Hankook will europäischen Kernmarkt weiterentwickeln

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Hankook Tire hat in den vergangenen Jahren auf dem europäischen Markt einiges bewegt. Nicht nur hat der Reifenhersteller in Ungarn eine der modernsten Reifenfabriken weltweit in Betrieb genommen, die jetzt für weitere 230 Millionen Euro auf eine Jahreskapazität von zehn Millionen Einheiten ausgebaut werden soll. Auch konnte Hankook bei Lkw- wie auch bei Pkw-Reifen seinen Marktanteil deutlich ausbauen und sieht sich heute als sechstgrößter Reifenhersteller in Europa. Im Gespräch mit der NEUE REIFENZEITUNG erklärte Jin-Wook Choi, Executive Vice President und in Europa gleichzeitig Chief Operating Officer des Unternehmens, dass die Erwartungen an den europäischen Markt weiterhin groß seien und dass Hankook auch weiterhin am Auf- und Ausbau notwendiger Strukturen in Europa mit Hochdruck arbeiten werde. Als Beispiele nannte Choi etwa die Umsetzung einer dritten Ausbaustufe im Europa-Werk in Ungarn oder die Etablierung weiterer Vertriebsgesellschaften. Natürlich stehe im Mittelpunkt des Markterfolges immer das Produkt, an dessen Entwicklung und Verbesserung im European Technical Center in Hannover immer mehr Ingenieure und Techniker arbeiten.

Hatten die etablierten Marktteilnehmer aus der Reifenindustrie früher gelegentlich nur ein müdes Lächeln für die Neuankömmlinge aus dem Fernen Osten parat, hat sich diese Situation in den vergangenen Jahren dramatisch verändert. Die sogenannten „Follower“, also Marktbegleiter, die sich nach dem Verständnis des europäischen Führungsquintetts (Bridgestone, Michelin, Goodyear-Dunlop, Continental und Pirelli) – wenn überhaupt – um die Nachfrage im unteren Preissegment kümmern konnten, haben in den vergangenen Jahren bewiesen, dass man ihre Innovationskraft und Entwicklungsfähigkeit ernst nehmen muss. Das beste Beispiel für ein solches Unternehmen, das in den vergangenen zehn bis 20 Jahren die Position eines Herstellers mit Benchmark-Ambitionen immer konkreter formuliert und vor allem konsequent erarbeitet hat, ist Hankook Tire.

Seit der Gründung der europäischen Niederlassung in Neu-Isenburg bei Frankfurt vor 13 Jahren hat der koranische Reifenhersteller in Europa dermaßen viel bewegt und entwickelt, dass die Anzahl der „Meilensteine“, die Hankook Tire Europe auflisten kann, sicherlich auch dem allerletzten etablierten Hersteller einen Stoß gegen die Selbstsicherheit verpasst. Im Mittelpunkt dieser Entwicklung steht natürlich der Aufbau der Reifenfabrik in Rácalmás südlich der ungarischen Hauptstadt Budapest.

Seit gut zwei Jahren läuft die Produktionsstätte in Ungarn nun schon und fertigt seither täglich bis zu 15.000 Pkw- und LLkw-Reifen für den europäischen Markt. Die Jahreskapazität von fünf Millionen Reifen – darunter wenigsten 25 Prozent Ultra-High-Performance-Reifen – wird ausschließlich in Europa vermarktet. Für diese erste Ausbaustufe, die seit September 2008 kontinuierlich unter Volllast arbeitet, hat Hankook Tire immerhin 320 Millionen Euro investiert. Die nun begonnene Erweiterung der hoch automatisierten Fabrik, die bis Ende 2011 eine Jahreskapazität von zehn Millionen Reifen erreichen soll, ist dem koreanischen Hersteller weitere 230 Millionen Euro wert. Auch dann, so bescheinigt Hankooks Europa-Chef Jin-Wook Choi im Gespräch mit der NEUE REIFENZEITUNG, werde man auf Importe aus den Fabriken in Korea und China zurückgreifen müssen, um die hohe und ständig wachsende Nachfrage in Europa bedienen zu können. Insbesondere die Lkw-Reifen, die Hankook in Europa verkauft, stammen zu 100 Prozent aus Fernost.

Dennoch ist es Hankook Tire im Verlauf der vergangenen Jahre gelungen, gerade im Nutzfahrzeugreifensegment eine führend Position in Europa aufzubauen. Wie Felix Kinzer, Manager Public Relations Europe, erklärt, bediene Hankook aktuell bereits neun Prozent des europäischen Lkw-Reifenmarktes – Tendenz steigend. Pirelli, so Kinzer weiter, habe man bei Lkw-Reifen in Europa bereits seit Längerem hinter sich gelassen, sodass Hankook in diesem Marktsegment heute Teil des Führungsquintetts ist; Pirelli hingegen hat Hankook zufolge lediglich einen Marktanteil von fünf Prozent bei Lkw-Reifen in Europa. Bei Pkw-Reifen sei Hankook ebenfalls auf einem guten Weg, zur Führungsgruppe des europäischen Marktes aufzuschließen. Während Hankook für sich einen Marktanteil von sieben Prozent errechnet (2009; schon inklusive Winterreifen), habe man die Führungsgruppe um Michelin (20 Prozent), Goodyear-Dunlop (18 Prozent), Continental (17 Prozent), Bridgestone (12 Prozent) und Pirelli (acht Prozent) bereits fest im Blick.

