Kargro kämpft mit hohen Lagerbeständen und Absatzrückgängen bei Runderneuerten

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Basierend auf der pragmatischen Erkenntnis, dass Reifen nicht ewig halten, sondern sich abnutzen, zieht die Kargro-Gruppe buchstäblich Nutzen aus dem, was andere wegwerfen: Wie andere Betriebe sammelt Kargro Karkassen sowohl von Pkw- als auch von Nutzfahrzeugreifen und untersucht, ob sie zur Weiterverwendung geeignet sind, runderneuert werden können oder in den Shredder gehören. Einziger Unterschied zu anderen Unternehmen: die Größenordnung.

Die Kargro-Gruppe lagert im Schnitt 120.000 Karkassen für den Export, die jederzeit in eines von vierzig Ländern geliefert werden können. Als die NEUE REIFENZEITUNG in diesem Sommer dem Betriebsgelände in Montfoort einen Besuch abstattete, standen dort 40.000 Karkassen zur Inspektion bereit und noch weitere 115.000 lagerten an einem zusätzlichen Standort in der Nähe. Nach Unternehmensangaben ist der überdurchschnittliche Lagerbestand auf die reduzierte Transportleistung im Güterkraftverkehr zurückzuführen. Anstatt neue Reifen zu kaufen, würden einige Transportunternehmen ihren Bedarf durch die Verwendung der Reifen von aufgrund der Krise stillgelegten Teilen ihres Fuhrparkes decken. Insbesondere Reifen der Größe 315/70 R22.5 lassen sich laut Kargro als Folge dessen derzeit nur schwer verkaufen.

Im Jahr 2007 setzte Kargro noch rund eine Million Reifen ab, aber angesichts der seit Monaten schwierigen Marktbedingungen ist es jedoch zweifelhaft, ob das Unternehmen diese Marke 2008 wieder erreicht hat, geschweige denn im laufenden Jahr erreichen wird. Deswegen setzt man vielmehr auf Diversifikation, um die Krise erfolgreich zu überstehen, wobei das Unternehmen von der Verflechtung der einzelnen Geschäftsbereiche profitieren dürfte. Den Kern bilden dabei das Sammeln sowie die Lagerung von Karkassen. Die Karkassen werden dabei gemäß solcher Standards wie VACO, Recytyre und ISO 9002 auf einer dafür reservierten Fläche von alles in allem 75.000 Quadratmetern gelagert, bevor sie in die ganze Welt exportiert werden.

Geeignete Pkw-Reifenkarkassen werden durch das auf den Handel spezialisierte Kargro-Tochterunternehmen Lintire vermarktet, während sich Kargro International auf den Vertrieb neuer und gebrauchter Lkw-Räder „in den gebräuchlichsten Größen“ spezialisiert hat. Karkassen, die man nicht exportiert bzw. verkauft, führt Kargro entweder der eigenen Runderneuerung zu oder sie werden durch das Tochterunternehmen Rumal recycelt. Zum Zeitpunkt des Besuches der NEUE REIFENZEITUNG dürfte der Ausstoß der Runderneuerungsproduktion – so wie auch bei anderen Unternehmen der Branche – nur bei etwa der Hälfte des normalen Niveaus gelegen haben.

Die zu Kargro gehörenden Betriebe Banden Plan (Holland) und Tyre Plan (Belgien) können Karkassen von Kunden gemäß deren jeweiligen Vorgaben im Kalt- oder Heißverfahren runderneuern. Heißerneuerte Reifen werden mit dem Markennamen UBO versehen, bei der Kaltneuerung setzt Kargro auf das Bandag-Verfahren. Die jährliche Kapazität an Bandag-Runderneuerungen wird dabei mit bis zu 60.000 Einheiten beziffert, und Firmenangaben zufolge verfügt man über insgesamt 21 Vulkanisationspressen. Qualität hat bei Kargro einen hohen Stellenwert, schließlich sei – führt das Unternehmen als ein Beispiel dafür an – das UBO-Werk eines der ersten gemäß ECE-R 109 und ISO 9002 zertifizierten in Europa gewesen.

Um Reifen, die weder verkauft noch exportiert oder runderneuert werden, kümmert sich die seit 1994 zur Kargro-Gruppe gehörende Tochterfirma Rumal, die über einen großen Erfahrungsschatz in Sachen Reifenrecycling verfügt. Jedes Jahr verarbeitet das Unternehmen 30.000 Altreifen, wobei solche mit einem Durchmesser zwischen 1.400 und 450 Millimetern direkt in den Shredder wandern und in Form von Gummigranulat wieder herauskommen. Bei zwei Anlagenlinien kann das Altgummi zuvor sowohl Temperaturen unterhalb von minus 45 Grad Celsius ausgesetzt als auch bei normaler Umgebungstemperatur geshreddert werden. Die Rumal-Endprodukte kommen unter anderem in Sportplatzbelägen, bei Gummimatten in Ställen oder auch als Asphaltzusatz für Straßenfahrbahnen zum Einsatz. Dementsprechend könnte das Firmenmotto folglich lauten: „So oder so – von Kargro eingesammelte Karkassen werden wiederverwendet“.

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