon gar nicht wenn sie längerfristiger angelegt sind. Mit dem Hier und Jetzt ist er freilich sehr zufrieden. Das Reifenjahr 2010 war sehr gut, die hohe Nachfrage halte 2011 an. Die bereits verkündeten und künftige Preiserhöhungen seien gut für den Handel („dem Handel geht es immer gut, wenn die Preise hoch sind“), macht er den Partnern Mut, verweist aber auch darauf, dass es nicht nur schwierig geworden ist, Reifen zu kriegen, sondern vor allem die richtigen Reifen zum richtigen Zeitpunkt. Vom antizyklischen Verhalten des Grossisten Meyer Lissendorf können demnach die MLX-Partner profitieren. Denn der kümmere sich um Sommerreifen, wenn die Einzelhändler mit dem Geschäft von Winterreifen zu tun hätten und umgekehrt. „Die Ad-hoc-Verfügbarkeit der Industrie nimmt dramatisch ab“, weiß der erfahrene Marktexperte.

Gut wenn man als Reifenhändler einen Partner hat, der nicht nur Lagerrisiken übernimmt, sondern auch weiß, was benötigt wird. Und der auf etwaige Verfügbarkeitsprobleme im Markt nicht mit satten Preiserhöhungen reagiert, sondern verlässlich ist. Bereits auf der Tagung vor einem Jahr war die ganzjährige Preisstabilität des Unternehmens das von den Verantwortlichen von Meyer Lissendorf wie MLX besonders herausgehobene Qualitätsmerkmal, mit dem man sich gerade von Internetvermarktern abhebt.

Das geht einher mit der vor Jahresfrist in Berlin initiierten „Fair Play“-Kampagne von MLX, an die Kooperationsleiterin Birgit Huthmann und der Business Development Manager Jochen Hoim erinnern, auch wenn der Slogan jetzt „Voller Einsatz rund ums Rad“ lautet. Es geht um Vertrauen, die MLX-Partner sollen ihrem MLX-Reifenteam in der Systemzentrale Andernach und deren Systemprovider Meyer Lissendorf und dessen Leistungsportfolio vertrauen können. Immer wieder wird das Wort Team bemüht.

Da tut es gut, dass auch Tom Rösgen aus dem MLX-Händlerbeirat die Preisstabilität lobt, gleichzeitig aber seine Kollegen auffordert, die angebotenen Leistungsbausteine „zu leben“. Wobei die Beteiligten wissen, dass nicht jeder Händler alles will und auch nicht alles braucht.

Die MLX-Verantwortlichen hatten hochrangige Manager aus der deutschen Reifenindustrie zu einer Podiumsdiskussion an den Nürburgring geholt. Das neue Reifenlabel mag herausfordernd für alle Beteiligten sein, ist aber allemal auch Chance. Das Label mag nicht das gewünschte Optimum sein, ist aber ein Einstieg hin zu einer qualitativen und weg von einer rein am Preis orientierten Vermarktung.

Die Reifenbranche wird sich verändern, Rohstoffe werden teurer, knapper, Reifenbedarfe weltweit in die Höhe schnellen. Die Reifenwelt bleibt spannend und Knörnschild bei der Realität: „Lassen Sie uns über kurzfristige Perspektiven reden“, womit er ein bis zwei Jahre meint. Langfristige Prognosen der Reifenhersteller seien eher Ausdruck mangelnden Wissens, wie es wirklich wird. detlef.vogt@reifenpresse.de

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