Diesen Zahlen ist zu entnehmen, dass Hankook für Europa aber auch Europa für Hankook eine immer herausragendere Rolle spielen. Im vergangenen Jahr erzielte der koreanische Hersteller in Europa bereits 23 Prozent seines Umsatzes. Nur auf dem Heimatmarkt konnte Hankook mit 25 Prozent noch mehr umsetzen als in Europa. Mit Abstand folgen die nächstbedeutenden Märkte Nordamerika mit 20 Prozent Umsatzanteil und China mit immer noch 16 Prozent.

 

Um die Marktposition in Europa auch in Zukunft weiter ausbauen zu können und der zunehmenden Nachfrage in Europa Herr zu werden, umfassen die Gedankenspiele der Planer im Hankook-Board in Korea bereits die dritte Ausbaustufe der Fabrik in Rácalmás in Ungarn. Auch wenn Jin-Wook Choi, der als Chief Operating Officer für Europa ebenfalls Mitglied im Konzernvorstand ist und dort – neben CEO und Ex-Europachef Seung-Hwa Suh – den zweithöchsten Rang bekleidet, zu den weiteren Plänen für die Zeit nach der Fertigstellung der zweiten Ausbaustufe nichts Konkretes sagen kann, erweckte er gegenüber der NEUE REIFENZEITUNG den Eindruck, als könnte im kommenden Jahr eine entsprechende Investitionsentscheidung fallen. Ob dann erneut in die Pkw- oder aber in eine Lkw-Reifenfertigung investiert wird, müsse man dann gegebenenfalls sehen und mit Blick auf die „gesamtwirtschaftliche Entwicklung in Europa“ beantworten.

Damit Hankook seine Marktpräsenz und seine Nähe zum Kunden in Europa weiter ausbauen kann, sind aber nicht nur Produktionskapazitäten vonnöten, auch müssen die notwendigen Vertriebsstrukturen entwickelt werden. Ein aktuelles Beispiel ist Russland, wo so ziemlich jeder Hersteller den zukünftigen „größten Reifenmarkt Europas“ sieht. Dort ist der koreanische Reifenhersteller aktuell mit einer Zweigstelle vertreten. Da diese aber keine eigene Rechtspersönlichkeit hat, kann sie nach russischem Recht nicht die Aufgabe einer vollwertigen Vertriebsgesellschaft erfüllen: Sie kann also keine Reifen direkt vermarkten. Dies wird ab Mitte des kommenden Jahres allerdings geändert, bestätigte Choi. Wenn dann auch noch das eigene russische Logistikzentrum seinen Betrieb aufnimmt, rechne man auch in Russland mit stark steigenden Absätzen. Aktuell betreibt Hankook in Europa sieben Vertriebsgesellschaften, und zwar in Deutschland, Ungarn, Italien, Spanien, Großbritannien, Frankreich sowie in den Niederlanden.

Für den koreanischen Reifenhersteller sind aber nicht nur die Ersatzmärkte von zentraler Bedeutung für dessen Wachstumsstrategie. Auch die Erstausrüstung nimmt eine immer größere Rolle ein. Als erster Automobilhersteller wird Volkswagen direkt aus dem europäischen Werk in Rácalmás beliefert. Der größte Automobilkonzern Europas rüstet die fünfte Generation seiner Transporterfamilie („T5“) mit dem neuen „Hankook Radial RA 28“ aus, der exklusiv für Volkswagen in Ungarn gefertigt wird. Auch Premiumhersteller Audi hat den Umfang des Erstausrüstungsgeschäfts mit Hankook Tire weiter ausgebaut und stattet seine Modelle A3, A3 Sportback und A3 Cabrio mit dem Hankook-HP-Reifen „Ventus S1 evo“ aus. Neben Audi und Volkswagen vertrauen auch die Hersteller Chevrolet, Chrysler, Ford, Hyundai, Kia, Opel und Renault auf Hankook Tire und sind seit vielen Jahren Partner des Reifenherstellers.

Maßgeblichen Anteil am europäischen Wachstum des koreanischen Reifenherstellers hat auch das europäische F&E-Zentrum. Im „Hankook Tire Europe Technical Center“ (ETC) in Langenhagen bei Hannover entwickelt ein 40-köpfiges Ingenieursteam maßgeschneiderte Reifenlösungen für den europäischen Markt, die direkt in Ungarn produziert werden können. „Dank eigener Forschung und Fertigung in Europa sind wir bereits heute in der Lage, Kundenwünsche schneller und effizienter als viele unserer Wettbewerber zu realisieren“, so Jin-Wook Choi. „Hankook Tire ist heute mehr denn je zugleich ein global operierendes als auch in Europa verwurzeltes Unternehmen. Unsere Kunden profitieren von einer optimierten Wertschöpfungskette und der hohen Qualität unserer Produkte.“ Im Mittelpunkt der Entwicklungsanstrengungen, die im deutschen Hankook-ETC zu bewältigen sind, steht die Verringerung des Rollwiderstands ohne Abstriche bei den anderen Leistungsparametern eines Reifens. „Die treibende Kraft in der Reifenentwicklung der Zukunft wird der Rollwiderstand sein“, erläuterte Dr. Hendrik Stevens, Chefingenieur im Europe Technical Center, insbesondere mit Blick auf das ab 2012 kommende Reifenlabel.

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