“Systemanbieter” Meyer Lissendorf auf dem Weg zum Vollsortimenter

Mit offenkundigem Elan und Kreativität und mit den zukunftsweisenden Projekten wird in der Eifel bei Meyer Lissendorf an der Zukunft des Unternehmens gearbeitet, das ist spürbar. Mit im Boot ist Heinz-Werner Knörnschild (58), der als Generalbevollmächtigter für die Meyer Lissendorf GmbH & Co. KG International Trading und für die Firmengruppe Meyer Lissendorf insgesamt tätig ist. Da liegt es auf der Hand, dass er sein gesamtes Handels-Know-how auch in die Weiterentwicklung des MLX-Handelskonzeptes einbringt. Es ist der strategische Aufbau von Meyer Lissendorf hin zum Vollsortimenter und die Positionierung von ML als unverwechselbare Marke, die – im Kontext des europäischen Reifenmarktes – im Fokus der gesamten Aktivitäten steht.

Dabei fängt er nun wahrlich nicht „bei Null“ an: Das Unternehmen Meyer Lissendorf wurde schließlich schon vor 35 Jahren von Hubert Vietoris und seiner Frau Maria, geborene Meyer, in Lissendorf gegründet, er gebürtig in Gönnersdorf, sie in Lissendorf. Beide stehen noch heute im Unternehmen, allerdings nicht mehr alleine: Ihre Tochter Carmen ist Mitgeschäftsführerin und Minderheitsgesellschafterin. Sohn Christian arbeitet derweil an seiner Rennfahrerkarriere und ist zweifellos derzeit eines der größten Talente im deutschen Motorsport, ist also „reifen-affin“ unterwegs und nicht zuletzt ein Werbeträger fürs Unternehmen.

Er wird damit einen Beitrag leisten können, aus „Meyer Lissendorf“ eine echte Marke zu machen. Vom Leistungsportfolio sei man das eigentlich schon, aber es gebe so einiges im Markt, wo „Meyer Lissendorf drin ist, aber nicht Meyer Lissendorf draufsteht“, führt Knörnschild als Beispiel die langjährige Expertise im Komplettradgeschäft an, die vor allem Automobilimporteure so gerne nutzen. „Und im Übrigen nicht nur bei Winter-, sondern auch bei Sommerrädern“, wie Hubert Vietoris (61) ergänzt. Die „Automotive Wheel Systems“ arbeitet (fast) wie ein echter Erstausrüstungslieferant, der mehr zu bieten hat als nur die qualitativ untadelige Montage: Und das reicht vom Bestellsystem bis hin zur Just-in-Time-Belieferung.

Zur Firmengruppe gehören mit der M+R Logistik GmbH & Co. KG sowie der AGWR (Allgemeine Gummiwertstoff und Reifenhandels GmbH) darüber hinaus weitere eigenständig operierende Firmen, aber die ganze Struktur von Meyer Lissendorf ist „holdingähnlich“, ohne dies im gesellschaftsrechtlichen Sinne zu sein. Ob man nun von Abteilungen oder wie dies große Konzerne gerne tun von „Business Units“ spricht, ist im Grunde sekundär. Wichtig ist die sinnvolle Strukturierung, die ein kenntnisreiches Spezialistentum in einer einzelnen Einheit ebenso beinhalten kann wie abteilungsübergreifendes Arbeiten. Das wird ganz pragmatisch gesehen und bedarf auch immer wieder der Justierung: Schafft ein Nischenprodukt wie das von Meyer Lissendorf exklusiv vertretene Aluminiumschmiederad für Lkw namens Xlite irgendwann mehr Volumen als beim Start des Produktes erwartet werden kann, ordnet man es eher den Nutzfahrzeugexperten im eigenen Hause zu oder denen, die tuningaffin sind und sich im Unternehmen um Pkw-Aluminiumfelgen kümmern? Sollen die Verantwortlichkeiten eher produkt- oder eher kundenbezogen definiert sein oder sollte man beides besser fein säuberlich trennen? „HWK“, wie Heinz-Werner Knörnschild firmenintern auch schon mal genannt wird, bringt seine langjährige fundierte Handelserfahrung ein, um bei der Beantwortung solcher Fragen zu helfen.

Meyer Lissendorf setzt in der Gruppe jährlich um die hundert Millionen Euro um, so Hubert Vietoris. Die tradierten Großhandelsstrukturen im Reifengeschäft erscheinen ihm überholt, spricht er doch von der Funktion als Dienstleistungsprovider und dem Selbstverständnis als Systemlieferant. Reifen oder Räder liefern, das können andere auch. Meyer Lissendorf stellt an sich selber den Anspruch, mit einer hohen Professionalität mehr zu bieten, will vor allem auch in den Nischen gut aufgestellt sein.

