Harmonie zwischen den Reifenhandelskooperationen team und point S

Vor ziemlich genau einem Jahr ist in Österreich ein Joint Venture der beiden dortigen Reifenfachhandelskooperationen point S und team unter dem Titel „United Tire Group“ gescheitert. Spekulationen, dass sich so etwas in Deutschland wiederholen könnte, wollen die beiden hiesigen Geschäftsführer Jürgen Benz (44/point S) und Gerd Wächter (48/team) gleich im Keim ersticken und dokumentieren ihren guten persönlichen Draht, den sie zueinander haben. „Wir können miteinander“, ist die knappe Botschaft von Benz; „Geschäfte werden schließlich immer von Menschen gemacht“, nickt Wächter zustimmend.

Den Verdacht einer für das Gespräch mit der Fachzeitschrift extra angerührten „Harmoniesauce“ wollen beide gar nicht erst aufkommen lassen: Man rede sehr offen und konstruktiv miteinander, auf der Geschäftsführerebene gibt es den kurzen Dienstweg. Sprich: Man greift zum Hörer, informiert einander, trifft sich auch regelmäßig zum Austausch, man sitze im gleichen Boot – dem der unabhängigen freien Reifenfachhändler – und sei sich dessen auch immer bewusst. Manch andere großen Boote des deutschen Reifenhandelsmarktes werden von Kapitänen gesteuert, die von Industrieunternehmen eingesetzt worden sind.

„Wir sind beide zum Wachstum entschlossen, ja verdammt“, sagt Wächter. Eine harte Konkurrenzsituation zwischen den beiden Reifenhandelskooperationen gebe es weder hinsichtlich der Mitglieder noch der Endverbraucher, man ergänze sich vielmehr. Es gebe kaum Reifenhändler von team, die bei point S so richtig reinpassen und umgekehrt, erklärt Benz. Wo es doch Schnittmengen gebe, da rede man eben miteinander. Und letzten Endes steht der Wunsch des Gesellschafters ohnehin an oberster Stelle. Eher ergänzend denn gegeneinander gerichtet auch die Situation im Flottengeschäft: Bei den großen und mittelgroßen nationalen und international agierenden Lkw-Flotten sei team prima aufgestellt, bei Pkw-Flotten point S; in städtischen Ballungsräumen habe team eine Dominanz, in ländlichen point S usw.

Womit wir bei der Abwicklungsplattform „Servicequadrat“ (Dieburg) wären, die von Dr. Jürgen Wetterauer geleitet wird und bei der sich heute 28 Personen um das Flottengeschäft kümmern. Das gleichberechtigte Joint Venture der beiden Reifenhändlervereinigungen Servicequadrat stand anfangs unter der Leitung der beiden Kooperationsgeschäftsführer Rolf Körbler (point S) und Gerd Stubenvoll (damals team). Sie haben die Aufbauarbeit geleistet und konnten im April dieses Jahres die Geschäftsführung an Wetterauer übergeben (die NEUE REIFENZEITUNG berichtete).

Dr. Jürgen Wetterauers unbestreitbare Kompetenz und seine konsequente Neutralität seien ein Glücksgriff für Servicequadrat, meinen Benz und Wächter unisono. Jegliche Emotionen seien raus; Servicequadrat ist ein Verwaltungsapparat. Und zwar einer, der aufgrund des jetzt erreichten Automatisierungsgrades immer besser funktioniere. „Kinderkrankheiten“, über die einzelne Gesellschafter anfangs murrten, seien abgestellt. Nicht zuletzt Wetterauers Expertise sei es zu verdanken, dass die beleglose elektronische Abrechnung so schnell umgesetzt werden konnte, sodass selbst in Spitzenumrüstungszeiten in diesem Herbst der maximale Abrechnungsrückstand weniger als eine Woche betragen habe. Weil die Abrechnungsabläufe inzwischen derart optimiert sind, stehe Servicequadrat sogar anderen Kooperationen prinzipiell offen und selbst Handelsketten der Industrie, sagt Jürgen Benz. „Und wir werden beide kein Geld in die Hand nehmen, um Servicequadrat als „Marke“ zu etablieren, stellt auch Gerd Wächter die Dienstleistungsfunktion klar.

In die team- oder point-S-Identitäten, die zu Dachmarken wurden, sind in den vergangenen Jahren erkleckliche Summen geflossen; bei der ersteren als Marke weniger, weil die Gesellschafter in ihren jeweiligen Regionen ja schon selbst Markenstatus hatten; bei der zweiteren mehr, aber durchaus regionale Besonderheiten berücksichtigend. Wie beide Organisationen für sich und damit schließlich in Folge auch Servicequadrat entwickelt werden sollen, ist den beiden Geschäftsführern klar: Der Vertrieb soll gestärkt werden. Sowohl team als auch point S rüsten ihre Vertriebsmannschaften auf, um im Flottengeschäft noch stärker reüssieren zu können. Sie führen damit ihren jeweiligen Gesellschaftern neue Kunden bzw. Speditionen zu und erhöhen damit das Aufgabenpensum bei Servicequadrat. Der Flottenbetreiber kennt Servicequadrat, für Fuhrparkleiter und erst recht Fahrer ist die Abrechnungsverwaltung etwas Anonymes, sie setzen sich mit team, point S bzw. deren Gesellschafter vor Ort auseinander.

Die beiden Kooperationen arbeiten darüber hinaus nicht getrennt an Qualitätsoptimierungen, sondern tauschen sich aus mit dem Ziel, sowohl für team als auch für point S ein Gütesiegel zu erlangen, zu dem die Zertifizierung gemäß ISO 9001 gehört. Weiß man doch, dass TÜV-Zertifikate – ob für den Bereich Lkw, Pkw bzw. Autoservice – nicht nur zu Papier gebrachte Urkunden sind, die man sich schmückend an die Wand hängen kann, sondern schlicht Voraussetzungen für die Beteiligung an Ausschreibungen.

Aus den für beide Seiten nicht erfreulichen Erfahrungen des letzten Jahres in Österreich werden Lehren gezogen. Die beiden großen freien deutschen Reifenfachhandelsverbundgruppen team und point S bewegen sich weiter aufeinander zu, ist die Botschaft ihrer beiden Geschäftsführer. Nicht überstürzt mit großen Schritten, weder mit der Brechstange noch allzuviel Euphorie, sondern eher kleinschrittig und die jeweils über Jahre gewachsenen Kulturen und Andersartigkeiten beider berücksichtigend. Eine irgendwann einmal stattfindende Fusion ist eher unbestimmte Vision denn inhaltlich fixierter Zeitplan. Es gibt keine Agenda, keinen Zeitdruck, es gibt vertrauensschaffende Maßnahmen, offene Gespräche und mit Servicequadrat ein Gemeinschaftsunternehmen, das funktioniert. Alles Weitere wird die Zukunft weisen. detlef.vogt@reifenpresse.de

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