R² Felgenveredelung: Premiumräderglanz für Premiumautos

Der etwas kryptische Beginn des Firmennamens R² Felgenveredelung hat zwar eigentlich seine Bedeutung eingebüßt, er deutet auf die beiden Firmengründer mit den jeweiligen Anfangsbuchstaben „R“ hin. Aber bereits Anfang 2008 hat der vormalige Projektmanager Dirk Gather das, genauer die beiden Unternehmen übernommen. Denn die R² Felgenveredelung GmbH ist die Vertriebs- und Entwicklungsgesellschaft, die in den gleichen Räumen in Oranienburg bei Berlin ansässige GZO Oberflächentechnik GmbH ist die Produktionsgesellschaft. Als Geschäftsführerin der GZO hat Gather Petra Domnick gewinnen können. Die ist zwar neu in der Branche, aber mit den Produktionsprozessen bereits bestens vertraut, jedoch überwiegend für die administrativen und finanziellen Belange zuständig. Nach nur zehn Jahren Aufbauarbeit den Namen R² wieder zu ändern, wäre wohl eher kontraproduktiv gewesen, lacht Gather, schließlich kenne man das Unternehmen ja jetzt erst so richtig in der Aluräderräderbranche und habe sich vielleicht auch ein wenig wegen der ungewöhnlichen Firmierung bei den Zuständigen aufseiten der Räderhersteller eingeprägt. Nicht zu vergessen: Die R² Felgenveredelung hat bewiesen, dass man auch als Newcomer und Anbieter eines völlig neuen Verfahrens – Tauchschleifprozesse hatten bis dato für Räder keine Rolle gespielt – durchaus ein seriöser Partner sein kann. Mit dem Angebot, den Räderherstellern das „perfect Wheel Finishing“ – so der hauseigene Slogan – zu bieten, ist der Felgenveredler nicht Wettbewerber der Räderhersteller, sondern deren Dienstleister. Als das Unternehmen im Jahre 2000 startete, hatte man im Markt noch einen Alleinstellungsstatus in technischer Hinsicht, den gibt es so zwar nicht mehr, aber bezüglich Erfahrung und konsequenter Weiterentwicklung bei der Oberflächenveredlung ist der mittelständische Betrieb – derzeitige Belegschaft etwas mehr als 40 Personen – sicherlich führend.

Erklärt ist das besondere Verfahren am ehesten, wenn man das Kürzel GZO der Produktionsfirma auflöst: Gleitschliff Zentrum Oranienburg. „Geschliffen“ werden im Lohnauftrag nicht nur Räder, auch wenn die mit einem Umsatzanteil von etwa 50 Prozent das wichtigste Einzelprodukt darstellen –, sondern zahlreiche andere Produkte, so feingliedrige Brillengestelle oder für die Medizintechnik perfekt glatte, man möchte fast sagen geschmeidige Implantate. Aufgrund der Erfahrung mit dieser eher noch jungen Technologie täte man dem Unternehmen unrecht, wollte man es auf die Funktion des Lohnbearbeiters reduzieren. Das Team mag klein sein, hat sich aber im Bereich Forschung & Entwicklung – beispielsweise in Kooperation mit der Technischen Universität Berlin – bereits einiges an Reputation erwerben können. Gather: „Zum Beispiel die chemischen Prozesse, die bei der Oberflächenbehandlung zur Anwendung kommen, verlangen schon einiges an Know-how.“

Dies mag auch einer der Gründe sein, dass die großen Räderhersteller kaum auf die Idee kommen dürften, sich diese Technologie ins eigene Unternehmen direkt holen zu wollen. Ein anderer Grund dürfte darin liegen, dass sich die Stückzahlen, die das Oranienburger Werk durchlaufen, für einen Volumenhersteller eher bescheiden ausnehmen. Kunden sind die Großserienhersteller von Aluminiumfelgen, nicht alle, aber einige sehr renommierte.

