Kurz RHG bietet Gebrauchtreifen mit Philosophie

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Unternehmen, die heutzutage auf beim Gebrauchtreifen- und Karkassenhandel bestehen möchten, sind auf gute, langjährige Beziehungen zu Lieferanten und kreativen Geschäftsideen angewiesen. Immer mehr hält etwa die Neureifenindustrie die Hand auf dem Kreislauf von Lkw-Reifen – sozusagen von der Wiege bis zur Bahre bleiben diese Reifen heute oftmals Teil des Produktions- und Vermarktungssystems der großen Hersteller mit ihren Flottenlösungen. Und bei Pkw-Reifen ist der Wettbewerb um passable Gebrauchtreifen immens groß und führt sogar dazu, dass noch vermarktungsfähige Altreifen immer öfter direkt aus dem Container des Reifenhandels gestohlen werden. Dennoch sieht Josef Kurz – seinem Naturell entsprechend – die Situation positiv: „Wir sind zufrieden und verdienen unser Geld“, so der Gründer der Kurz Reifenhandelsgesellschaft mbH (RHG) aus dem hessischen Riedstadt-Goddelau.

Das Geschäft mit Gebrauchtreifen hat sich in den vergangenen Jahren zwar nicht abrupt, wohl aber schrittweise verändert. Josef Kurz stuft diese Veränderungen im Gespräch mit der NEUE REIFENZEITUNG zwar nicht als „wesentlich“ ein und meint, „im Großen und Ganzen“ habe sich der Markt nicht allzu sehr verändert. Dennoch macht sich heute gerade beim Geschäft mit runderneuerungsfähigen Karkassen der Wettbewerb durch die Neureifenindustrie bemerkbar. Während die Reifenhersteller lange Jahre ihre Lkw-Reifen fertigten, sie vermarkteten und sich endgültig von ihnen verabschiedeten, entwickeln diese Unternehmen heute mehr und mehr Reifenmanagementsysteme im Rahmen des sogenannten Flottenmanagements. Lkw-Reifen landen nach ihrem Austausch schon lange nicht mehr in der Verfügungsgewalt der Montagestelle, sondern werden in der Regel nachgeschnitten oder runderneuert. Erst wenn der Reifen seinen vollständigen Lebenszyklus bewältigt hat, erhalten Karkassen- und Gebrauchtreifenhändler einen Zugriff.

„Nutzfahrzeugreifen gehen in der Regel heute an uns vorbei. Soweit diese noch runderneuerungsfähig sind, werden sie von den Neureifenherstellern bei den einzelnen Transportunternehmen schon vorab abgegriffen“, sagt Josef Kurz (76) , der das Unternehmen bereits 1955 gegründet hat und folglich auf mehr als fünf Jahrzehnte Erfahrung zurückblicken kann. Dies ist auch der Grund dafür, dass das Familienunternehmen mit seinen rund 20 Mitarbeitern heute immer weniger Reifen an Runderneuerungsbetriebe vermarktet. Vor vier Jahren versorgte die Kurz RHG die deutschen Runderneuerer noch mit 20.000 Lkw-Reifenkarkassen; weltweit wurde sogar eine sechstellige Anzahl an Karkassen vermarktet. Diese Zahlen seien deutlich rückläufig: „Das Geschäft ist heute nicht mehr lohnend für uns.“

Aber auch das Geschäft mit Pkw-Reifen hat sich in den Jahren leicht verändert, sodass die Kurz RHG, deren Geschäftsführer Sohn Oliver Kurz (43) ist, auch hier Kreativität beweisen musste und muss, um nicht vom Markt überholt zu werden. Das Unternehmen ist dabei kein klassischer Altreifenentsorger (wie etwa der Kurz Karkassenhandel, der von Bruder Karl Kurz betrieben wird, nicht aber mit der Kurz RHG zu verwechseln ist). Während der Altreifenentsorger sich in der Regel – jedenfalls wenn er auf Basis einer ernst zu nehmendem betriebswirtschaftlichen Kalkulation arbeitet – die Abholung der demontierten Reifen beim Handel bezahlen lässt, kaufen Josef und Oliver Kurz ganz gezielt brauchbare Pkw-Reifen im Handel und beim Entsorger auf. „Wir selbst entsorgen nur sehr große Firmen und Behörden. Dazu haben wir Verträge mit unseren Lieferanten, meistens mehrjährige“, so Josef Kurz weiter.

Reifen, die die umfassende Eingangsprüfung nicht bestehen, also in den Augen des prüfenden Kurz-Mitarbeiters nicht als Gebraucht- oder Millimeterreifen taugen, gehen zurück und landen in einem der für „Schrottreifen“ üblichen Kanäle, also entweder in der thermischen oder in der stofflichen Verwertung (Verbrennung oder Granulierung). Es sei allerdings anzumerken, dass es für die so genannten Millimeterreifen immer weniger Absatzmöglichkeiten gebe, da dieses Geschäft heute immer mehr durch die Altreifenentsorger bestimmt wird.

