Pirelli-Geschäftsführer: „Markt auch in Zukunft weiterhin gefestigt“

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Der 4×4-/Offroad- und SUV-Reifenmarkt hat den Reifenherstellern in der Vergangenheit stets große Freude bereitet, waren dort doch überdurchschnittlich hohe Margen für gute Produkte zu erzielen. Doch in jüngster Vergangenheit machen sich einige Trends bemerkbar, die eher als Kontrapunkt zu den positiven Stimmen im Markt zu verstehen sind. Im Gespräch mit der NEUE REIFENZEITUNG erläutert Michael Borchert, Geschäftsführer Marketing und Vertrieb der Pirelli Deutschland GmbH, wie einer der führenden Hersteller in diesem Marktsegment die Situation beurteilt und erklärt, was die nähere Zukunft bringen wird.

Neue Reifenzeitung:

In der jüngsten Vergangenheit stieg der Absatz von 4×4-/Offroad-/SUV-Reifen in Deutschland stets über Marktdurchschnitt, trifft dies auch auf das Jahr 2008 zu?

Michael Borchert:

Wir sehen diesen Trend, sowohl für das Jahr 2008 als auch für die Zukunft, weiterhin als gefestigt.

Neue Reifenzeitung:

Welche Entwicklungen erwarten Sie für das laufende Jahr?

Michael Borchert:

Wir erwarten einen leichten Zuwachs im SUV-Segment für 17 und 18 Zollgrößen. Dieser erschließt sich durch die hohen Neuzulassungen in den vergangenen Jahren und dem konstanten Zuwachs an Modellvarianten in diesem Segment. Insbesondere das Segment Kompakt SUVs hat einen immer stärkeren Zuwachs verzeichnet. Dies kann man auch sehr gut an den aktuellen Zulassungszahlen beobachten, die bei Modellen wie dem VW Tiguan, Audi Q5 und Nissan Qashqai positiv gewachsen sind.

Neue Reifenzeitung:

Der BRV prognostiziert für 2009 einen deutlichen Verlust für das Marktsegment (Sell-out -4,9 Prozent; Pkw-Reifen ges. -3,5 Prozent) – ist dies der Beginn einer Trendwende?

Michael Borchert:

Das sehen wir nicht. Die ERMC-Daten des ersten Quartals 2009 bestätigen für den Sell-in ein Wachstum von 7,5 Prozent, der WdK für den Sell-out von 9 Prozent. Für uns geht der Trend in diesem Segment also weiterhin in Richtung Wachstum.

Neue Reifenzeitung:

Wenn man das Marktsegment differenziert betrachtet nach (a) SUV-Reifen und (b) den klassischen Offroadreifen, sind dort aktuell unterschiedliche Entwicklungen festzustellen?

Michael Borchert:

Das SUV-Segment diversifiziert sich zunehmender durch neue Down-Sizing-Modelle wie den Audi Q5, VW Tiguan und den neuen BMW X1. Hier ist also der Trend zu verzeichnen, dass das klassische SUV-Segment nicht mehr nur aus 18 Zoll aufwärts besteht, sondern auch kleinere Größen zu diesem Segment zu zählen sind.

Neue Reifenzeitung:

Erwarten Sie zukünftig unterschiedliche Entwicklungen bei SUV-Reifen und den klassischen Offroadreifen?

Michael Borchert:

Unserer Einschätzung nach wird das SUV-Segment konstant bleiben, bzw. durch neue Modelle wie z. B. Kompakt-SUVs weiter wachsen. Das klassische Offroadsegment ist bereits eine Nische und wird es auch weiterhin bleiben.

Neue Reifenzeitung:

Wie würden sich die Trends bei den Fahrzeugen auf die Reifenbranche und deren Produkte auswirken?

Michael Borchert:

Die Produktpaletten der Reifenhersteller müssen auch in diesem Segment auf Green Performance ausgerichtet sein. Für uns sind also rollwiderstandsoptimierte Energiesparreifen im SUV-Bereich ein Muss, als auch eine Anpassung der Größen hinsichtlich kleinerer SUVs.

Neue Reifenzeitung:

Stichwort Trend: Welche Entwicklung gibt es bei Runflatreifen im besagten Reifensegment?

Michael Borchert:

Es ist zu beobachten, dass das Wachstumstempo des Runflatsegments seinen Zenit im Allgemeinen überschritten hat, wie man auch am Beispiel BMW sieht.

Neue Reifenzeitung:

Erkennen Sie unterschiedliche Trends Winter- und Sommer-SUV-Reifen betreffend?

