EU-Reifenlabel-Schummler müssen jetzt mit engmaschigen Kontrollen rechnen

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Konnten sich Hersteller von Reifen bisher (nahezu) sicher sich, dass ihre Selbstzertifizierung nach der EU-Reifenkennzeichnungsverordnung nie von den dafür zuständigen Marktüberwachungsbehörden in Deutschland oder anderswo in Europa überprüft wird, so ist dieses ‚gute Gefühl’ jetzt nach dreieinhalb ruhigen Jahren offenbar dahin. Immer wieder schüttelten Beobachter des Marktes nur mit den Köpfen, wenn sie realisierten: Die Reifenhersteller zertifizieren ihre Produkte selbst und Kontrollmechanismen oder einfach nur punktuelle Kontrollen gibt es quasi nicht. Die Europäische Kommission hat jetzt den Zusammenschluss europäischer Marktüberwachungsbehörden ProSafe beauftragt, sich in Zukunft intensiv um das EU-Reifenlabel und dessen Einhaltung zu kümmern. ProSafe hat dazu jetzt sein Aktionsprogramm namens „Market Surveillance Action on Tyres 2015“ (in kurz: „MSTyr15“) offiziell begonnen. Während in Deutschland im vergangenen Jahr dem vernehmen nach nur 40 Reifen auf ihre EU-Reifenlabel-Konformität hin überprüft wurden, sollte eine Zahl vermeintlichen Schummlern jetzt Sorge bereiten: 15.000.

Wie das Projekt ProSafe – ein europäischer Zusammenschluss von Marktüberwachungsbehörden zu Produktsicherheit – jetzt verkündet, wolle man in den kommenden 24 Monaten immerhin „15.000 Reifen kontrollieren, 1.500 Dokumente überprüfen und 150 Reifenmodelle testen“. Was sich dahinter jeweils genau verbirgt, teilt ProSafe derweil nicht mit. Sehr wohl jedoch, dass sich an dem Aktionsprogramm nur Behörden und Inspektoren in 13 EU-Staaten – das sind Belgien, Bulgarien, Kroatien, Estland, Finnland, Deutschland, Lettland, Litauen, Luxemburg, Polen, Rumänien, Spanien und Schweden – und die Türkei beteiligen. Dennoch betonen die Koordinatoren des Aktionsprogramms von ProSafe, man werde die entsprechenden Behörden in allen 28 EU-Mitgliedsstaaten zum Thema miteinander verknüpfen und Informationen im Sinne einer Best Practice auszutauschen. Auch sei ein solcher Ansatz eben auch wirtschaftlicher – Reifen, die in Litauen vermarktet werden, sind selten andere als solche, die Italien vermarktet werden; wo offensichtlich nicht kontrolliert werden soll.

Das Ziel des konzertierten Aktionsprogramms soll es sein, so ProSafe, „falsch gelabelte Reifen vom Markt zu holen“. Von weiteren Sanktionsmaßnahmen ist nicht die Rede. Es wird zwar keine Prognose abgegeben, wie viele dieser Reifen auf europäischen Straßen unterwegs sind. Dennoch meint ProSafe, man könne auf diese Weise „wenigstens 105 GWh/Jahr an Energie einsparen“; offenbar werden sich die Inspektoren in jedem Fall um die Labelwerte für die Rollwiderstände der Reifen kümmern.

Der europäische Reifenherstellerverband ETRMA begrüßte das Aktionsprogramm der Europäischen Kommission, schaffe dies doch endlich „gleiche und faire Voraussetzungen in Europa zum Nutzen der Verbraucher“. ab

 

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