Reifen allerdings, die die Eingangsprüfung erfolgreich passieren, werden zu einem qualitätsgeprüften und mit Garantie versehenen Handelsgut, dass sich – nicht nur in Zeiten der wirtschaftlichen Krise – gut vermarkten lässt. Dabei sind es insbesondere die Exportmärkte, auf denen die Kurz RHG ihre Gebrauchtreifen vermarktet. „Wir liefern heute mehr als 90 Prozent unserer Reifen in den Export.“ Auch früher lag der Fokus der Handelsaktivitäten immer schon auf den Exportmärkten. Welche Märkte das Unternehmen dabei vorwiegend beliefert, ändere sich ständig. Es gab sogar eine Zeit, da war Josef Kurz einziger lizensierter Exporteur für den brasilianischen Reifenmarkt. Heute beliefert man vorwiegend Märkte im Nahen Osten, etwa Jordanien, den Libanon oder Irak. Alle diese Lieferungen finden im Übrigen direkt statt. Auch in Osteuropa und den GUS-Staaten könne man immer noch qualitativ hochwertige Gebraucht-Pkw-Reifen vermarkten. Dieses Geschäft sei allerdings rückläufig, da sich die Reifengroßhändler aus Benelux und Co. in dieser Region stark mit ihren günstigen Exklusiv- und Importmarken engagieren. Nach Afrika hingegen vermarktet die Kurz RHG kaum noch Reifen. Entweder ziehen Reifenhändler aus Afrika in Deutschland von Tür zu Tür und kaufen Gebrauchtreifen auf, oder aber das Geschäft mit den Händlern dort wird direkt durch die Entsorger gemacht. „Exporte nach Afrika“, so Josef Kurz, „sind für uns nicht lohnend.“

Ein Trend, der dem Export von Gebrauchtreifen aus Deutschland immer mehr entgegensteht, sind die immer größer werdenden Reifen mit immer geringeren Querschnitten. Der Markt in Deutschland werde heute dominiert durch Reifen in 16, 17 und sogar 18 Zoll, und der Trend geht weiter nach oben. Dies sind allerdings nicht die Dimensionen, die auf Exportmärkten übermäßig gefragt sind. Dies sind in der Regel Reifen in 13 und 14 Zoll und 80er, 70er oder 65er Querschnitten. Da sei es klar, dass „wir heute nicht mehr alles liefern können“, so Josef Kurz, der dennoch betont, man gehöre zu den „größeren international operierenden Karkassen- und Gebrauchtreifenhändlern“ in Europa und könne auf diese Position vertrauen.

Einer der Gründe, warum das Geschäft mit Gebrauchtreifen trotz aller Veränderungen am Markt, einträglich für das Unternehmen aus Riedstadt-Goddelau bleibt, ist der hohe Qualitätsstandard, den man seit Jahrzehnten an die zu vermarktenden Reifen anlegt. Von der Hürde, die ein Reifen bei der Eingangskontrolle überwinden muss, war oben bereits die Rede; der Reifen wird hier selbst unter Druck geprüft. Was aber noch hinzu komme, sei die Kurz-Garantie. „Wir sortieren sorgfältig und verkaufen meistens an Wiederverkäufer mit Umtauschrecht“, ergänzt Oliver Kurz. Wozu man in Deutschland per Gesetz verpflichtet sei, gelte auf anderen Märkten freiwillig. Sollte es berechtigte Beanstandungen über einen fehlerhaft gelieferten Gebrauchtreifen geben, kümmere man sich natürlich um eine Regulierung mit dem Kunden. Oliver Kurz: „Wir geben Garantie.“

Dass diese freiwilligen Leistungen natürlich ihren Preis haben, ist klar. Nicht umsonst sagt Josef Kurz, dass „wir die höchsten Preise“ erzielen und formuliert dies wie ein besonderes Gütesiegel seines Unternehmens. Aber der Preis, der eben auch die hohen Sortier- und Prüfkosten beinhaltet, komme auch den Zulieferern von Gebrauchtreifen zugute, die wiederum für ihre qualitativ hochwertigen Gebrauchtreifen einen guten Preis erzielen können. Dies sei „unsere Philosophie“, betonen Josef und Oliver Kurz gegenüber der NEUE REIFENZEITUNG. Während man also in Riedstadt-Goddelau auf Qualität der vermarkteten Produkte setzt, stehe man „im Gegensatz zum Hauptwettbewerb, den klassischen Entsorgern“, wo der Gebrauchtreifen als verwertbares Nebenprodukt eher zufällig anfällt. Hinzu kommt noch, das man auf dem über 40.000 m² großen Betriebsgelände „große Bestände von erstklassigen geprüften Reifen“ lagert, die man allerdings auch brauche, da oftmals Container-weise verkauft wird. Das Unternehmen sei daher ständig lieferfähig.

Die Kurz RHG ist aber nicht nur im Handel mit Gebrauchtreifen aktiv. Das Unternehmen, das bis in die 1970er Jahre hinein sogar ein eigenes Netzwerk an Servicestationen in der Region betrieb, vermarktet weiterhin auch Neureifen. Aber auch hier gilt die besondere internationale Ausrichtung, denn nur wenige Neureifen werden in Deutschland vermarktet; auch hier sind es die Exportmärkte, oftmals sogar dieselben Kunden, die Kurz mit neuen Pkw- und Lkw-Reifen beliefert. Das Geschäft mit Neureifen macht dabei keinen geringen Anteil an den verkauften Stückzahlen aus: Das Verhältnis von Neu- zu Gebrauchtreifen liegt heute sogar schon bei eins zu zwei.

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