Die in deren Werken geschmiedeten oder gegossenen Räder werden nach Oranienburg transportiert, dort auf Hochglanz poliert und fahren dann den gleichen Weg wieder retour, um in eben diesen Werken die Endlackierung zu erhalten und schließlich zur Montage an die Automobilhersteller geschickt zu werden. Wobei es bezogen auf die Fahrzeugmodelle, auf denen diese Räder verbaut werden, in den letzten Jahren einen Wandel gegeben hat. Ging es früher eher darum, die Premiumvarianten von vielleicht Mittelklassemodellen durch ein besonderes Räder-Shining aufzuwerten, so haben einerseits Kleinserienautohersteller und andererseits die Marketingstrategen bei den größeren Autoherstellern (die häufige Gäste in Oranienburg sind, weil sie ja auch wissen wollen, was es mit den Sublieferanten so auf sich hat) das Potenzial erkannt und lassen diese Räder gleich auf den Premiumlimousinen und Sportwagen ihrer Automarken montieren – manches Mal in Serie, was angesichts der kleinen Losgrößen solcher Premiumfahrzeuge verständlich ist, manchmal aber auch gegen satte Aufpreise, die aber angesichts von Modellen, die hohe sechsstellige Eurobeträge kosten, nun auch wieder relativ gesehen werden kann. Etwa 80 Prozent aller Räder, die den aufwändigen Produktionsprozess – inklusive sorgfältiger Pflege von Hand – in Oranienburg durchlaufen haben, gehen in die Erstausrüstung, schätzt Gather, vielleicht etwas mehr. Andere Kunden kommen aus dem traditionellen Ersatzmarkt und sind für den High-End-Bereich dieser Klientel vorgesehen, eine natürliche Zielgruppe ist verständlicherweise die der Edeltuner. Dem Verfahren von R²/GZO kommt darüber hinaus derzeit ein Markttrend zugute: Räder zu verchromen ist „aus der Mode“. Die Verchromung von Rädern stellt zwar so etwas wie den natürlichen technologischen Wettbewerb dar, wirft aber auch in Umwelthinsicht verschiedene Fragen auf – abgesehen davon, dass das Auftragen eines Schwermetalls Chrom und anderer Chemikalien auf das Leichtmetall ja irgendwie ein Widerspruch in sich ist. Die Verchromung von Rädern gilt ferner als nicht sehr prozesssicher, und das Endprodukt sieht auch weniger elegant aus als die Polierung mittels einer Tauchpolieroperation in den verschiedensten Poliermedien der verschiedensten Größen. Das letzte Argument hören Domnick und Gather besonders gerne, sie hören es von Automobilherstellern.

Im Jahre 2003 war die erste, drei Jahre später die zweite Produktionslinie in Betrieb genommen worden, mittlerweile sind es vier. Im letzten Jahr kam eine Produktionseinheit für das „High-End-Finishing“ hinzu. Die monatliche Kapazität liegt bei etwa 5.000 Rädern bei einem 3-Schicht-Betrieb an fünf Tagen in der Woche. Da kann von einer Massenproduktion keine Rede sein, hätte ein Auto keine vier Räder, könnte man von der Losgröße Eins in Oranienburg sprechen. Im Wesentlichen werden Räder von 18 bis 22 Zoll auf Hochglanz poliert, 17 Zoll ist schon fast zur Seltenheit geworden, 23 Zoll noch Rarität. Stolz ist man darauf, auch dem aktuellen Trend zu Bi-Color-Rädern eine Lösung bieten zu können, kurz vor dem Abschluss ist die Entwicklung einer Oberflächenbehandlung für ein geschmiedetes eloxiertes Rad, die einen einzigartigen graphitähnlichen Glanz erzeugen soll. Grenzen werden immer dann bei dem angebotenen Verfahren sichtbar, wenn die Speichenradien der Räder sehr eng sind oder bei Vielspeichenrädern wenig Abstand voneinander haben, weil sich dann das Poliermedium Porzellan schon mal verklemmen kann und es schwieriger wird, den perfekten Glanz an allen Stellen des Rades zu erzeugen. Wobei die Oberflächenexperten ins Schwärmen kommen, wenn sie auf die optische Wirkung zu sprechen kommen, die von bis hinten durchpolierten Innenbetten ausgeht. Der tuningaffine Verbraucher mag beim Blick auf den roten Bremssattel in Verzückung geraten, der eher auf Understatement bedachte Fahrer einer Luxuslimousine braucht das nicht, sondern erfreut sich am perfekten Räderglanz.

Der Produktionsplanung kommt ein besonderer Stellenwert zugute, denn schließlich ist der angebotene Arbeitsschritt ja nach Oranienburg verlegt, aber dennoch integriert in die Produktionskette vom Guss bis zum Endzustand in der Räderfabrik. Ein hohes Maß an Flexibilität habe man sich deshalb auf die Fahnen geschrieben, betonen Domnick und Gather unisono. In gewisser Weise hilfreich sei dabei im Nachhinein das Krisenjahr 2009 gewesen, so Petra Domnick, das nach einem Jahr 2008 mit Vollauslastung auch für ihre Firma erst eher frustrierend erschien. Aber es ist das Beste draus gemacht worden, denn einerseits hat man intern umstrukturiert und so den Produktionsprozess optimiert, vor allem aber wurden andererseits Mitarbeiter, die bislang beispielsweise mit dem Räderbereich gar nicht vertraut waren, eben in dieser nur wenige Meter entfernten Abteilung geschult. Die Voraussetzungen, wieder ziemlich schnell durchzustarten, sind also geschaffen worden. Bereits im letzten Quartal 2009 hat R²/GZO die Marktbelebung gespürt.

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