Bei Landwirtschaftsreifen erinnert Hubert Vietoris daran, dass mit diesem Produktsegment 1974 eigentlich die ganze Unternehmensgeschichte ihren Anfang genommen hat. Ursprünglich mit dem Continental-Konzern eingefädelt, ist Meyer Lissendorf heute ein bedeutender Partner der tschechischen CGS-Gruppe, hatte erst Agrarreifen unter der Marke Uniroyal, dann unter Semperit und künftig unter wieder einem anderen Markennamen vertrieben, nicht exklusiv, aber als einer der größten Vermarkter hierzulande. Mit der türkischen Marke Petlas allerdings entzieht sich Meyer Lissendorf weitgehend der Vergleichbarkeit mit anderen Marken. Dass der Weg zum Vollsortimentertum ein langer ist, verdeutlicht Vietoris am Beispiel EM-/Industriereifen, wo es noch genügend Nischen in der Nische gibt. Während sich Meyer Lissendorf bei Aluminiumrädern – trotz einigee Angebote, die ans Unternehmen herangetragen worden sind – völlig aus dem klassischen Eigen- oder Exklusivmarkenbereich schon vor Jahren zurückgezogen hat und statt dessen heute breit aufgestellt mit allen relevanten Anbietern zusammenarbeitet, erweist sich in der Rückschau als „strategisch goldrichtige Entscheidung“, freut sich Vietoris.

Und doch beschäftigt ihn das tuningnahe Geschäft und wurde so zu einer Domäne ausgebaut. Meyer Lissendorf hat vor geraumer Zeit einen „Ultra-High-Performance-Club“ gegründet und legt im Premiumbereich über dem Marktdurchschnitt zu. Gerade hier greift die „Nischenphilosophie“. Man habe nicht nur eher selten nachgefragte Reifengrößen in 20, 21 oder 22 Zoll auf Lager liegen, erklärt der Generalbevollmächtigte, sondern diese auch sortiert nach den speziellen Kennungen der Automobilhersteller wie „Stern“ oder „MO“. Das Meyer-Lissendorf-Programm geht weit über die Rennergrößen hinaus und in die Tiefe. Vor allem: Die Ware ist auch tatsächlich physisch vorhanden!

Eine hohe und beständige Verfügbarkeit ist dem Unternehmen also ein besonderes Anliegen. Etwa 470.000 Reifen und Räder sind in den beiden Lagern am Firmensitz und im nahen Lissendorf permanent untergebracht. Derzeit wird der Standort Gönnersdorf um- und ausgebaut samt einem zeitgemäßen Verwaltungstrakt. Die Pläne für einen kräftigen Ausbau der Kapazitäten des Lagers in Lissendorf liegen in der Schublade, der Zugriff auf ein benachbartes Grundstück kann jederzeit erfolgen und wäre sicherlich schon erfolgt, wenn nicht die allgemeine Wirtschaftskrise die Gesellschafter veranlasst hätte, die Umsetzung der Pläne erst einmal auf Eis zu legen. Zieht die (Reifen-)Konjunktur wieder an, dürfte die Schublade schnell geöffnet werden.

Wer im UHP-Bereich reüssieren will, der braucht vor allem starke Marken, benötigt die Aushängeschilder im Premiumbereich. Bekanntlich hat Meyer Lissendorf einen auf Großhandelsseite privilegierten Status bei Michelin, der inzwischen einmalig ist. Aber auch mit beispielsweise Continental, Dunlop, Hankook und Pirelli sei das Verhältnis ausgezeichnet, will Vietoris vermeiden, dass einer seiner Partner etwa zu kurz käme. Die Markenorientierung verschleiert aber nicht den Blick auf die Realitäten des Marktes, der nach Angeboten im preisgünstigen Bereich verlangt. Im Budgetsegment ist Meyer Lissendorf seit Jahren mit Rotex und Eurotec gut unterwegs. „Eine Marke ist zu wenig, um hinsichtlich der Vertriebskanäle differenzieren zu können“, erklärt Vietoris und lässt vermuten, dass das noch nicht das Ende der Fahnenstange ist. „Und zwei Marken kann schon mal eng werden.“

Bei aller Suche nach Innovationen, um das Unternehmen und das Geschäftsmodell für die Herausforderungen des nächsten Jahrzehnts „wetterfest“ zu machen, ist Meyer Lissendorf natürlich seiner Kernkompetenz als Großhändler und leistungsfähiger Partner der Industrie in der arbeitsteiligen Welt treu geblieben, versteht sich aber jetzt als „Systemgroßhändler“ mit innovativen Strukturen. Das Leistungsangebot der Gruppe ist so vielschichtig, dass auch die Kundenstruktur vielschichtig sein muss. Etwa ein Drittel des Umsatzes wird von der Kooperation MLX bestritten, für die man „Dienstleistungsprovider“ ist. Weitere Reifenhändler, Kfz-Betriebe, Autohäuser, Automobilimporteure usw. vertrauen auf die vielfältigen Angebote aus Gönnersdorf, dem Firmensitz der „Marke“ Meyer Lissendorf.

0 Kommentare

Schreiben Sie einen Kommentar

An Diskussionen teilnehmen
Hinterlassen Sie uns einen Kommentar!

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.