Ein Jahr Cultor und Petlas bei Grasdorf Wennekamp

Die Grasdorf Wennekamp GmbH (Stammsitz in Holle/Südniedersachsen) hat eine Domäne im Komplettradgeschäft und in den letzten Jahren immer wieder den Fokus auf sehr anspruchsvolle Lösungen im Landwirtschaftsbereich für die Produktgruppe Reifen und Räder gelegt. Die enorme Kompetenz in Hightech-Fragen versteht das Unternehmen mit der Großhandelsfunktion von Agrarreifen in Einklang zu bringen. Für Olaf Sandeck und Norbert Warnke ist der Fokus zwar auf den Reifeneinzelhandel, für den sie im Unternehmen zuständig sind, gerichtet. Bekanntlich ist bei dieser Produktgruppe der Landmaschinenhandel aber der zweite gewichtige Absatzkanal, den Grasdorf Wennekamp ebenfalls nicht vernachlässigt. Im Agrarreifen-Budgetsegment kann das Unternehmen jetzt auf ein Jahr Erfahrung mit den Marken Cultor und Petlas zurückblicken.

Als Spezialist für Landwirtschaftsreifen kann Grasdorf Wennekamp nur bedingt im Premiumsegment reüssieren, beziehen jedenfalls die leistungsfähigeren Einzelhändler die Produkte doch direkt bei der Reifenindustrie. Folgerichtig wenden Sandeck und Warnke ihren Blick auf das Budgetsegment und damit auf den Teilmarkt, der seit einigen Jahren überproportional wächst. Weniger gemeint ist der Low-Budget-Bereich mit völlig unbekannten Fernostmarken, über die der Verbraucher gar nichts weiß und von denen manch ein Name nach einem kurzen Intermezzo bei irgendeinem Anbieter auch schon längst wieder verschwunden ist.

Nach einem gewissen „Vakuum“ in 2008/2009 habe man nach verlässlichen Produktionspartnern im europäischen Raum und gezielt nicht in Fernost Ausschau gehalten, sagt Sandeck – und ist fündig geworden, und zwar gleich mit zwei Marken: Cultor und Petlas. Für erstere habe sich Grasdorf Wennekamp besonders ins Zeug gelegt und den tschechischen Produzenten CGS zum Programmaufbau ermutigt. Der naheliegende Grund: Grasdorf Wennekamp hat eine lange Historie mit der Marke Mitas, die ebenfalls zur CGS-Gruppe gehört, und kennt die Leistungscharakteristika des Produktes in- und auswendig. Noch heute sind Landwirtschafts-, aber auch MPT-, Industrie-, Bagger- und Baumaschinenreifen der Marke Mitas ein wichtiger Teil im Produktportfolio von Grasdorf Wennekamp.

Als also CGS im Jahre 2009 – nachdem erst wenige Jahre zuvor aus der Landwirtschaftsreifenmarke Uniroyal Semperit geworden war – einen erneuten Markenswitch einleitete, war Grasdorf Wennekamp bei der „neuen“ Marke Cultor, die wie Mitas und die CGS-Premiummarke Continental ganz überwiegend in Tschechien, in geringerem Umfang aber auch in Serbien hergestellt werden, die erste Adresse bei der Frage, über wen denn hierzulande die Vermarktung laufen könne. Für Landwirtschaftsreifeninsider war der Name im Übrigen nicht wirklich so ganz neu, wurde doch aus einer Semperit-Produktlinie Cultor die Marke Cultor.

„Exklusivität“ beim Cultor-Vertrieb hat Grasdorf Wennekamp nicht, ist aber schon aufgrund der Fixierung auf dieses Marktsegment eindeutig die erste Adresse. Ansonsten sind Cultor-Reifen in Deutschland über Meyer Lissendorf zu beziehen. Cultor und Grasdorf Wennekamp passte zusammen, vor allem wegen der Erfahrungen mit Mitas. Beim Unternehmen in Holle konnte man gewiss sein, mit Cultor über ein neues Angebot zu verfügen, das völlig unproblematisch und damit für den Grossisten risikolos sein würde. Einen Fehler habe man aber doch gemacht, räumt Warnke ein: „Im Nachhinein wissen wir, dass wir zu konservativ disponiert haben.“ Was allerdings angesichts des Krisenszenarios im Jahre 2009 nicht verwunderlich und im Markt kein Einzelfall ist. Wer wusste schon Ende 2009, wie schnell die Wirtschaft und auch der Großhandel mit (Landwirtschafts-)Reifen wieder aus der Krise, die auch an dem Unternehmen in Holle nicht völlig spurlos vorbeiging, herausfahren würde?