Michael Borchert:

Wir erkennen den Trend, dass Ganzjahresprofile zugunsten „echter“ Winter- und Sommerreifen zurückgehen werden.

Neue Reifenzeitung:

Gehen wir von einer weiteren Diversifizierung aus: Hat die Reifenindustrie daran ein Interesse?

Michael Borchert:

Diese Frage ist bereits grundsätzlich beantwortet. Wie gesagt sehen wir ein Down-Sizing als weitere Diversifizierung. Dies geschieht unabhängig vom Interesse der Reifenindustrie, da hier die Anforderungen der Automobilhersteller und der Wunsch des Autofahrers nach Kompakt-SUVs den Bedarf definieren.

Neue Reifenzeitung:

Was sind die wesentlichen Einflussfaktoren, die eine solche Entwicklung beeinflussen (würden)?

Michael Borchert:

Mögliche Einflussfaktoren können die Gesetzgebung, aktuelle Trends sowie natürlich die Umweltdebatte sein. Wir denken, dass SUV-Liebhaber das Fahrgefühl eines SUVs trotz allem beibehalten möchten. Wenn es also entsprechend spritsparende Diesel- oder Hybridmodelle mit ökologischen und gleichzeitig Performance orientierten SUV-Reifen gibt, wird dieses Segment auch in Zukunft Erfolg haben.

Neue Reifenzeitung:

Könnte es aber auch sein, dass das Marktsegment der SUV-Fahrzeuge in Deutschland keinerlei Wachstumschance mehr hat?

Michael Borchert:

Der Kundenwunsch nach solchen Fahrzeugen existiert. Somit ist seitens der Automobilhersteller eine Anpassung an die veränderten Marktbedingungen notwendig, um auch zukünftig entsprechende Modelle entwickeln und verkaufen zu können.

Neue Reifenzeitung:

Stimmen Sie der Beobachtung zu, dass mehr und mehr Anbieter auf diesen Markt drängen?

Michael Borchert:

Ja, ihr stimmen wir zu – was in anderen Segmenten auch zu beobachten ist. Dies bringt die Globalisierung nun einmal mit sich. Jedoch lässt sich der technische Vorsprung durch entsprechende Forschungs- und Entwicklungsarbeiten, die bei den etablierten und traditionsreichen Reifenherstellern zum Grundrezept zählen, nicht so einfach kopieren. Den Spagat zwischen Sicherheit und Umweltfreundlichkeit werden hier nur wenige Premiumhersteller meistern können.

Neue Reifenzeitung:

Wie wirkt sich dies auf die Marktposition etablierter Hersteller aus?

Michael Borchert:

Wie in anderen Bereichen gilt auch hier: Es gibt Premium und Nicht-Premium. SUV-Fahrer haben in der Regel ein emotionales Verhältnis zum Automobil und treffen ihre Entscheidung primär nicht über den Preis. Deshalb ist für den klassischen SUV-Fahrer ein Premiumfabrikat die erste Wahl.

Neue Reifenzeitung:

Wie wirkt sich dies ganz allgemein auf die Preissituation am Markt aus?

Michael Borchert:

In diesem noch relativ jungen Marktsegment wird es einen hohen Technologieanspruch, insbesondere in Richtung umweltverträglicher Reifen mit gleich bleibend hohen Sicherheitseigenschaften, nicht zum Discountpreis geben.

Neue Reifenzeitung:

Mit welchen Argumenten kann man Reifenhändler und Endverbraucher unter diesen Umständen überzeugen, auf Premiumfabrikate zu setzen?

Michael Borchert:

Premiumfabrikate bieten Sicherheit – dies bestätigen diverse unabhängige Reifentests Stichwort: Bremsen bei Nässe z. B.  Darüber hinaus bieten Premiumfabrikate auf die komplette Lebensdauer eines Reifens gerechnet eine Kosteneinsparung durch z. B. kürzere Bremswege gepaart mit einer längeren Lebensdauer. Ferner bieten Premiumfabrikate einen reduzierten Rollwiderstand, ohne an Sicherheit zu verlieren.

Neue Reifenzeitung:

Was macht den Mehrwert Ihrer Produkte im Vergleich zu denen eines X-beliebigen Importreifens aus Fernost aus?

Michael Borchert:

Unsere Produkte zeichnen eine deutlich höhere Sicherheit unter anderem beim Bremsen, eine höhere Stabilität, eine kontrollierte und konstant hohe Produktqualität, ein höherer Komfort, sowie ein besserer Rundlauf aus. Und natürlich die für Pirelli-typische Freude am Fahren. Nicht umsonst sind wir Marktführer in diesem Segment.

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