“United Tyre Group” in Österreich scheitert an grundsätzlichen Differenzen

Der erst zu Beginn dieses Jahres gegründeten „United Tyre Group GmbH“ wird keine Zeit bleiben zu beweisen, ob sich die großen für den österreichischen Markt gesteckten Ziele realisieren lassen. Mitte November teilten die beteiligten Firmen mit, dass das Gemeinschaftsunternehmen zwischen der Reifen & Räder eGen und der Reifen Partner GmbH (point S Österreich) „beendet wurde, weil sich die unterschiedlichen Kulturen und Strukturen der Gesellschafter als kaum vereinbar herausgestellt haben und daher die geplante umfassende Zusammenarbeit nicht realisiert hätte werden können“. Gegenüber der NEUE REIFENZEITUNG erläutern die Beteiligten nun, wie es zur Scheidung schon kurz nach der Eheschließung kommen konnte.
  
Die Gründe für das Scheitern des 50:50-Gemeinschaftsunternehmens, so Josef Lindner, Geschäftsführer der österreichischen point-S-Organisation, gegenüber der NEUE REIFENZEITUNG, seien eigentlich „ganz banaler Natur“ gewesen. Ende des vergangenen Jahres, als beide Partner noch von einem Zusammengehen überzeugt gewesen waren, wollte man noch das „leistungsfähigste Netzwerk industrieunabhängiger Unternehmen“ Österreichs gründen, wie es damals hieß. „Wir sind wohl etwas zu euphorisch an die Sache herangegangen“, sagt der Inhaber der point S Reifen Lindner GmbH mit Sitzen in Wals-Himmelreich bei Salzburg und dem benachbarten Ainring in Deutschland nun im Rückblick auf die jüngsten Entwicklungen. Man habe sich nicht einmal über Dinge wie eine gemeinsame Vermarktungsstrategie oder einen gemeinsamen Einkauf verständigen können, zu unterschiedlich seien die Standpunkte der beiden Joint-Venture-Partner gewesen.

Ob solche grundsätzlichen Differenzen nicht vor der Gründung der United Tyre Group im Januar hätten erkannt werden können? Josef Lindner sagt nein, vor der eigentlichen Firmengründung habe man nicht völlig offen über die Details einer möglichen Zusammenarbeit und die unterschiedlichen Interessen der Beteiligten geredet. Offenbar, so ist zu verstehen, wollte weder point S Österreich noch Reifen & Räder sich in die Karten schauen lassen. Wie sich dann im Laufe dieses Jahres herausstellte, seien die beiden Partner „zu different“ gewesen, als dass sich daraus hätte eine schlagkräftige Organisation entwickeln können, die – so Lindner weiter – das Fernziel einer Verschmelzung bereits diskutierte.

Ob man nicht eh vom jeweils anderen gewusst hätte, wie dessen Interessenlage aussieht, zumal sich die beiden Marktteilnehmer nicht nur aus der Ferne kennen? „Wir waren alle miteinander enttäuscht“, sagt Josef Lindner, auf dessen Initiative hin 1996 die österreichische point-S-Organisation als „Reifen Partner GmbH Österreich“ gegründet wurde.

Dies sieht Stefan Deschka von der Wanggo Reifenvertrieb GmbH, die zu den neun Gesellschaftern der Reifen & Räder gehört, etwas anders. Das Mitglied im Aufsichtsrat der United Tyre Group sagt, man habe die möglichen Probleme aufgrund „unterschiedlicher Philosophien und Vorgehensweisen von der ersten Sekunde an gekannt“. Ein Beispiel sei etwa die Etablierung eines Bonus-Systems für die Kernlieferanten des neuen Gemeinschaftsunternehmens; darüber habe man sich auch grundsätzlich nicht einig werden können, auch wenn man bei Firmengründung noch gehofft hatte, dass sich schon eine Lösung für etwaige Differenzen finden ließe.

Stefan Deschka betont aber gleichzeitig, ein Zusammengehen mit point S Österreich sei grundsätzlich „eine richtige strategische Überlegung“ gewesen. Dass nicht zusammenpasst, was hätte zusammenpassen sollen, sei letzten Endes niemandem anzulasten, ergänzt Lindner. Eine Schuldfrage sei nicht zu stellen, findet auch Deschka. Außerdem sei auch „kein riesiger Schaden entstanden“, wie die Partner beide betonen. Natürlich hatte die United Tyre Group gerade die neuen Räumlichkeiten in Eugendorf bezogen. Diese würden künftig aber von point S Österreich genutzt, die im Juli ebenfalls nach Eugendorf gezogen war und ihre räumliche Situation gerne weiter verbessern möchte.

Im Zank sei man nicht auseinandergegangen, berichtet der Wanggo-Reifenvertrieb-Geschäftsführer, was auch vonseiten point S Österreich bestätigt wird. Das Wunschkonzept sei eben nicht aufgegangen, das müsse man anerkennen. Eine Alternative zu dem nun gescheiterten Gemeinschaftsunternehmen sehe Deschka in Österreich derzeit nicht. „Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende“, kommentiert er die für die Öffentlichkeit plötzlich erscheinende Entscheidung. Bei point S Development – der europäischen point-S-Organisation mit Sitz in Frankreich – war man bei Bekanntwerden der Nachricht aus Österreich nicht unerheblich überrascht.

Ob die Gesellschaft nun erlischt, soll zum Ende dieses Jahres beschlossen werden, berichtet UTG-Aufsichtsratsmitglied Stefan Deschka. Neben ihm ist noch Christoph Lescovich als Vertreter der Reifen & Räder sowie Josef Lindner und Herbert Varga als Vertreter der Reifen Partner im Aufsichtsrat. Die Geschäfte der United Tyre Group hätten von Heinz-Werner Knörrnschild (Berater der point S Österreich) und Franz Berger (Geschäftsführer von Top Reifen Team in Österreich, zu der auch die Gesellschafter der Reifen & Räder gehören) geführt werden sollen.

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