Nimmt man es geografisch penibel genau, so hat Grasdorf Wennekamp das Ziel, „europäisch“ zu bleiben, mit der zweiten Budgetmarke, die in 2010 so richtig nach vorne kommen sollte, verfehlt: Denn Petlas-Reifen werden im asiatischen Teil der Türkei gefertigt, und zwar in Kirsehir, gut 150 Kilometer südöstlich der Landeshauptstadt Ankara in Zentralanatolien, bekannt ist die Region allerdings eher durch die faszinierenden Felsformationen Kappadokiens.

Auch hier war Grasdorf Wennekamp zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Man kannte einander bereits vorher und hatte Geschäfte miteinander gemacht. Der türkische Staat hatte Petlas 1997 privatisiert und die neuen Eigner investierten mit Macht in neue Fertigungsanlagen, um auch moderne Produkte herstellen zu können, die man in anspruchsvolle Märkte exportieren wollte. Inzwischen sei ein supermodernes Werk entstanden, schwärmen Olaf Sandeck und Norbert Warnke. Und was dort alles hergestellt wird: Nach Landwirtschafts-, Industrie-, LLkw- und Flugzeugreifen seit relativ kurzer Zeit selbst Pkw- und – nachzulesen in Presseberichten aus der Region – in Kürze wohl auch moderne Lkw-Reifen.

Für die Auslastung dieser Fabrik sorgt zwar ganz überwiegend ein Petlas-eigenes türkisches Handelsnetz, aber der Blick auf die Produkte verheißt, dass Wachstum nicht nur vom sich stark entwickelnden heimischen Markt (in dem Petlas übrigens unter anderem renommierte Fahrzeughersteller wie John Deere und New Holland sogar in der Erstausrüstung beliefert) erwartet wird, sondern auch vom Export: Denn beispielsweise anspruchsvolle Pflegereifen radialer Bauart sowie radiale Schlepperreifen in der Serie 65 wären nur für den türkischen Markt geradezu overengineered und belegen, dass Petlas nicht willens ist, nur im herausfordernden deutschen Markt mitzuschwimmen, sondern selbst technologische Akzente zu setzen. Darüber hinaus ist Petlas gut beim Bedarf gerade für kleinere Schlepper aufgestellt und bietet ferner diverse „Oldtimergrößen“ an für Hanomag, Lanz, Unimog und Co. Reifentypen und -größen, die ansonsten schwer im Markt aufzutreiben sein können.

Beide Marken – Cultor wie Petlas – bieten bereits heute jeweils umfangreiche Sortimente an Implement-, AS-Front-, AS-Diagonal- und AS-Radialreifen. Grasdorf Wennekamp ist daran interessiert, beide Marken strukturiert aufzubauen und sie im deutschen Markt sukzessive bekannter zu machen. Es soll die Kontinuität entstehen, die man von Premiummarken gewohnt ist und die immer wieder für Marktunruhe sorgende Low-Budget-Marken vermissen lassen. Zwar wächst die Vermarktung über den vor gut anderthalb Jahren installierten Webshop bei diesen beiden Großhandelsmarken sehr erfreulich, weil sie insgesamt weniger beratungsintensiv sind als manch anderes Produkt. Aber die derzeit sieben Außendienstmitarbeiter (plus Sandeck und Warnke) von Grasdorf Wennekamp setzen sich obendrein für Cultor und Petlas bei den Kunden mit Nachdruck ein, weil sie vom Produkt nach einem Jahr Erfahrung rundum überzeugt sind. Weil die beiden Läger in Aschara und Holle mit einer jeweils vierstelligen Anzahl Reifen dieser beiden Fabrikate gut bestückt sind und der Mut zurückgekehrt ist, sich aggressiver zu bevorraten, ist auch die schnelle Versorgung des Reifenhandels in hohem Maße gewährleistet und muss der Kunde nicht lange wie bei mancher Fernostware warten, ist die doch im Zweifelsfalle erst vor Ort, wenn sich der landwirtschaftliche Bedarf erledigt hat. detlef.vogt@reifenpresse.de

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