A.T. Kearney- und SupplierBusiness-Studie: Herausforderungen steigen

Nach dem enormen Aufschwung der Automobilhersteller stehen nun auch bei den Zulieferern die Zeichen auf Wachstum. In China und Indien rechnen 94 Prozent aller Zulieferer fest mit einem nachhaltigem Umsatzwachstum. In Amerika sind es 92 Prozent. Ein wenig verhaltener ist die Stimmung dagegen noch in Europa. Doch auch hier rechnen 64 Prozent aller Zulieferbetriebe mit sehr viel besser gefüllten Auftragsbüchern als in 2009. Das geht aus der aktuellen „Global Automotive Barometer“-Studie der Managementberatung A.T. Kearney und dem Marktforschungsunternehmen SupplierBusiness hervor, zu der aktuell weltweit mehr als 220 leitende Manager von Automobilzulieferern befragt wurden.

76 Prozent der weltweiten Zulieferer sehen eine Verbesserung des allgemeinen Wirtschaftsklimas gegenüber 2009. Knapp 60 Prozent gehen sogar von einem mehr als 20-prozentigen Umsatzwachstum gegenüber dem Vorjahr aus. Zahlreiche Zulieferbetriebe sind von der Größe der Auftragswelle jedoch überrascht worden. Teilweise können Aufträge mit den im Zuge der Krise reduzierten Produktionskapazitäten derzeit gar nicht mehr abgearbeitet werden. Zunehmend wichtig wird deshalb die Einführung flexibler Konzepte, um dem kürzeren Bestellvorlauf und der gestiegenen Volatilität gerecht zu werden. Zudem kommen europäische Zulieferer um die asiatischen Wachstumsmärkte kaum mehr herum.

Das Wirtschaftsklima unter den Automobilzulieferern weltweit verbessert sich seit Jahresanfang kontinuierlich. 76 Prozent der befragten Zulieferer erwarten eine Verbesserung gegenüber 2009, im Dezember 2009 waren es nur 29 Prozent. 82 Prozent rechnen in den nächsten zwölf Monaten mit weiter wachsenden Auftragseingängen. „Wir erwarten für die Automobilzulieferindustrie ein stabiles Wachstum in 2010 und eine deutliche Verbesserung des Wirtschaftsklimas. Eine Trendwende ist weltweit nicht absehbar“, sagt Martin Haubensak, Partner in der globalen A.T. Kearney Automotive Practice.

Im Vergleich der Regionen zeigt sich jedoch ein unterschiedliches Bild. In China, Indien sowie Nordamerika rechnen derzeit über 90 Prozent aller Zulieferer mit einer besseren Marktperformance als in 2009. In Europa ist die Stimmung dagegen verhaltener. Hier gehen „nur“ 64 Prozent von einer besseren Performance aus – 14 Prozent rechnen sogar mit einem Rückgang. Auch ein Zeichen dafür, dass sich auch in der Zulieferindustrie der strukturelle Wandel hin zu den Wachstumsmärkten in China und Indien vollzieht.

„In Europa ist das Bild geteilt, einerseits profitieren die deutschen Premiumhersteller von der starken Auslandsnachfrage. Andererseits kämpfen viele Volumenhersteller mit einer schwachen Nachfrage in Europa. Diese ist nach dem Auslaufen der staatlichen Unterstützungsprogramme mittlerweile stark zurückgegangen“, so Andreas Gräf von A.T. Kearney, Co-Autor der Studie.

Hohe Nachfrage überrascht Zulieferer

Von einem regelrechten Nachfrageboom der OEM in einigen Bereichen sind viele Zulieferer sogar überrascht worden. Unzählige Zulieferer berichten von Auftragseingängen, die weit über Plan liegen. Teilweise können Aufträge nicht abgearbeitet werden und Automobilhersteller müssen auf wichtige Komponenten und Systeme warten. „Vor allem Zulieferer, die in der Krise Kapazitäten stark abgebaut haben, kämpfen heute mit Lieferschwierigkeiten“, so Gräf. Zunehmend wichtig wird deshalb die Einführung flexibler Konzepte, um dem kürzeren Bestellvorlauf und der gestiegenen Volatilität gerecht zu werden. „Der Planungsvorlauf ist teilweise auf wenige Wochen reduziert. Damit steigen die schon hohen Anforderungen an Flexibilität nochmals deutlich an“, sagt Haubensak: „Kritisch zu sehen ist allerdings weiterhin der entsprechende Kapitalzugang, um das Wachstum sowie die notwendigen Umstrukturierungen und technischen Innovationen auch zu finanzieren.“

Erwartung steigt – Insolvenzgefahr sinkt

Analog zum steigenden Wirtschaftsklima steigt auch die Erwartungshaltung der Zulieferindustrie in Bezug auf das Umsatzwachstum kontinuierlich an. Knapp 60 Prozent der befragten Zulieferer erwartet in diesem Jahr ein Umsatzzuwachs von mindestens 20 Prozent gegenüber 2009, im Dezember 2009 waren es nur 15 Prozent.

Noch vor gut einem Jahr war eines der größten Probleme der Automobilindustrie die hohe Insolvenzgefahr in der Zulieferindustrie. Diese Situation hat sich deutlich verbessert. Das gute Wirtschaftsklima lässt jeden zweiten Zulieferbetrieb eine gegenüber dem letzten Jahr gesunkene Insolvenzgefahr vermuten. Nur noch 22 Prozent der Zulieferer erwarten eine Zunahme der Insolvenzen in den kommenden zwölf Monaten im Vergleich zu den vergangenen zwölf Monaten. Im Mai 2009 waren es noch über 90 Prozent. Auch bei den OEM erwarten nur noch 28 Prozent der Zulieferer eine Insolvenzgefahr, im April 2010 war es noch jeder zweite Zulieferer.

Über die Studie „Global Automotive Barometer“

Die „Global Automotive Barometer“-Befragung von A.T. Kearney und SupplierBusiness verfolgt, wie Automobilzulieferer die aktuelle Wirtschaftskrise und deren Auswirkungen einschätzen. Seit Mai 2009 werden regelmäßig Befragungen zur aktuellen und zukünftigen wirtschaftlichen Entwicklung der Automobilzulieferindustrie durchgeführt. An der Befragung nehmen regelmäßig weltweit etwa 220 Manager von Automobilzulieferunternehmen teil. 83 Prozent der Befragten klassifizierten sich selbst als entweder Tier-1- oder Tier-2-Lieferanten. Die Befragung wird auf globaler Ebene mit besonderem Fokus auf Unternehmen in Europa, Nordamerika und Asien durchgeführt. dv

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